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Lot Nr. 15


Thangka "Die Gottheiten des tibetischen Totenbuchs", Tibet, 18. Jh.


Nyingma Tradition, Pigment mit einem mit Wasser vermischbarem Bindemittel auf Tuch, 92 x 62 cm, knittrig, Riss, (Hr)

Wir danken Dipl. Ing. Uwe Niebuhr, BA MA für seine Unterstützung der Katalogisierung des Werkes.

Das vorliegende Thangka zeigt Ādibuddha Samantabhadra (Tib. kun tu bzang po) mit Partnerin Samantabhadrī (Tib. kun tu bzang mo) und die Gottheiten des Guhyagarbha Tantra (Tib. rgyud gsang ba'i snying po) der Nyingma Tradition des tibetischen Buddhismus. Diese Gottheiten sind auch als die 42 friedlichen und 58 zornigen Gottheiten des tibetischen Totenbuchs bekannt.
Guru Padmasambhava aus dem 8. Jahrhundert wird die Urheberschaft des Totenbuchs zugeschrieben. Er soll den Text in einem Berg in der Region Dagpo im Südwesten Tibets versteckt haben. Der Legende nach wurde dieses Tantra im 14. Jahrhundert durch den Gelehrten Karmalingpa (Tib. karma gling pa) als spritueller Schatztext (Tib. gter ma) gefunden, der ihn daraufhin niederschrieb.
Der Text beschreibt die visionären Erlebnisse im Augenblick des Todes bis zur Erlangung der Wiedergeburt. Der Weg dieses Zwischenzustandes (Tib. bar do) entscheidet darüber, ob der Verstorbene einer neuen Wiedergeburt in einem der sechs Bereiche des Lebensrades (Skt. bhavacakra) entgegengeht oder die Erlösung aus dem ewigen Kreislauf erlangt.
Der praktizierende Buddhist erlernt bereits zu Lebzeiten den meditativen Weg durch die verschiedenen Stationen des Zwischenzustandes, wobei ihm das vorliegende Thangka bei der Visualisierung der zahlreichen Gottheiten als Hilfsmittel dient.
Zum Zeitpunkt des Todes wird der Text dem Verstorbenen vorgelesen, damit er sich an dessen Erlösungsweg erinnert, weswegen das tibetische Totenbuch auch als Bardo Thödol (Tib. bar do thos grol) bekannt wurde: "Die große Befreiung durch Hören im Zwischenzustand". Die Schriften werden mindestens 14 Tage lang täglich oder auch bis zu 49 Tage gelesen, wobei die ersten zwei Wochen den friedlichen und zornigen Gottheiten gewidmet sind.
Am oberen Bildrand dieses Thangkas ruht der weiße Ādibuddha Vajrasattva [A] in Wolken. Guru Padmasambhava [B] ist in der linken oberen Ecke dargestellt, gleich gegenüber befindet sich der bedeutende Nyingma-Gelehrte Longchen Rabjam (1308-1364, Tib. klong chen rab 'byams) [C]. Unter ihnen ist der Reigen der friedlichen und zornigen Gottheiten angeordnet.

In den ersten sieben Tagen erscheinen die 42 friedlichen Gottheiten [im Diagramm in weißen Ziffern angegeben]. Im Zentrum des Bildes steht der blaue Ādibuddha Samantabhadra und seine weiße Partnerin [1-2]. Dieser Buddha gilt als das reinste und höchste Licht, das es zu erreichen gilt. Die Gottheiten des Totenbuchs halten dem Verstorbenen eine Art Spiegel vor, damit er dieses Licht erkennen kann. Am ersten Tag erscheint der Tathāgata Vairocana mit seiner Partnerin [3-4]. Am zweiten bis zum fünften Tag treten weitere Tathāgatas in den Vordergrund: Akṣobhya [5-10], Ratnasambhava [11-16], Amitābha [17-22], Amoghasiddhi [23-28] - jeweils mit ihrem Gefolge aus Partnerin, zwei Mahābodhisattvas und zwei Ḍākinīs. Am sechsten Tag erscheinen alle vorherigen Gottheiten noch einmal gemeinsam, wobei sich die sechs Buddhas des Lebensrades [29-34] und die vier Torhüter mit Partnerin [35-42] dazugesellen. Den siebentägigen Zyklus beschließt die Gruppe "Zehn wissenshaltende Gottheiten" (Skt. vidyādhara), die als fünf Götterpaare [43-52] dargestellt ist.

Im zweiten Zyklus, der ebenfalls sieben Tage umfasst, erscheinen die 58 zornigen Gottheiten [im Diagramm in gelben Ziffern angegeben]. Auch sie versuchen, den Verstorbenen auf den rechten Weg zu bringen. Es sind vom achten bis zum zwölften Tag je ein geflügelter Heruka mit Partnerin: Buddha-Heruka [1-2], Vajra-Heruka [3-4], Ratna-Heruka [5-6], Padma-Heruka [7-8] und Karma-Heruka [9-10]. Am dreizehnten Tag erscheinen gleich drei Gruppen: "Die 8 weiblichen Gaurī Mamo" [11-18], "Die 8 tierköpfigen Tamenma" [19-26] sowie "Die 4 Torhüterinnen" [27-30]. Dieser Reigen wird am vierzehnten Tag noch durch die Gruppe der "28 tierköpfigen Göttinnen" [31-54] und weitere "4 Torhüterinnen" abgeschlossen. Zu dieser Gruppe der 58 zornigen Gottheiten gesellt sich noch ein weiteres Paar hinzu, das speziell den zornigen Aspekt von Samamtabhadra verkörpert: Chemchok-Heruka mit Partnerin [59-60].
Der religiöse Hintergrund dieses Thangkas ist hoch komplex und eine ausführliche Erklärung würde viele Seiten umfassen. Es kann als selten bezeichnet werden, da nur wenige Thangkas, wie das vorliegende, alle Gottheiten des tibetischen Totenbuchs abbilden. Auch die äußerst ansprechende Komposition der Gottheiten und deren Farbenpracht unterschreichen die Besonderheit dieses Thangkas.

Expertin: Regina Herbst Regina Herbst
+43-1-515 60-356

regina.herbst@dorotheum.at

21.09.2020 - 14:00

Erzielter Preis: **
EUR 6.400,-
Rufpreis:
EUR 2.000,-

Thangka "Die Gottheiten des tibetischen Totenbuchs", Tibet, 18. Jh.


Nyingma Tradition, Pigment mit einem mit Wasser vermischbarem Bindemittel auf Tuch, 92 x 62 cm, knittrig, Riss, (Hr)

Wir danken Dipl. Ing. Uwe Niebuhr, BA MA für seine Unterstützung der Katalogisierung des Werkes.

Das vorliegende Thangka zeigt Ādibuddha Samantabhadra (Tib. kun tu bzang po) mit Partnerin Samantabhadrī (Tib. kun tu bzang mo) und die Gottheiten des Guhyagarbha Tantra (Tib. rgyud gsang ba'i snying po) der Nyingma Tradition des tibetischen Buddhismus. Diese Gottheiten sind auch als die 42 friedlichen und 58 zornigen Gottheiten des tibetischen Totenbuchs bekannt.
Guru Padmasambhava aus dem 8. Jahrhundert wird die Urheberschaft des Totenbuchs zugeschrieben. Er soll den Text in einem Berg in der Region Dagpo im Südwesten Tibets versteckt haben. Der Legende nach wurde dieses Tantra im 14. Jahrhundert durch den Gelehrten Karmalingpa (Tib. karma gling pa) als spritueller Schatztext (Tib. gter ma) gefunden, der ihn daraufhin niederschrieb.
Der Text beschreibt die visionären Erlebnisse im Augenblick des Todes bis zur Erlangung der Wiedergeburt. Der Weg dieses Zwischenzustandes (Tib. bar do) entscheidet darüber, ob der Verstorbene einer neuen Wiedergeburt in einem der sechs Bereiche des Lebensrades (Skt. bhavacakra) entgegengeht oder die Erlösung aus dem ewigen Kreislauf erlangt.
Der praktizierende Buddhist erlernt bereits zu Lebzeiten den meditativen Weg durch die verschiedenen Stationen des Zwischenzustandes, wobei ihm das vorliegende Thangka bei der Visualisierung der zahlreichen Gottheiten als Hilfsmittel dient.
Zum Zeitpunkt des Todes wird der Text dem Verstorbenen vorgelesen, damit er sich an dessen Erlösungsweg erinnert, weswegen das tibetische Totenbuch auch als Bardo Thödol (Tib. bar do thos grol) bekannt wurde: "Die große Befreiung durch Hören im Zwischenzustand". Die Schriften werden mindestens 14 Tage lang täglich oder auch bis zu 49 Tage gelesen, wobei die ersten zwei Wochen den friedlichen und zornigen Gottheiten gewidmet sind.
Am oberen Bildrand dieses Thangkas ruht der weiße Ādibuddha Vajrasattva [A] in Wolken. Guru Padmasambhava [B] ist in der linken oberen Ecke dargestellt, gleich gegenüber befindet sich der bedeutende Nyingma-Gelehrte Longchen Rabjam (1308-1364, Tib. klong chen rab 'byams) [C]. Unter ihnen ist der Reigen der friedlichen und zornigen Gottheiten angeordnet.

In den ersten sieben Tagen erscheinen die 42 friedlichen Gottheiten [im Diagramm in weißen Ziffern angegeben]. Im Zentrum des Bildes steht der blaue Ādibuddha Samantabhadra und seine weiße Partnerin [1-2]. Dieser Buddha gilt als das reinste und höchste Licht, das es zu erreichen gilt. Die Gottheiten des Totenbuchs halten dem Verstorbenen eine Art Spiegel vor, damit er dieses Licht erkennen kann. Am ersten Tag erscheint der Tathāgata Vairocana mit seiner Partnerin [3-4]. Am zweiten bis zum fünften Tag treten weitere Tathāgatas in den Vordergrund: Akṣobhya [5-10], Ratnasambhava [11-16], Amitābha [17-22], Amoghasiddhi [23-28] - jeweils mit ihrem Gefolge aus Partnerin, zwei Mahābodhisattvas und zwei Ḍākinīs. Am sechsten Tag erscheinen alle vorherigen Gottheiten noch einmal gemeinsam, wobei sich die sechs Buddhas des Lebensrades [29-34] und die vier Torhüter mit Partnerin [35-42] dazugesellen. Den siebentägigen Zyklus beschließt die Gruppe "Zehn wissenshaltende Gottheiten" (Skt. vidyādhara), die als fünf Götterpaare [43-52] dargestellt ist.

Im zweiten Zyklus, der ebenfalls sieben Tage umfasst, erscheinen die 58 zornigen Gottheiten [im Diagramm in gelben Ziffern angegeben]. Auch sie versuchen, den Verstorbenen auf den rechten Weg zu bringen. Es sind vom achten bis zum zwölften Tag je ein geflügelter Heruka mit Partnerin: Buddha-Heruka [1-2], Vajra-Heruka [3-4], Ratna-Heruka [5-6], Padma-Heruka [7-8] und Karma-Heruka [9-10]. Am dreizehnten Tag erscheinen gleich drei Gruppen: "Die 8 weiblichen Gaurī Mamo" [11-18], "Die 8 tierköpfigen Tamenma" [19-26] sowie "Die 4 Torhüterinnen" [27-30]. Dieser Reigen wird am vierzehnten Tag noch durch die Gruppe der "28 tierköpfigen Göttinnen" [31-54] und weitere "4 Torhüterinnen" abgeschlossen. Zu dieser Gruppe der 58 zornigen Gottheiten gesellt sich noch ein weiteres Paar hinzu, das speziell den zornigen Aspekt von Samamtabhadra verkörpert: Chemchok-Heruka mit Partnerin [59-60].
Der religiöse Hintergrund dieses Thangkas ist hoch komplex und eine ausführliche Erklärung würde viele Seiten umfassen. Es kann als selten bezeichnet werden, da nur wenige Thangkas, wie das vorliegende, alle Gottheiten des tibetischen Totenbuchs abbilden. Auch die äußerst ansprechende Komposition der Gottheiten und deren Farbenpracht unterschreichen die Besonderheit dieses Thangkas.

Expertin: Regina Herbst Regina Herbst
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Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Asiatika, Antiquitäten & Möbel
Datum: 21.09.2020 - 14:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 16.09. - 21.09.2020


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.