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Lot Nr. 22


Giorgio Vasari


(Arezzo 1511–1574 Florenz)
Allegorie des Winters,
Öl auf Holz, 80,5 x 79,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Hans von Pernull (1868–1949), London;
dessen Erben;
deren Auktion, Christie’s, London, 27. November 1970, Lot 38;
Sammlung Anna Moffo Sarnoff (1932–2006), New York;
deren Auktion, Sotheby Parke-Bernet, New York, 22. Januar 1976, Lot 78;
dort erworben durch Alexandre Villiers;
Privatsammlung;
dort durch den jetzigen Besitzer erworben

Literatur:
C. Davis, in: L. Corti, C. Davis, M. Daly Davis, J. Kliemann (Hg.), Giorgio Vasari: principi, letterati e artisti nelle carte di Giorgio Vasari. Pittura vasariana dal 1532 al 1554, Ausstellungskatalog, Arezzo 1981, S. 45 (als Vasari-Werkstatt);
L. Corti, Vasari. Catalogo completo, Florenz 1989, S. 87, Nr. 66, mit Abb. (als Vasari, mit den Maßangaben 90,2 x 78,7 cm);
F. Härb, The Drawings of Giorgio Vasari, 1510–1574, Rom 2015, S. 364, Abb. 214.1 und 214.2 (als Vasari)
C. Falciani, in: C. Falciani, P. Curie (Hg.), La Collection Alana. Chefs-d’oeuvre de la peinture italienne, Ausstellungskatalog, Brüssel 2019, S. 172 (als Vasari)

Das vorliegende Gemälde ist in der Fototeca Zeri unter Nr. 16874 verzeichnet (als Giorgio Vasari, Putti con radici, mit den Maßangaben 90,2 x 78,7 cm).

Technischer Bericht von Gianluca Poldi:

Die Technik steht im Einklang mit Vasaris Malpraxis. Eine auffällige Unterzeichnung tritt in der Infrarotreflektografie zutage, die im Bereich von 1–1,7 μm (IR-Scanner) noch deutlicher wird. Diese Zeichnung ist in der Regel sehr flüssig, kaum starr, und mit einem trockenen schwarzen Medium, vermutlich Kreide, ausgeführt. Es kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass stellenweise für die Übertragung mittels Kohlestaub und Papier ein Karton zum Einsatz kam. Mit sicherer Hand gezogene Linien definieren die Umrisse der Figuren und ihre Anatomie. Einige Linien im Bereich der Gesichter und Füße wurden leicht verändert. In der Allegorie des Winters ist das Gemüse schematisch und weniger deutlich vorgezeichnet, während die gelbe Schleife vermutlich während des Malprozesses hinzugefügt wurde.

Wenn man das Bildthema mit der gezeichneten Vorstudie für eine Deckendekoration im Art Institute of Chicago (Inv.-Nr. 1922.42) vergleicht, bemerkt man generelle Gemeinsamkeiten zu den in den Ecken dargestellten Putten, auch wenn die Körperhaltungen nicht identisch sind. Dazu kommt, dass die Putten auf der Chicagoer Zeichnung keine erkennbaren Symbole oder Gegenstände mit sich führen und daher wohl nicht als Allegorien intendiert waren, wohingegen die Putten des vorliegenden Gemäldes unterschiedliche Gemüsesorten in Händen halten, was wohl auf eine allegorische Darstellung einer der vier Jahreszeiten verweist. Der Maler hat offenbar den vorne bzw. hinten erscheinenden Putto gegenüber jenen in der rechten oberen Ecke der Zeichnung seitenverkehrt dargestellt, wobei er hier den uns den Rücken zuwendenden Putto hinter dem anderen platziert und auch die Haltungen modifiziert hat; dennoch ist die verschlungene Darstellung in beiden Werke ähnlich aufgefasst. Ob der Chicagoer Entwurf nun mit dem vorliegenden Gemälde in Zusammenhang steht oder nicht, es könnte sich jedenfalls um eine ähnliche Deckengestaltung oder um eine andere Version derselben Decke gehandelt haben.

Die Untersuchung mittels Reflexionsspektroskopie offenbart ein kleinteiliges blaues und zum Teil farblich verändertes Pigment im Bereich des Himmels. Dieses wurde, wie Forschungen bestätigen, von Vasari häufig verwendet (siehe G. Poldi, Pigmenti, colore, sporco, alterazioni. Le analisi in riflettanza vis-NIR sulla „Pala Albergotti“, in: L’ingegno e la mano. Restaurare il mai restaurato. Il restauro della Pala Albergotti di Giorgio Vasari nella Badia delle Sante Flora e Lucilla di Arezzo, Konferenzbericht [Arezzo, Sala dei Grandi della Provincia, 28.–30. März 2008], hg. von I. Droandi, Florenz 2009, S. 63–74); zuweilen ist die Verfärbung so stark geraten, dass sich ein helles Blau zu Braun verändert hat. Im vorliegenden Gemälde ist der Ton, der ursprünglich sicherlich ein kräftigeres Blau zeigte, nun zu Blaugrau mutiert. Die Palette umfasste darüber hinaus Bleiweiß, ein bleibasiertes Gelb, Zinnober, einen Rotlack auf Karminbasis von guter Qualität, Gelbocker und Erden.

Experte: Mark MacDonnell Mark MacDonnell
+43 1 515 60 403

mark.macdonnell@dorotheum.at

10.11.2020 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 149.700,-
Schätzwert:
EUR 150.000,- bis EUR 200.000,-

Giorgio Vasari


(Arezzo 1511–1574 Florenz)
Allegorie des Winters,
Öl auf Holz, 80,5 x 79,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Hans von Pernull (1868–1949), London;
dessen Erben;
deren Auktion, Christie’s, London, 27. November 1970, Lot 38;
Sammlung Anna Moffo Sarnoff (1932–2006), New York;
deren Auktion, Sotheby Parke-Bernet, New York, 22. Januar 1976, Lot 78;
dort erworben durch Alexandre Villiers;
Privatsammlung;
dort durch den jetzigen Besitzer erworben

Literatur:
C. Davis, in: L. Corti, C. Davis, M. Daly Davis, J. Kliemann (Hg.), Giorgio Vasari: principi, letterati e artisti nelle carte di Giorgio Vasari. Pittura vasariana dal 1532 al 1554, Ausstellungskatalog, Arezzo 1981, S. 45 (als Vasari-Werkstatt);
L. Corti, Vasari. Catalogo completo, Florenz 1989, S. 87, Nr. 66, mit Abb. (als Vasari, mit den Maßangaben 90,2 x 78,7 cm);
F. Härb, The Drawings of Giorgio Vasari, 1510–1574, Rom 2015, S. 364, Abb. 214.1 und 214.2 (als Vasari)
C. Falciani, in: C. Falciani, P. Curie (Hg.), La Collection Alana. Chefs-d’oeuvre de la peinture italienne, Ausstellungskatalog, Brüssel 2019, S. 172 (als Vasari)

Das vorliegende Gemälde ist in der Fototeca Zeri unter Nr. 16874 verzeichnet (als Giorgio Vasari, Putti con radici, mit den Maßangaben 90,2 x 78,7 cm).

Technischer Bericht von Gianluca Poldi:

Die Technik steht im Einklang mit Vasaris Malpraxis. Eine auffällige Unterzeichnung tritt in der Infrarotreflektografie zutage, die im Bereich von 1–1,7 μm (IR-Scanner) noch deutlicher wird. Diese Zeichnung ist in der Regel sehr flüssig, kaum starr, und mit einem trockenen schwarzen Medium, vermutlich Kreide, ausgeführt. Es kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass stellenweise für die Übertragung mittels Kohlestaub und Papier ein Karton zum Einsatz kam. Mit sicherer Hand gezogene Linien definieren die Umrisse der Figuren und ihre Anatomie. Einige Linien im Bereich der Gesichter und Füße wurden leicht verändert. In der Allegorie des Winters ist das Gemüse schematisch und weniger deutlich vorgezeichnet, während die gelbe Schleife vermutlich während des Malprozesses hinzugefügt wurde.

Wenn man das Bildthema mit der gezeichneten Vorstudie für eine Deckendekoration im Art Institute of Chicago (Inv.-Nr. 1922.42) vergleicht, bemerkt man generelle Gemeinsamkeiten zu den in den Ecken dargestellten Putten, auch wenn die Körperhaltungen nicht identisch sind. Dazu kommt, dass die Putten auf der Chicagoer Zeichnung keine erkennbaren Symbole oder Gegenstände mit sich führen und daher wohl nicht als Allegorien intendiert waren, wohingegen die Putten des vorliegenden Gemäldes unterschiedliche Gemüsesorten in Händen halten, was wohl auf eine allegorische Darstellung einer der vier Jahreszeiten verweist. Der Maler hat offenbar den vorne bzw. hinten erscheinenden Putto gegenüber jenen in der rechten oberen Ecke der Zeichnung seitenverkehrt dargestellt, wobei er hier den uns den Rücken zuwendenden Putto hinter dem anderen platziert und auch die Haltungen modifiziert hat; dennoch ist die verschlungene Darstellung in beiden Werke ähnlich aufgefasst. Ob der Chicagoer Entwurf nun mit dem vorliegenden Gemälde in Zusammenhang steht oder nicht, es könnte sich jedenfalls um eine ähnliche Deckengestaltung oder um eine andere Version derselben Decke gehandelt haben.

Die Untersuchung mittels Reflexionsspektroskopie offenbart ein kleinteiliges blaues und zum Teil farblich verändertes Pigment im Bereich des Himmels. Dieses wurde, wie Forschungen bestätigen, von Vasari häufig verwendet (siehe G. Poldi, Pigmenti, colore, sporco, alterazioni. Le analisi in riflettanza vis-NIR sulla „Pala Albergotti“, in: L’ingegno e la mano. Restaurare il mai restaurato. Il restauro della Pala Albergotti di Giorgio Vasari nella Badia delle Sante Flora e Lucilla di Arezzo, Konferenzbericht [Arezzo, Sala dei Grandi della Provincia, 28.–30. März 2008], hg. von I. Droandi, Florenz 2009, S. 63–74); zuweilen ist die Verfärbung so stark geraten, dass sich ein helles Blau zu Braun verändert hat. Im vorliegenden Gemälde ist der Ton, der ursprünglich sicherlich ein kräftigeres Blau zeigte, nun zu Blaugrau mutiert. Die Palette umfasste darüber hinaus Bleiweiß, ein bleibasiertes Gelb, Zinnober, einen Rotlack auf Karminbasis von guter Qualität, Gelbocker und Erden.

Experte: Mark MacDonnell Mark MacDonnell
+43 1 515 60 403

mark.macdonnell@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 10.11.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 04.11. - 10.11.2020


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.