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Lot Nr. 62


Caravaggesker Meister, um 1630


Christus vor Kaiaphas,
Öl auf Leinwand, 146,5 x 190 cm, gerahmt

Provenienz:
Palazzo Lazzaroni, Rom;
Auktion, Finarte Semenzato, Mailand, 23. Juni 2003, Lot 169 (als Trophime Bigot dem Älteren zugeschrieben);
europäische Privatsammlung;
dort durch den jetzigen Besitzer erworben

Die Komposition entfaltet sich symmetrisch um die von einem der Soldaten gehaltene Fackel: Rechts erscheint Christus im Profil mit gebundenen Händen, links sitzt der Hohepriester Kaiaphas auf seinem Thron. Die einzige Lichtquelle dieser nächtlichen Szene geht von besagter Fackel aus, die das Gesicht Christi hell erleuchtet und in den Rüstungen der Soldaten um ihn herum flackert, während Kaiaphas im Halbschatten bleibt. Die Kompsition verströmt eine monumentale Feierlichkeit. Die dramatische Spannung wird durch die Intensität des Chiaroscuro erhöht, das die unterschiedlichen Gesichtsausdrücke der vom Feuer beleuchteten Charaktere modelliert.

Die vorliegende Komposition erinnert an das Gemälde gleichen Themas von Gerrit van Honthorst in der National Gallery, London (Inv.-Nr. NG3679). Das gegenständliche Bild ist in der Tat ein Beispiel für den Typus des „Kerzenscheingemäldes“, der zwischen den 1620er- und 1630er-Jahren von italienischen, flämischen, holländischen, spanischen und französischen Künstlern, bei denen Caravaggio einen tiefen und nachhaltigen Eindruck hinterlassen hatte, entwickelt wurde. Die Künstlichkeit des Spätmanierismus von sich weisend, nahmen diese Maler Caravaggios Interesse am Realismus auf und schufen ausdrucksstarke Kompositionen mit dramatischen Licht- und Schattenkontrasten.

Das vorliegende Bild scheint der caravaggesken Malerei der 1620er-Jahre zuzuordnen zu sein. Es gibt direkte Zitate aus Gemälden Caravaggios, etwa der Gestus Kaiaphas, der seine Kleider zerreißt, als Christus behauptet, der Sohn Gottes sein – übernommen aus der Verleugnung des Petrus im Metropolitan Museum of Art, New York (Inv.-Nr. 1997.167).

Ein kompositorisch identisches Gemälde wurde von Gianni Papi als Werk Pietro Ricchis veröffentlicht (siehe G. Papi, Entro l’aria bruna d’una camera rinchiusa: scritti su Caravaggio e l’ambiente caravaggesco, Neapel 2016, S. 234–239). Laut Papi war Pietro Ricchi während seinen frühen Jahre in Rom ab 1627 von der Malerei Honthorsts und Caravaggios beeindruckt.

Experte: Mark MacDonnell Mark MacDonnell
+43 1 515 60 403

mark.macdonnell@dorotheum.at

10.11.2020 - 16:00

Schätzwert:
EUR 60.000,- bis EUR 80.000,-

Caravaggesker Meister, um 1630


Christus vor Kaiaphas,
Öl auf Leinwand, 146,5 x 190 cm, gerahmt

Provenienz:
Palazzo Lazzaroni, Rom;
Auktion, Finarte Semenzato, Mailand, 23. Juni 2003, Lot 169 (als Trophime Bigot dem Älteren zugeschrieben);
europäische Privatsammlung;
dort durch den jetzigen Besitzer erworben

Die Komposition entfaltet sich symmetrisch um die von einem der Soldaten gehaltene Fackel: Rechts erscheint Christus im Profil mit gebundenen Händen, links sitzt der Hohepriester Kaiaphas auf seinem Thron. Die einzige Lichtquelle dieser nächtlichen Szene geht von besagter Fackel aus, die das Gesicht Christi hell erleuchtet und in den Rüstungen der Soldaten um ihn herum flackert, während Kaiaphas im Halbschatten bleibt. Die Kompsition verströmt eine monumentale Feierlichkeit. Die dramatische Spannung wird durch die Intensität des Chiaroscuro erhöht, das die unterschiedlichen Gesichtsausdrücke der vom Feuer beleuchteten Charaktere modelliert.

Die vorliegende Komposition erinnert an das Gemälde gleichen Themas von Gerrit van Honthorst in der National Gallery, London (Inv.-Nr. NG3679). Das gegenständliche Bild ist in der Tat ein Beispiel für den Typus des „Kerzenscheingemäldes“, der zwischen den 1620er- und 1630er-Jahren von italienischen, flämischen, holländischen, spanischen und französischen Künstlern, bei denen Caravaggio einen tiefen und nachhaltigen Eindruck hinterlassen hatte, entwickelt wurde. Die Künstlichkeit des Spätmanierismus von sich weisend, nahmen diese Maler Caravaggios Interesse am Realismus auf und schufen ausdrucksstarke Kompositionen mit dramatischen Licht- und Schattenkontrasten.

Das vorliegende Bild scheint der caravaggesken Malerei der 1620er-Jahre zuzuordnen zu sein. Es gibt direkte Zitate aus Gemälden Caravaggios, etwa der Gestus Kaiaphas, der seine Kleider zerreißt, als Christus behauptet, der Sohn Gottes sein – übernommen aus der Verleugnung des Petrus im Metropolitan Museum of Art, New York (Inv.-Nr. 1997.167).

Ein kompositorisch identisches Gemälde wurde von Gianni Papi als Werk Pietro Ricchis veröffentlicht (siehe G. Papi, Entro l’aria bruna d’una camera rinchiusa: scritti su Caravaggio e l’ambiente caravaggesco, Neapel 2016, S. 234–239). Laut Papi war Pietro Ricchi während seinen frühen Jahre in Rom ab 1627 von der Malerei Honthorsts und Caravaggios beeindruckt.

Experte: Mark MacDonnell Mark MacDonnell
+43 1 515 60 403

mark.macdonnell@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 10.11.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 04.11. - 10.11.2020