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Lot Nr. 64


Peter Paul Rubens Werkstatt


(Siegen 1577–1640 Antwerpen)
Der „Spinola-Rubens“: Das Jesuskind und der Johannesknabe,
Öl auf Leinwand, 112 x 149,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung der Familie Spinola, Genua (vor 1862);
Marchese Ippolito Spinola (1814–1893), Genua (1862);
Sozietät des Pio Ricovero, Genua (1862);
Prof. Giuseppe Isola (1808–1893), Genua;
Prof. Giovanni Battista Villa (1832–1899), Genua;
Sir John S. Murray, Galashields und Selkirk, Schottland (1911 – vor 1954);
Szerkski, Bern/Zürich;
The Norton Galleries, New York;
Sammlung Walter P. Chrysler (1909–1988), New York (1954–1975);
Privatsammlung, Dallas (1975–1981);
europäische Privatsammlung;
Auktion, Dorotheum, Wien, 13. April 2011, Lot 423;
europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Brüssel, Palais du Cinquantenaire, L’Art Belge au XVIIème Siècle, 1910 (als Rubens);
London, Royal Academy, Winterausstellung, Works by the Old Masters and Deceased Masters of the British School, 1910 (als Rubens);
Portland/Washington/Seattle/San Francisco/Los Angeles/Minneapolis/St. Louis/Kansas City/Detroit/Boston/Fort Worth/Tulsa/Austin, Paintings from the Collection of Walter P. Chrysler Jun., 1956/1957 (als Rubens)

Literatur (Auswahl):
M. Rooses, L’Oeuvre de P. P. Rubens, Antwerpen 1886, S. 250, Nr. 185, Abb. 66 (als Rubens);
W. L. Crowdy et al., The Spinola Rubens, An Appreciation, Edinburgh 1911 (als Rubens);
E. Larsen, Seventeenth-Century Flemish Painting, 1985, S. 124, Abb. 20 (als Rubens);
M. Jaffé, P. P. Rubens, Catalogo Completo, Mailand 1989, S. 306, unter Nr. 914 (als Rubens-Werkstatt)

Hans Vlieghe hat die Ausführung des vorliegenden Gemäldes auf Leinwand in der Werkstatt Rubens’ bestätigt (mündliche Mitteilung, Januar 2011).

Wir danken Fiona Healy, die die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes an die Werkstatt Rubens’ bestätigt hat (auf Grundlage einer Fotografie).

Nils Büttner hat das Gemälde im Original geprüft (11. Februar 2011) und es an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart, mittels Infrarotreflektografie untersucht. Büttner unterstützt die Zuschreibung des vorliegenden Bildes an Rubens’ Werkstatt, stellte jedoch auch von Rubens selbst zum Schluss durchgeführte Überareitungen bzw. Feinarbeiten fest. Büttner führt aus, dass das Gemälde aus mehren zusammengefügten Leinwänden besteht, was in der Werkstatt Rubens’ gängige Praxis war, wobei das größte Leinwandformat dem üblichen Brabanter Maß von 105 Zentimetern Breite entspricht. Ein Holzschnitt von Christoffel Jegher (Detroit Institute of Arts, Inv.-Nr. F78.6) legt nahe, dass Jegher sich auf das vorliegende Gemälde als Vorlage berief.

Als das vorliegende Werk erstmals 1954 der amerikanischen Öffentlichkeit als Teil der Sammlung Chrysler vorgestellt wurde, galt es als eines der berühmtesten Gemälde Rubens’ in den Vereinigten Staaten. Seine Zuschreibung erhielt weitere Glaubwürdigkeit durch seine illustre und weit zurückreichende Provenienz. Als es 1862 bei der Auktion des Marchese Spinola zum Verkauf angeboten wurde, hatte es sich über 200 Jahre im Besitz dieser berühmten genuesischen Familie befunden. Die Existenz einer verkleinerten Fassung mit deutlichen Abänderungen, die im Palazzo Balbi, Genua, verzeichnet ist, belegt, dass die Komposition bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts innerhalb des Stadtstaats und darüber hinaus zu den gefeiertsten Kompositionen des Meisters gehörte.

Rubens war zwischen 1603 und 1606 in Genua tätig und verfasste und illustrierte später ein Buch über die prächtige Architektur, Palazzi di Genova, das 1622 in Antwerpen veröffentlicht wurde. Der große flämische pictor doctus war höchstwahrscheinlich persönlich mit dem ersten Besitzer des vorliegenden Bildes bekannt. Dabei handelte es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um den von den Habsburgern gefeierten kaiserlichen Kommandanten Ambrogio Spinola. Rubens malte zumindest sieben Porträts von Spinola und seiner Familie (zwischen 1606 und 1608). Das vorliegende Gemälde wird von der Kunstwissenschaft allgemein zwischen 1615 und 1625 datiert (Justus Müller-Hofstede datiert das Bild um 1633).

Da Rubens’ in Genua ausgeführte Porträts aus einer früheren Periode datieren, können sie nicht mit der Genese des vorliegenden Bildes in Verbindung gebracht werden. Das vorliegende Werk scheint von der Familie zusammen mit einem späteren Porträt Ambrogio Spinolas angekauft worden zu sein. Bellori berichtet, dass der siegreiche Spinola nach der Wiederaufnahme der Kämpfe in den Niederlanden im Jahr 1621 triumphal in Antwerpen empfangen wurde. Bei dieser Gelegenheit saß er Rubens auch Modell. Sowohl die Provenienz des vorliegenden Gemäldes aus der Familie des Kommandanten als auch Spinolas Aufenthalt in Antwerpen während des Zeitraums, in dem das Bild vermutlich entstanden ist, verleihen den Spekulationen hinsichtlich eines Erwerbs im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts Glaubwürdigkeit.

Experte: Dr. Alexander Strasoldo Dr. Alexander Strasoldo
+43-1-515 60-556

alexander.strasoldo@dorotheum.at

10.11.2020 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 873.300,-
Schätzwert:
EUR 350.000,- bis EUR 450.000,-

Peter Paul Rubens Werkstatt


(Siegen 1577–1640 Antwerpen)
Der „Spinola-Rubens“: Das Jesuskind und der Johannesknabe,
Öl auf Leinwand, 112 x 149,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung der Familie Spinola, Genua (vor 1862);
Marchese Ippolito Spinola (1814–1893), Genua (1862);
Sozietät des Pio Ricovero, Genua (1862);
Prof. Giuseppe Isola (1808–1893), Genua;
Prof. Giovanni Battista Villa (1832–1899), Genua;
Sir John S. Murray, Galashields und Selkirk, Schottland (1911 – vor 1954);
Szerkski, Bern/Zürich;
The Norton Galleries, New York;
Sammlung Walter P. Chrysler (1909–1988), New York (1954–1975);
Privatsammlung, Dallas (1975–1981);
europäische Privatsammlung;
Auktion, Dorotheum, Wien, 13. April 2011, Lot 423;
europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Brüssel, Palais du Cinquantenaire, L’Art Belge au XVIIème Siècle, 1910 (als Rubens);
London, Royal Academy, Winterausstellung, Works by the Old Masters and Deceased Masters of the British School, 1910 (als Rubens);
Portland/Washington/Seattle/San Francisco/Los Angeles/Minneapolis/St. Louis/Kansas City/Detroit/Boston/Fort Worth/Tulsa/Austin, Paintings from the Collection of Walter P. Chrysler Jun., 1956/1957 (als Rubens)

Literatur (Auswahl):
M. Rooses, L’Oeuvre de P. P. Rubens, Antwerpen 1886, S. 250, Nr. 185, Abb. 66 (als Rubens);
W. L. Crowdy et al., The Spinola Rubens, An Appreciation, Edinburgh 1911 (als Rubens);
E. Larsen, Seventeenth-Century Flemish Painting, 1985, S. 124, Abb. 20 (als Rubens);
M. Jaffé, P. P. Rubens, Catalogo Completo, Mailand 1989, S. 306, unter Nr. 914 (als Rubens-Werkstatt)

Hans Vlieghe hat die Ausführung des vorliegenden Gemäldes auf Leinwand in der Werkstatt Rubens’ bestätigt (mündliche Mitteilung, Januar 2011).

Wir danken Fiona Healy, die die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes an die Werkstatt Rubens’ bestätigt hat (auf Grundlage einer Fotografie).

Nils Büttner hat das Gemälde im Original geprüft (11. Februar 2011) und es an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart, mittels Infrarotreflektografie untersucht. Büttner unterstützt die Zuschreibung des vorliegenden Bildes an Rubens’ Werkstatt, stellte jedoch auch von Rubens selbst zum Schluss durchgeführte Überareitungen bzw. Feinarbeiten fest. Büttner führt aus, dass das Gemälde aus mehren zusammengefügten Leinwänden besteht, was in der Werkstatt Rubens’ gängige Praxis war, wobei das größte Leinwandformat dem üblichen Brabanter Maß von 105 Zentimetern Breite entspricht. Ein Holzschnitt von Christoffel Jegher (Detroit Institute of Arts, Inv.-Nr. F78.6) legt nahe, dass Jegher sich auf das vorliegende Gemälde als Vorlage berief.

Als das vorliegende Werk erstmals 1954 der amerikanischen Öffentlichkeit als Teil der Sammlung Chrysler vorgestellt wurde, galt es als eines der berühmtesten Gemälde Rubens’ in den Vereinigten Staaten. Seine Zuschreibung erhielt weitere Glaubwürdigkeit durch seine illustre und weit zurückreichende Provenienz. Als es 1862 bei der Auktion des Marchese Spinola zum Verkauf angeboten wurde, hatte es sich über 200 Jahre im Besitz dieser berühmten genuesischen Familie befunden. Die Existenz einer verkleinerten Fassung mit deutlichen Abänderungen, die im Palazzo Balbi, Genua, verzeichnet ist, belegt, dass die Komposition bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts innerhalb des Stadtstaats und darüber hinaus zu den gefeiertsten Kompositionen des Meisters gehörte.

Rubens war zwischen 1603 und 1606 in Genua tätig und verfasste und illustrierte später ein Buch über die prächtige Architektur, Palazzi di Genova, das 1622 in Antwerpen veröffentlicht wurde. Der große flämische pictor doctus war höchstwahrscheinlich persönlich mit dem ersten Besitzer des vorliegenden Bildes bekannt. Dabei handelte es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um den von den Habsburgern gefeierten kaiserlichen Kommandanten Ambrogio Spinola. Rubens malte zumindest sieben Porträts von Spinola und seiner Familie (zwischen 1606 und 1608). Das vorliegende Gemälde wird von der Kunstwissenschaft allgemein zwischen 1615 und 1625 datiert (Justus Müller-Hofstede datiert das Bild um 1633).

Da Rubens’ in Genua ausgeführte Porträts aus einer früheren Periode datieren, können sie nicht mit der Genese des vorliegenden Bildes in Verbindung gebracht werden. Das vorliegende Werk scheint von der Familie zusammen mit einem späteren Porträt Ambrogio Spinolas angekauft worden zu sein. Bellori berichtet, dass der siegreiche Spinola nach der Wiederaufnahme der Kämpfe in den Niederlanden im Jahr 1621 triumphal in Antwerpen empfangen wurde. Bei dieser Gelegenheit saß er Rubens auch Modell. Sowohl die Provenienz des vorliegenden Gemäldes aus der Familie des Kommandanten als auch Spinolas Aufenthalt in Antwerpen während des Zeitraums, in dem das Bild vermutlich entstanden ist, verleihen den Spekulationen hinsichtlich eines Erwerbs im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts Glaubwürdigkeit.

Experte: Dr. Alexander Strasoldo Dr. Alexander Strasoldo
+43-1-515 60-556

alexander.strasoldo@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 10.11.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 04.11. - 10.11.2020


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.