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Lot Nr. 206 -


Gastone Novelli *


(Wien 1925–1968 Mailand)
Con un segnale, 1960, signiert; auf der Rückseite signiert, betitelt und datiert, Bleistift, Öl und Mischtechnik auf Leinwand, 60,5 x 70 cm, gerahmt

Provenienz:
Sotheby’s Mailand, 24. Mai 2006, Los 358
Galleria Zonca & Zonca, Mailand
Privatsammlung, USA

Literatur:
P. Bonani, M. Rinaldi, A. Tiddia, Gastone Novelli. Catalogo generale, 1. Pittura e Scultura, Silvana Editoriale, Cinisello Balsamo 2011, S. 201, Nr. P/1960/23 mit Abb.

Ab 1957 gab Novelli seinen bisherigen abstrakt-geometrischen Stil zugunsten der gestischen Malerei auf. Mit seinen Zeitgenossen wandte er sich sprachlichen Themen zu. Inspiriert von der Kunstszene der 1950er Jahre, legten sie abstrakt-geometrische Motive beiseite, um eine eher irrationale und impulsive Seite zu erforschen, die auf der Zufälligkeit von Formen und Farben beruht.
In den 1960er Jahren drehte sich Novellis Forschung um Sprache und Semiotik. Als leidenschaftlicher Leser von De Saussure hat er dieses Interesse vertieft. Er dehnte Saussures Begriff des Werts der Willkür auf das semiotische System, das die Interpretation von Kunstwerken regelt, aus und glaubte, dass Kunst wie das sprachliche Zeichen aus der willkürlichen Gegenüberstellung eines „Signifikanten“ (Zeichen, Ausdrucksebene) und eines „Signifikaten“ (Bedeutung, Inhaltsebene) hervorgeht.

Novelli erforscht das unendliche Potenzial des grafischen Zeichens in seinen Werken aus den 1960er Jahren. In einem Prozess unaufhörlicher Zersetzung und Neuzusammensetzung pendelt er von einer semantischen Ebene zur anderen, in einem Spiel kontinuierlicher, oft interpretatorisch herausfordernder linguistischer Experimente. Ein wiederkehrendes Merkmal in seinen Werken ist die zwanghafte Wiederholung eines oder mehrerer Buchstaben, manchmal in Gittern oder Schachbrettern angeordnet, manchmal frei, um die gesamte Oberfläche der Leinwand oder des Papiers zu überfluten.

In den 1960er Jahren nahm Novelli Themen, Zeichen und Wörter aus verschiedenen Kontexten auf und führte sie in sein künstlerisches Alphabet ein, ähnlich wie Duchamps Ready-Made-Werke. Beide haben ein gemeinsames Interesse an Sprachspielen und der Möglichkeit, Wort mit Bild zu kombinieren.
Dadaistische und surrealistische Einflüsse zeigen sich in Novellis Gewohnheit, lange Wortfolgen ohne Leerzeichen oder Interpunktion auf die Leinwand zu übertragen, die Syntax auszulöschen und die Idee einer Rede zu evozieren, die ohne Luft zu holen gehalten wird. Dies zeigt sich in der Arbeit Con un segnale, in der eine Semiotik aus scheinbar zufälligen Zeichen mit Sprachspiel und Experimenten vermischt wird.

Nach seiner Begegnung mit Achille Perilli 1955 in Rom wuchs Novellis Interesse an der Sprache und ihrer Anwendung auf die Kunst. Mit Perilli verband ihn eine enge Freundschaft, und 1957 gründeten sie gemeinsam die Zeitschrift Esperienza Moderna, die sich der Ausdruckskraft des Zeichens, von der Poesie über die Malerei bis hin zur orientalischen Schrift, und den Verbindungen zwischen verschiedenen Sprachen widmete. In der Esperienza Moderna sind die Schriften von Maraini und Trevi ebenso vertreten, wie die Werke von Fontana, Kandinsky oder Klee. Klee war insbesondere einer der wichtigsten Inspirationsquellen Novellis.
Klees Einfluss ist konstant, von der abstrakt-geometrischen Inszenierung der brasilianischen Periode bis zu den Werken aus den 1960er Jahren von Buchstaben und Zeichen, die in Gitter oder in farbige Schachbretter eingebettet sind. Die beiden Künstler teilen einen experimentellen Ansatz, eine expressive Vielfalt, eine Suche nach einer primitiven, reinen Sprache, die aus Buchstaben, Zahlen und Zeichen besteht, ähnlich wie Hieroglyphen, Graffiti und kindliche Schrift. Klees Ausspruch „Die Schrift und das Bild, die Schrift und die Figur sind im Grunde genommen alles eins“ fasst die expressive Forschung eines Künstlers wie Novelli zusammen, für den die Malerei nichts anderes ist als die Schrift, mit einem noch zu erfindenden Alphabet.

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
+39-02-303 52 41

alessandro.rizzi@dorotheum.it

25.11.2020 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 80.198,-
Schätzwert:
EUR 65.000,- bis EUR 85.000,-

Gastone Novelli *


(Wien 1925–1968 Mailand)
Con un segnale, 1960, signiert; auf der Rückseite signiert, betitelt und datiert, Bleistift, Öl und Mischtechnik auf Leinwand, 60,5 x 70 cm, gerahmt

Provenienz:
Sotheby’s Mailand, 24. Mai 2006, Los 358
Galleria Zonca & Zonca, Mailand
Privatsammlung, USA

Literatur:
P. Bonani, M. Rinaldi, A. Tiddia, Gastone Novelli. Catalogo generale, 1. Pittura e Scultura, Silvana Editoriale, Cinisello Balsamo 2011, S. 201, Nr. P/1960/23 mit Abb.

Ab 1957 gab Novelli seinen bisherigen abstrakt-geometrischen Stil zugunsten der gestischen Malerei auf. Mit seinen Zeitgenossen wandte er sich sprachlichen Themen zu. Inspiriert von der Kunstszene der 1950er Jahre, legten sie abstrakt-geometrische Motive beiseite, um eine eher irrationale und impulsive Seite zu erforschen, die auf der Zufälligkeit von Formen und Farben beruht.
In den 1960er Jahren drehte sich Novellis Forschung um Sprache und Semiotik. Als leidenschaftlicher Leser von De Saussure hat er dieses Interesse vertieft. Er dehnte Saussures Begriff des Werts der Willkür auf das semiotische System, das die Interpretation von Kunstwerken regelt, aus und glaubte, dass Kunst wie das sprachliche Zeichen aus der willkürlichen Gegenüberstellung eines „Signifikanten“ (Zeichen, Ausdrucksebene) und eines „Signifikaten“ (Bedeutung, Inhaltsebene) hervorgeht.

Novelli erforscht das unendliche Potenzial des grafischen Zeichens in seinen Werken aus den 1960er Jahren. In einem Prozess unaufhörlicher Zersetzung und Neuzusammensetzung pendelt er von einer semantischen Ebene zur anderen, in einem Spiel kontinuierlicher, oft interpretatorisch herausfordernder linguistischer Experimente. Ein wiederkehrendes Merkmal in seinen Werken ist die zwanghafte Wiederholung eines oder mehrerer Buchstaben, manchmal in Gittern oder Schachbrettern angeordnet, manchmal frei, um die gesamte Oberfläche der Leinwand oder des Papiers zu überfluten.

In den 1960er Jahren nahm Novelli Themen, Zeichen und Wörter aus verschiedenen Kontexten auf und führte sie in sein künstlerisches Alphabet ein, ähnlich wie Duchamps Ready-Made-Werke. Beide haben ein gemeinsames Interesse an Sprachspielen und der Möglichkeit, Wort mit Bild zu kombinieren.
Dadaistische und surrealistische Einflüsse zeigen sich in Novellis Gewohnheit, lange Wortfolgen ohne Leerzeichen oder Interpunktion auf die Leinwand zu übertragen, die Syntax auszulöschen und die Idee einer Rede zu evozieren, die ohne Luft zu holen gehalten wird. Dies zeigt sich in der Arbeit Con un segnale, in der eine Semiotik aus scheinbar zufälligen Zeichen mit Sprachspiel und Experimenten vermischt wird.

Nach seiner Begegnung mit Achille Perilli 1955 in Rom wuchs Novellis Interesse an der Sprache und ihrer Anwendung auf die Kunst. Mit Perilli verband ihn eine enge Freundschaft, und 1957 gründeten sie gemeinsam die Zeitschrift Esperienza Moderna, die sich der Ausdruckskraft des Zeichens, von der Poesie über die Malerei bis hin zur orientalischen Schrift, und den Verbindungen zwischen verschiedenen Sprachen widmete. In der Esperienza Moderna sind die Schriften von Maraini und Trevi ebenso vertreten, wie die Werke von Fontana, Kandinsky oder Klee. Klee war insbesondere einer der wichtigsten Inspirationsquellen Novellis.
Klees Einfluss ist konstant, von der abstrakt-geometrischen Inszenierung der brasilianischen Periode bis zu den Werken aus den 1960er Jahren von Buchstaben und Zeichen, die in Gitter oder in farbige Schachbretter eingebettet sind. Die beiden Künstler teilen einen experimentellen Ansatz, eine expressive Vielfalt, eine Suche nach einer primitiven, reinen Sprache, die aus Buchstaben, Zahlen und Zeichen besteht, ähnlich wie Hieroglyphen, Graffiti und kindliche Schrift. Klees Ausspruch „Die Schrift und das Bild, die Schrift und die Figur sind im Grunde genommen alles eins“ fasst die expressive Forschung eines Künstlers wie Novelli zusammen, für den die Malerei nichts anderes ist als die Schrift, mit einem noch zu erfindenden Alphabet.

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
+39-02-303 52 41

alessandro.rizzi@dorotheum.it


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 25.11.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: online


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.