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Lot Nr. 212 -


Antoni Tàpies *


(Barcelona 1923–2012)
Ohne Titel, 1970, rückseitig signiert, Acryl, Bleistift, Metall und Collage auf Stoff auf Holz, 109,5 x 110,3 x 7 cm

Das Werk ist bei der Comissió Tàpies, Barcelona, unter der Nr. T-9819 registriert. Ein von Antoni Tàpies Barba signiertes Fotozertifikat liegt bei.

Provenienz:
Martha Jackson Gallery, New York (rückseitig verblasste Aufkleberreste)

Privatsammlung, USA

„Wie ein Forscher im Labor nehme ich als erster die Anregungen wahr, die der Materie entrissen werden können.
Ich entlocke ihr Ausdrucksmöglichkeiten, auch wenn ich anfangs keine ganz klare Vorstellung habe, worauf ich mich einlasse.
Während der Arbeit formuliere ich gleichsam meine Gedanken; aus dem Kampf zwischen Wollen und vorhandenem Material entsteht ein Gleichgewicht von Spannungen.“
Antoni Tàpies

Textur und Material stehen im Zentrum des künstlerischen Schaffensprozesses des katalanischen Künstlers Antoni Tàpies. Beeinflusst durch die Werke Vincent van Goghs, Pablo Picassos, Joan Mirós oder Paul Klees wendet sich der einstige Jura-Student Mitte der 1940er Jahre ganz der Malerei zu. 1948 zählt er zu den Gründungsmitgliedern der Künstlergruppe Dau al Set (katalanisch für ‚Würfel, der eine Sieben zeigt‘), deren Ziel die Entwicklung einer abstrakten Malerei, die sich aus dem Unbewussten, der Phantasie und Magie speiste, war.

Schon im chiffrierteren bzw. illusionistischen Frühwerk, beeinflusst durch den Surrealismus – den der Künstler später als Räuber seiner Spontanität abtun wird – und Dadaismus, zeigt sich die besondere Affinität des Künstlers zu alltäglicher Stofflichkeit und abgenutzten Realien. Die Methode der assemblageartigen Inklusion verschiedenster Materialien wird in den „Objektbildern“ ab der Mitte der 1950er Jahre expliziter und weniger verschlüsselt. Es sind Zeugnisse seines Interesses für das Faktische und Konkrete: Der mauerartige Auftrag – ja, gerade um die Mauer (katalanisch tàpia) geht es – Auftrag, die bildfremden Elemente, die über Reminiszenzen an Vergangenes, an Vernachlässigtes, nicht unbedingt Bildwürdiges seine Arbeit mit evokativer Kraft ausstatten – sind gleichsam Provokation wie Stimulation. Die Bildlichkeit funktioniert auf zwei Ebenen, auf jener der Materialsprache und jener der Zeichnung.

Tàpies verwehrt sich dabei der Zuschreibung zur Abstraktion. Vielmehr sieht er seine Bildsprache als Möglichkeit des Einstiegs in eine Welt, als Wiederspiegelung einer evokativen Sehweise mit einem großen Reichtum an Konnotationen, Bezügen, Ideen und Empfindungen. Indem diese Bildwelt nicht auf Illusion fixiert ist, sondern so gut wie ausnahmslos im Stofflichen verankert ist, bleibt sie konkret.
Tàpies‘ Kunst verwirft die Unterscheidung zwischen Bild und Bildträger; das Bild wird zum Objekt, die Ausdrucksmittel zum Medium ihrer selbst. Der Blick richtet sich auf die Oberflächenstruktur als eigentliches Bildereignis. Dazu verwendet der Künstler neue Substanzen und Techniken: Sand, Marmorstaub, Erde, Leim und Gips wird der Farbe beigemischt, um ihr Plastizität für Schnitte, Abdrücke, Einkerbungen und Ausschabungen zu geben. Als Antwort auf die Übersättigung mit Farbe durch urbane Strukturen und Werbung reduziert Tàpies seine Farbpalette auf Grau- und Beigetöne.

Die Formensprache ist auf mit Bedeutung aufgeladenen Zeichen reduziert: Das Kreuz versteht er beispielsweise als Ausdruck der Balance von Vertikalem und Horizontalem, Materie und Geist, Geburt und Wiedergeburt und mathematisches Zeichen.
Nicht zuletzt ist es auch eine Referenz auf den Anfangsbuchstaben seines Namens und damit auf die alles bestimmende Wand: Sie ist ihm Motiv, Thema und Technik gleichzeitig. Sie erinnert an die verwitterten Wände der Altstadt Barcelonas, sie ist ein Ort der Kommunikation und Oberfläche, in die Graffiti und Zeichen der Zeit eingeschrieben sind.

Hier handelt es sich um Tapies, der sich der Malergruppe des Informel anschloss, oder den Leuten, die, wie es damals hieß, die „Poesie der Wand“ verfolgten.
Abgesehen davon, dass die von Tapies errichteten Mauern eine weitere Qualifikation haben.
Renato Barilli, „Tapies: la materia contro lo spirito, ovvero l’Epifania negata“ in Antoni Tapies, Skira, Mailand, S. 13

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
+39-02-303 52 41

alessandro.rizzi@dorotheum.it

25.11.2020 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 108.112,-
Schätzwert:
EUR 90.000,- bis EUR 120.000,-

Antoni Tàpies *


(Barcelona 1923–2012)
Ohne Titel, 1970, rückseitig signiert, Acryl, Bleistift, Metall und Collage auf Stoff auf Holz, 109,5 x 110,3 x 7 cm

Das Werk ist bei der Comissió Tàpies, Barcelona, unter der Nr. T-9819 registriert. Ein von Antoni Tàpies Barba signiertes Fotozertifikat liegt bei.

Provenienz:
Martha Jackson Gallery, New York (rückseitig verblasste Aufkleberreste)

Privatsammlung, USA

„Wie ein Forscher im Labor nehme ich als erster die Anregungen wahr, die der Materie entrissen werden können.
Ich entlocke ihr Ausdrucksmöglichkeiten, auch wenn ich anfangs keine ganz klare Vorstellung habe, worauf ich mich einlasse.
Während der Arbeit formuliere ich gleichsam meine Gedanken; aus dem Kampf zwischen Wollen und vorhandenem Material entsteht ein Gleichgewicht von Spannungen.“
Antoni Tàpies

Textur und Material stehen im Zentrum des künstlerischen Schaffensprozesses des katalanischen Künstlers Antoni Tàpies. Beeinflusst durch die Werke Vincent van Goghs, Pablo Picassos, Joan Mirós oder Paul Klees wendet sich der einstige Jura-Student Mitte der 1940er Jahre ganz der Malerei zu. 1948 zählt er zu den Gründungsmitgliedern der Künstlergruppe Dau al Set (katalanisch für ‚Würfel, der eine Sieben zeigt‘), deren Ziel die Entwicklung einer abstrakten Malerei, die sich aus dem Unbewussten, der Phantasie und Magie speiste, war.

Schon im chiffrierteren bzw. illusionistischen Frühwerk, beeinflusst durch den Surrealismus – den der Künstler später als Räuber seiner Spontanität abtun wird – und Dadaismus, zeigt sich die besondere Affinität des Künstlers zu alltäglicher Stofflichkeit und abgenutzten Realien. Die Methode der assemblageartigen Inklusion verschiedenster Materialien wird in den „Objektbildern“ ab der Mitte der 1950er Jahre expliziter und weniger verschlüsselt. Es sind Zeugnisse seines Interesses für das Faktische und Konkrete: Der mauerartige Auftrag – ja, gerade um die Mauer (katalanisch tàpia) geht es – Auftrag, die bildfremden Elemente, die über Reminiszenzen an Vergangenes, an Vernachlässigtes, nicht unbedingt Bildwürdiges seine Arbeit mit evokativer Kraft ausstatten – sind gleichsam Provokation wie Stimulation. Die Bildlichkeit funktioniert auf zwei Ebenen, auf jener der Materialsprache und jener der Zeichnung.

Tàpies verwehrt sich dabei der Zuschreibung zur Abstraktion. Vielmehr sieht er seine Bildsprache als Möglichkeit des Einstiegs in eine Welt, als Wiederspiegelung einer evokativen Sehweise mit einem großen Reichtum an Konnotationen, Bezügen, Ideen und Empfindungen. Indem diese Bildwelt nicht auf Illusion fixiert ist, sondern so gut wie ausnahmslos im Stofflichen verankert ist, bleibt sie konkret.
Tàpies‘ Kunst verwirft die Unterscheidung zwischen Bild und Bildträger; das Bild wird zum Objekt, die Ausdrucksmittel zum Medium ihrer selbst. Der Blick richtet sich auf die Oberflächenstruktur als eigentliches Bildereignis. Dazu verwendet der Künstler neue Substanzen und Techniken: Sand, Marmorstaub, Erde, Leim und Gips wird der Farbe beigemischt, um ihr Plastizität für Schnitte, Abdrücke, Einkerbungen und Ausschabungen zu geben. Als Antwort auf die Übersättigung mit Farbe durch urbane Strukturen und Werbung reduziert Tàpies seine Farbpalette auf Grau- und Beigetöne.

Die Formensprache ist auf mit Bedeutung aufgeladenen Zeichen reduziert: Das Kreuz versteht er beispielsweise als Ausdruck der Balance von Vertikalem und Horizontalem, Materie und Geist, Geburt und Wiedergeburt und mathematisches Zeichen.
Nicht zuletzt ist es auch eine Referenz auf den Anfangsbuchstaben seines Namens und damit auf die alles bestimmende Wand: Sie ist ihm Motiv, Thema und Technik gleichzeitig. Sie erinnert an die verwitterten Wände der Altstadt Barcelonas, sie ist ein Ort der Kommunikation und Oberfläche, in die Graffiti und Zeichen der Zeit eingeschrieben sind.

Hier handelt es sich um Tapies, der sich der Malergruppe des Informel anschloss, oder den Leuten, die, wie es damals hieß, die „Poesie der Wand“ verfolgten.
Abgesehen davon, dass die von Tapies errichteten Mauern eine weitere Qualifikation haben.
Renato Barilli, „Tapies: la materia contro lo spirito, ovvero l’Epifania negata“ in Antoni Tapies, Skira, Mailand, S. 13

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
+39-02-303 52 41

alessandro.rizzi@dorotheum.it


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 25.11.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: online


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.