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Lot Nr. 214


Alberto Burri *


(Città di Castello/Perugia 1915–1995 Nizza)
Ohne Titel, 1947/1988, rückseitig signiert, datiert und bezeichnet, Acryl und Vinavil auf Leinwand auf Karton, in Künstlerrahmen, 44 x 61,5 cm

Provenienz:
Europäische Privatsammlung

Literatur:
M. Vallora, Confronti, sintonie e dissonanze, in Marca-Relli, l’amico americano. Sintonie e dissonanze con Afro e Burri, Ed. Galeria d’Arte Niccoli, Parma 2002, S. 263 mit Abb.
B. Corà, Burri. Catalogo Generale, Band III, Pittura, 1979 – 1994, Fondazione Palazzo Albizzini Collezione Burri, Città di Castello 2015, S. 324 mit Abb. Nr. 2151 (das Werk wurde mit falschen Maßangaben publiziert; laut Mitteilung der Fondazione Palazzo Albizzini Collezione Burri werden sie in der Neuausgabe des Katalogs aktualisiert)

Notiz:
Die doppelte Datierung des Werkes (1947/1988) ist darauf zurückzuführen, dass der Künstler ein 1947 datiertes Werk (bräunliche Stellen) als Untersatz für die Realisierung des eigentlichen Werkes verwendete.

Neben Lucio Fontana prägte Alberto Burri Italiens Nachkriegskunst wie kaum ein anderer: So singulär seine Kunst auch anmutet mag, gilt dieser Künstler als einer der Wegbereiter der Arte Povera.
Sein Einfluss reichte freilich weit über Italiens Grenzen; berühmte Maler wie Cy Twombly oder Robert Rauschenberg besuchten den 1915 in Umbrien Geborenen in seinem Atelier. Schon früh wurde auch das Guggenheim Museum in New York auf ihn aufmerksam und stellte seine Collagen und Materialassemblagen 1954 aus.
Der mehrfache Biennale- und documenta-Teilnehmer schuf 1981 auch eines der gewaltigsten Beispiele von Land Art und Denkmal zugleich. Über die Ruinen des von einem Erdbeben zerstörten sizilianischen Dorfes Gibellina legte Burri eine dicke Betonschicht, in der die alten Gassen als begehbare Einschnitte, ähnlich den Rissen in manchen seiner Materialbilder, bestehen blieben.
Quelle dieser Formensprache, die trotz experimenteller Techniken recht klassisch anmutet, sind Burris Kriegserlebnisse. Ursprünglich als Arzt ausgebildet und in dieser Funktion im Kriegseinsatz, verarbeitet er seine Traumen bereits im Kriegsgefangenenlager in Texas, USA, in das er von den Briten 1943 transferiert worden war.
Damals tauschte er sein Chirurgenbesteck für immer mit Malwerkzeugen. Das Bildmaterial – in den frühen Jahren etwa Sackleinen aus Hilfslieferungen, später Furnier und Plastikfolie – wurde gerissen, genäht, gebrannt. Burri zelebriert das Sakrale der Materie, indem sie nicht mehr als sie selbst bedeutet. Sie ist autometaphorisch und deshalb ist die Suche nach Allegorien sinnlos. Vielmehr wird das Augenmerk auf formale, plastische und chromatische Qualitäten gelegt. Die Materie ist in den Werken Burris bereits per se Form. Form, die sich innerhalb seines Schaffens wiederholt – „il primo quadro è uguale all’ultimo“ – um die Kontinuität eines Kunstprojekts, das die Einheitsidee, des Künstlers widerspiegelt, auszudrücken. Dabei ergibt sich eine Art Diachronie, wenn die Werke ein kontinuierlicher Fortgang der Vergangenheit sind, gleichzeitig aber von fruchtbaren Intuitionen der Zukunft schöpfen, der Stil Burris ist daher „eine Methode, die es vermag, vergangene Erfahrungen, aber auch Antizipationen zusammenzufassen; sie ist fast ein organischer Fluss, der durch verschiedene ‚Häute‘ dasselbe Thema vorschlägt, dieselbe Entschlossenheit, sich als notwendiges Ereignis zu manifestieren.“
(G. Serafini, Burri, Dossier in „Art e Dossier“, Florenz 1991, S. 44)

Um den Blick auf die materielle Essenz nicht zu verstellen und Überflüssiges zu vermeiden, reduziert Burri seine Farbpalette auf Erdtöne. Einzig Rot wird als Signalfarbe verwendet: Rote Farbe sickert durch die Risse, Löcher in geschmolzenem Plastik sehen wie Wunden aus. Zuweilen wölbte er die Bildoberflächen durch dahinterliegende Metallstangen. Der Künstler zerstört gezielt, wenn er mit Feuer experimentiert, das Holz verkohlen und Plastik schmelzen lässt. Die Zerstörung verliert dabei ihren negativen, vernichtenden Charakter, wofür seine Arbeiten der beste Beweis sind.

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
+39-02-303 52 41

alessandro.rizzi@dorotheum.it

25.11.2020 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 174.100,-
Schätzwert:
EUR 140.000,- bis EUR 180.000,-

Alberto Burri *


(Città di Castello/Perugia 1915–1995 Nizza)
Ohne Titel, 1947/1988, rückseitig signiert, datiert und bezeichnet, Acryl und Vinavil auf Leinwand auf Karton, in Künstlerrahmen, 44 x 61,5 cm

Provenienz:
Europäische Privatsammlung

Literatur:
M. Vallora, Confronti, sintonie e dissonanze, in Marca-Relli, l’amico americano. Sintonie e dissonanze con Afro e Burri, Ed. Galeria d’Arte Niccoli, Parma 2002, S. 263 mit Abb.
B. Corà, Burri. Catalogo Generale, Band III, Pittura, 1979 – 1994, Fondazione Palazzo Albizzini Collezione Burri, Città di Castello 2015, S. 324 mit Abb. Nr. 2151 (das Werk wurde mit falschen Maßangaben publiziert; laut Mitteilung der Fondazione Palazzo Albizzini Collezione Burri werden sie in der Neuausgabe des Katalogs aktualisiert)

Notiz:
Die doppelte Datierung des Werkes (1947/1988) ist darauf zurückzuführen, dass der Künstler ein 1947 datiertes Werk (bräunliche Stellen) als Untersatz für die Realisierung des eigentlichen Werkes verwendete.

Neben Lucio Fontana prägte Alberto Burri Italiens Nachkriegskunst wie kaum ein anderer: So singulär seine Kunst auch anmutet mag, gilt dieser Künstler als einer der Wegbereiter der Arte Povera.
Sein Einfluss reichte freilich weit über Italiens Grenzen; berühmte Maler wie Cy Twombly oder Robert Rauschenberg besuchten den 1915 in Umbrien Geborenen in seinem Atelier. Schon früh wurde auch das Guggenheim Museum in New York auf ihn aufmerksam und stellte seine Collagen und Materialassemblagen 1954 aus.
Der mehrfache Biennale- und documenta-Teilnehmer schuf 1981 auch eines der gewaltigsten Beispiele von Land Art und Denkmal zugleich. Über die Ruinen des von einem Erdbeben zerstörten sizilianischen Dorfes Gibellina legte Burri eine dicke Betonschicht, in der die alten Gassen als begehbare Einschnitte, ähnlich den Rissen in manchen seiner Materialbilder, bestehen blieben.
Quelle dieser Formensprache, die trotz experimenteller Techniken recht klassisch anmutet, sind Burris Kriegserlebnisse. Ursprünglich als Arzt ausgebildet und in dieser Funktion im Kriegseinsatz, verarbeitet er seine Traumen bereits im Kriegsgefangenenlager in Texas, USA, in das er von den Briten 1943 transferiert worden war.
Damals tauschte er sein Chirurgenbesteck für immer mit Malwerkzeugen. Das Bildmaterial – in den frühen Jahren etwa Sackleinen aus Hilfslieferungen, später Furnier und Plastikfolie – wurde gerissen, genäht, gebrannt. Burri zelebriert das Sakrale der Materie, indem sie nicht mehr als sie selbst bedeutet. Sie ist autometaphorisch und deshalb ist die Suche nach Allegorien sinnlos. Vielmehr wird das Augenmerk auf formale, plastische und chromatische Qualitäten gelegt. Die Materie ist in den Werken Burris bereits per se Form. Form, die sich innerhalb seines Schaffens wiederholt – „il primo quadro è uguale all’ultimo“ – um die Kontinuität eines Kunstprojekts, das die Einheitsidee, des Künstlers widerspiegelt, auszudrücken. Dabei ergibt sich eine Art Diachronie, wenn die Werke ein kontinuierlicher Fortgang der Vergangenheit sind, gleichzeitig aber von fruchtbaren Intuitionen der Zukunft schöpfen, der Stil Burris ist daher „eine Methode, die es vermag, vergangene Erfahrungen, aber auch Antizipationen zusammenzufassen; sie ist fast ein organischer Fluss, der durch verschiedene ‚Häute‘ dasselbe Thema vorschlägt, dieselbe Entschlossenheit, sich als notwendiges Ereignis zu manifestieren.“
(G. Serafini, Burri, Dossier in „Art e Dossier“, Florenz 1991, S. 44)

Um den Blick auf die materielle Essenz nicht zu verstellen und Überflüssiges zu vermeiden, reduziert Burri seine Farbpalette auf Erdtöne. Einzig Rot wird als Signalfarbe verwendet: Rote Farbe sickert durch die Risse, Löcher in geschmolzenem Plastik sehen wie Wunden aus. Zuweilen wölbte er die Bildoberflächen durch dahinterliegende Metallstangen. Der Künstler zerstört gezielt, wenn er mit Feuer experimentiert, das Holz verkohlen und Plastik schmelzen lässt. Die Zerstörung verliert dabei ihren negativen, vernichtenden Charakter, wofür seine Arbeiten der beste Beweis sind.

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
+39-02-303 52 41

alessandro.rizzi@dorotheum.it


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 25.11.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: online


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.