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Lot Nr. 244


Jorinde Voigt *


(Frankfurt am Main, 1977 geb.)
WV 2010-535 - Territorium; Öl, Wasser, Strom, Gas, 2010, signiert, datiert Jorinde Voigt Berlin 2010, mit Technikangaben, Tusche, Bleistift auf festem Papier, 113,5 x 226 cm, gerahmt

Provenienz:
Galerie Johann König, Berlin
Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen - dort erworben

Ausgestellt:
Galerie Bernd Klüser, München, Art Cologne, 11.-14. April 2019
Voigt beschäftigt sich in ihrem Œuvre vielfach mit der Sichtbarmachung eigentlich unsichtbarer Phänomene des Alltags. Dabei berührt sie unter anderen die Gebiete Mathematik, Biologie, Physik, Musik und auch Politik. Bekannt ist Jorinde Voigt insbesondere für ihre graphischen Arbeiten, in denen sie Klänge, Geräusche, Rhythmen und Melodien visualisiert. Verwurzelt ist diese Vorgehensweise in ihrer Biografie: Vor ihrem Studium der Bildenden Künste bei Katharina Sieverding erhielt die Künstlerin in ihrer Jugend eine intensive, klassische Musikausbildung.

Auf den ersten Blick setzen sich Voigts Werke primär aus grazilen Bögen und Linien zusammen und füllen so die zumeist monumentalen Bildträger. Auf dem zweiten Blick fällt, insbesondere durch die detaillierte Beschriftung der einzelnen Bögen und Linien auf, dass ihre Werke darüber hinaus auf einem komplexen, konzeptuellen Fundament ruhen. Für jedes neue Bildthema, dass Jorinde Voigt visualisiert, setzt die Künstlerin zunächst einen Algorithmus, eine bestimmte Struktur fest, nach der das anschließend Werk entsteht. Das ihrer Arbeiten zugrundeliegende Konzept veröffentlicht die Künstlerin auf ihrer Homepage, sodass der Rezipient den Entstehungsprozess der Werke nachvollziehen kann.

Mit dem Thema „Territorium“ setzte sich die Künstlerin erstmals im Jahr 2006 auseinander. Vier Jahre später wurde Voigt von einem großen deutschen Energie-Konzern eingeladen einen Einblick in deren Firmenstruktur zu erhalten. Vor Ort sah die Künstlerin Lagepläne der verschiedenen Energiebereiche, wie zum Beispiel Gas, Elektrizität, Öl, Wind- und Atomkraft. Die Arbeit WV 2010-535 illustriert in ihrer Gesamtheit mehrere Territorien, das heißt verschiedene von Grenzen eingefasste Bereiche. Die als „Zentrum“ bezeichneten Flächen bilden die Mittelpunkte der einzelnen Territorien. Durch diese Mittelpunkte verlaufen die Nord-Süd-Ost-West-Achsen. Das Territorium sowie das dazugehörige Zentrum tragen immer die gleiche Nummerierung: Territorium (1) + Zentrum (1), Territorium (2) + Zentrum (2) etc.

Der Begriff „Zentrum“ wird in dem Werk WV 2010-535 durch weitere Begriffe ergänzt und erweitert. Die vier weiteren Territorien bilden ein Öl-, ein Wasser-, ein Strom- sowie ein Gas-Territorium. Diese ersetzen teilweise auch den Begriff „Zentrum“ innerhalb des jeweiligen Territoriums. In diesem Fall wird der als Territorium bezeichnete Bereich explizit zu einem Wasser- oder beispielsweise Öl-Territorium. Die N,S,W,O-Achsen bezeichnen die Himmelsrichtungen innerhalb des jeweiligen Territoriums. Bei der Überlagerung mehrerer Territorien rotiert die Himmelsrichtung im Verlauf. Entlang der Himmelsrichtungs-Achsen sind abwechselnd die Begriffe „Konstruktion“ und „Dekonstruktion“ mit Bleistift notiert. Voigt definiert die Begriffe in ihrem Konzept wie folgt:

„‚Konstruktion‘ benennt Vorgänge wie das Schaffen von Realität durch gesellschaftliche Prozesse, den Aufbau von Zugehörigkeiten im territorialen Sinne, die Konstruktion von Realität im konzeptionellen Sinne, Überlegungen und Handlungen die zur Schaffung einer neuen Situation führen, die Produktion von Identität. Sowie auch die notierten Denkmodelle selbst und deren Konnotationen. ‚Dekonstruktion‘ benennt genau alles das, aber im dialektisch komplementären Sinne. Trotzdem Fallen Konstruktion und Dekonstruktion struktural in einen Punkt. Mit dieser Parameterkonstellation wird ein Bereich benannt, in dem beides gleichzeitig stattfindet. In dem Sinne bezeichnet es ein neutrales Feld der Veränderung.“
(http://jorindevoigt.com/blog/wp-content/wp-content/uploads/KONZEPT-Territorium_D.doc.pdf, 14.09.2020)

Die Zentren der Territorien sind durch zeitliche Angaben wie nach 1 Tag, nach 2 Tagen etc. miteinander chronologisch verknüpft. Der letzte Punkt ist am Ende mit dem ersten auf die gleiche Art zeitlich verknüpft. Dadurch ergibt sich eine Loop -Struktur, welche die gesamte Sequenz unendlich ablaufen lässt und einen eigenen Rhythmus entwickelt. Die zeitlichen Angaben sowie die Kontinentalgrenzen wurden seitens der Künstlerin mit rotem Stift auf die Bildfläche geschrieben.

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
+49-211-210 77 47

petra.schaepers@dorotheum.de

25.11.2020 - 16:00

Schätzwert:
EUR 60.000,- bis EUR 80.000,-

Jorinde Voigt *


(Frankfurt am Main, 1977 geb.)
WV 2010-535 - Territorium; Öl, Wasser, Strom, Gas, 2010, signiert, datiert Jorinde Voigt Berlin 2010, mit Technikangaben, Tusche, Bleistift auf festem Papier, 113,5 x 226 cm, gerahmt

Provenienz:
Galerie Johann König, Berlin
Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen - dort erworben

Ausgestellt:
Galerie Bernd Klüser, München, Art Cologne, 11.-14. April 2019
Voigt beschäftigt sich in ihrem Œuvre vielfach mit der Sichtbarmachung eigentlich unsichtbarer Phänomene des Alltags. Dabei berührt sie unter anderen die Gebiete Mathematik, Biologie, Physik, Musik und auch Politik. Bekannt ist Jorinde Voigt insbesondere für ihre graphischen Arbeiten, in denen sie Klänge, Geräusche, Rhythmen und Melodien visualisiert. Verwurzelt ist diese Vorgehensweise in ihrer Biografie: Vor ihrem Studium der Bildenden Künste bei Katharina Sieverding erhielt die Künstlerin in ihrer Jugend eine intensive, klassische Musikausbildung.

Auf den ersten Blick setzen sich Voigts Werke primär aus grazilen Bögen und Linien zusammen und füllen so die zumeist monumentalen Bildträger. Auf dem zweiten Blick fällt, insbesondere durch die detaillierte Beschriftung der einzelnen Bögen und Linien auf, dass ihre Werke darüber hinaus auf einem komplexen, konzeptuellen Fundament ruhen. Für jedes neue Bildthema, dass Jorinde Voigt visualisiert, setzt die Künstlerin zunächst einen Algorithmus, eine bestimmte Struktur fest, nach der das anschließend Werk entsteht. Das ihrer Arbeiten zugrundeliegende Konzept veröffentlicht die Künstlerin auf ihrer Homepage, sodass der Rezipient den Entstehungsprozess der Werke nachvollziehen kann.

Mit dem Thema „Territorium“ setzte sich die Künstlerin erstmals im Jahr 2006 auseinander. Vier Jahre später wurde Voigt von einem großen deutschen Energie-Konzern eingeladen einen Einblick in deren Firmenstruktur zu erhalten. Vor Ort sah die Künstlerin Lagepläne der verschiedenen Energiebereiche, wie zum Beispiel Gas, Elektrizität, Öl, Wind- und Atomkraft. Die Arbeit WV 2010-535 illustriert in ihrer Gesamtheit mehrere Territorien, das heißt verschiedene von Grenzen eingefasste Bereiche. Die als „Zentrum“ bezeichneten Flächen bilden die Mittelpunkte der einzelnen Territorien. Durch diese Mittelpunkte verlaufen die Nord-Süd-Ost-West-Achsen. Das Territorium sowie das dazugehörige Zentrum tragen immer die gleiche Nummerierung: Territorium (1) + Zentrum (1), Territorium (2) + Zentrum (2) etc.

Der Begriff „Zentrum“ wird in dem Werk WV 2010-535 durch weitere Begriffe ergänzt und erweitert. Die vier weiteren Territorien bilden ein Öl-, ein Wasser-, ein Strom- sowie ein Gas-Territorium. Diese ersetzen teilweise auch den Begriff „Zentrum“ innerhalb des jeweiligen Territoriums. In diesem Fall wird der als Territorium bezeichnete Bereich explizit zu einem Wasser- oder beispielsweise Öl-Territorium. Die N,S,W,O-Achsen bezeichnen die Himmelsrichtungen innerhalb des jeweiligen Territoriums. Bei der Überlagerung mehrerer Territorien rotiert die Himmelsrichtung im Verlauf. Entlang der Himmelsrichtungs-Achsen sind abwechselnd die Begriffe „Konstruktion“ und „Dekonstruktion“ mit Bleistift notiert. Voigt definiert die Begriffe in ihrem Konzept wie folgt:

„‚Konstruktion‘ benennt Vorgänge wie das Schaffen von Realität durch gesellschaftliche Prozesse, den Aufbau von Zugehörigkeiten im territorialen Sinne, die Konstruktion von Realität im konzeptionellen Sinne, Überlegungen und Handlungen die zur Schaffung einer neuen Situation führen, die Produktion von Identität. Sowie auch die notierten Denkmodelle selbst und deren Konnotationen. ‚Dekonstruktion‘ benennt genau alles das, aber im dialektisch komplementären Sinne. Trotzdem Fallen Konstruktion und Dekonstruktion struktural in einen Punkt. Mit dieser Parameterkonstellation wird ein Bereich benannt, in dem beides gleichzeitig stattfindet. In dem Sinne bezeichnet es ein neutrales Feld der Veränderung.“
(http://jorindevoigt.com/blog/wp-content/wp-content/uploads/KONZEPT-Territorium_D.doc.pdf, 14.09.2020)

Die Zentren der Territorien sind durch zeitliche Angaben wie nach 1 Tag, nach 2 Tagen etc. miteinander chronologisch verknüpft. Der letzte Punkt ist am Ende mit dem ersten auf die gleiche Art zeitlich verknüpft. Dadurch ergibt sich eine Loop -Struktur, welche die gesamte Sequenz unendlich ablaufen lässt und einen eigenen Rhythmus entwickelt. Die zeitlichen Angaben sowie die Kontinentalgrenzen wurden seitens der Künstlerin mit rotem Stift auf die Bildfläche geschrieben.

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
+49-211-210 77 47

petra.schaepers@dorotheum.de


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 25.11.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: online