Sie nutzen einen veralteten Browser!

Um unsere Website voll funktionsfähig nutzen zu können, sollten Sie eine aktuelle Browserversion installieren. Eine Auflistung von empfohlenen Browserversionen finden Sie gleich hier.



Lot Nr. 249


Fausto Melotti *


(Rovereto 1901–1986 Mailand)
Due Curve, 1973/1974, mit Stempel FIAT steel auf der Unterseite, Edelstahl, 128 x 60 x 42 cm

Nr. 1 aus einer Edition von 3 Exemplaren

Das Werk ist beim Archivio Fausto Melotti, Mailand, registriert. Ein Fotozertifikat liegt bei.

Provenienz:
Sammlung Cristina Melotti, Mailand
Sammlung Paolo Baldacci, New York
Volker Feierabend, Mailand
Privatsammlung, Mailand
Galleria d’Arte Niccoli, Parma (Zertifikat vorhanden)
Privatsammlung, Schweiz
Europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Düsseldorf, Galerie Schmela, Melotti, 7. – 20. Februar 1975, Ausst.-Kat.
Genua, Martini Ronchetti Galleria d’arte contemporanea, Fausto Melotti, 9. Mai – 12. Juni 1975, Ausst.-Kat. Nr. 4 mit Abb.
Sanremo, Galleria Beniamino, Fausto Melotti, 12. Juli – 1. August 1975, Ausst.-Kat.
Mailand, Palazzo Reale, Melotti, 16. Mai – 17. Juni 1979, Ausst.-Kat. S. 73, mit Abb.
Bologna, Villa Cicogna, Fausto Melotti, 12. – 30. Juni 1980, Ausst.-Kat. Nr. 2 mit Abb.
La Chaux-de-Fonds, Zurich, Musée des Beaux-Arts, Fausto Melotti, 21. Februar – 29. März 1981, Wanderausstellung: Galerie Lopes AG,
9. April – 27. Mai 1981, Ausst.-Kat. Nr. 10 mit Abb.
Rovereto, Area Studio, Fausto Melotti, Mai – Juni 1984, Ausst.-Kat. S. 45 mit Abb.
Lissabon, Centro de Arte Moderna, Fondazione Calouste Gulbenkian, Primeira Exposicao - Dialgo sobra a Arte Contemporanea en Europa, 28. März – 16. Juni 1985, Ausst.-Kat. S. 275 mit Abb.
Parma, La Sanseverina Galleria d’Arte, Fausto Melotti, 10. Mai – 30. Juni 1986, Ausst.-Kat. Nr. 13, S. 20 mit Abb.
New York, Paolo Baldacci Gallery, Fausto Melotti. Anti-sculpture, 4. Oktober – 12. November 1994, Ausst.-Kat. S. 60, Nr. 15 mit Abb.
London, Robilant+Voena, Italian Postwar Sculpture, 4. Oktober – 17. November 2017, Ausst.-Kat. S. 31 mit Abb.

Literatur:
V. Conti, Un gioco che quando riesce è poesia in “Corriere Mercantile”, Genua, 16. Mai 1975, mit Abb.
G. Celant, Melotti. Catalogo Generale. Sculture 1973–1989 e Bassorilievi, Mailand 1996, Band II, S. 377, Nr. 1973 77 mit Abb. (mit falschen Maßangaben)

Fausto Melotti gilt als der Wegbereiter der geometrischen Abstraktion in Italien. Seine künstlerische Auseinandersetzung fußt auf den zwei disziplinären Grundpfeilern der Musik bzw. Poesie und der Ingenieurskunst, die in ihren diametral zueinander positionierten Intentionen eben den antithetischen Charakter der Arbeiten des Künstlers ausmachen. Es ist ein Changieren zwischen Minimalismus und Metapher, zwischen geometrisch-abstrakten und figürlich-poetischen Gebilden.

Nach anfänglicher technischer Ausbildung wendet sich Melotti Mitte der 1920er Jahre der Bildhauerei zu. Schon früh ist sein Schaffen von einer unentwegten Suche nach neuen Gestaltungsmöglichkeiten und Materialien geprägt: Stein, Gips, Bronze und Ton, kommen ebenso wie Kupfer und Stahl zur Verwendung. Die Reduktion der Ausdrucksmittel auf Einfachheit ist der Suche nach der substanziellen und essenziellen Darstellung der Dinge geschuldet. 1933/34 reift Melottis künstlerische Formensprache durch den Anschluss an den Kreis der rationalistisch Abstrakten um die Galleria del Milione in Mailand weiter heran, indem er sich der streng geometrischen Konstruktion im Sinne Platons verschreibt. Im Zentrum steht der Gedanke der modulazione, die von „Modul = Regel = Ordnung“ kommt. Die Formenvereinfachung dieser frühen Arbeiten nimmt richtungsweisend den Minimalismus des Spätwerks vorweg.

Ab den 1950er Jahren führt Melotti seine Werke inspiriert durch Alexander Calder und Alberto Giacometti durch konstruktivistische Klarheit und poetische Erzählkraft zu filigraner Leichtigkeit und räumlicher Transparenz. Die Skulpturen scheinen gewichtslos und luftig, wie „ein Spiel und wenn es gelingt, ist es Poesie“ (Melotti). Dieses Spiel ergibt sich aus dem Spannungsverhältnis der zum Ausdruck gebrachten Gegenpole: Figuration und Abstraktion, Fantasie und Ratio, Poesie und Technik, Leichtigkeit und Melancholie.

Die 1973/74 entstandene, allansichtige Skulptur Due Curve hebt die geometrische Figuren Kreis, Linie und Rechteck in die Dreidimensionalität. Versetzt angeordnet auf einer quadratischen Eisenplatte erheben sich zwei geschwungene, rechteckige Streifen in den umgebenden Raum. Diese massiver wirkenden Elemente werden durch eine ihnen gegenüber montierte, gebogene Stange, an der ein linear nach unten führender Metallfaden mit abschließender Kugel abgebracht ist, kontrastiert. Die unterschiedliche Dichte und Leichtigkeit der Elemente, gemeinsam mit den in diverse Richtung strebenden Kompositionslinien in Kurvenform erzeugen Dynamik und Spannung. Die polierte Oberfläche des Objekts wirkt wie ein Spiegel, wodurch die Figur gleichzeitig in sich verschlossen und in Kontakt mit ihrer Umgebung ist, indem sie sie reflektiert. Diese Praxis erinnert an Werke des französisch-rumänischen Bildhauers Constantin Brancusis.

Als Revolutionär der modernen Skulptur ebnet Brancusi den Weg für das Materialbewusstsein und die Reduktion der Formen. Die Spannungspole zwischen radikal modern und radikal archaisch werden in seinem Werk bis an die Grenze des Möglichen auseinandergetrieben, um sie anschließend wieder harmonisch zusammenzuführen. Und auch Brancusis eigensinnig ontologische Kunstauffassung, dass durch extreme Vereinfachung der Form ohne Verzierung und Überflüssiges, die Essenz der Dinge ins Zentrum, sodass der innere Zusammenhang, die innere Wahrheit des Objekts die Möglichkeit hat ins Äußere zu treten, findet sich bei Fausto Melotti wider, wobei dieser die radikalen Ideen der modernisierten Skulptur in den 50er und 60er Jahren weitertreibt.

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
+39-02-303 52 41

alessandro.rizzi@dorotheum.it

25.11.2020 - 16:00

Schätzwert:
EUR 130.000,- bis EUR 180.000,-

Fausto Melotti *


(Rovereto 1901–1986 Mailand)
Due Curve, 1973/1974, mit Stempel FIAT steel auf der Unterseite, Edelstahl, 128 x 60 x 42 cm

Nr. 1 aus einer Edition von 3 Exemplaren

Das Werk ist beim Archivio Fausto Melotti, Mailand, registriert. Ein Fotozertifikat liegt bei.

Provenienz:
Sammlung Cristina Melotti, Mailand
Sammlung Paolo Baldacci, New York
Volker Feierabend, Mailand
Privatsammlung, Mailand
Galleria d’Arte Niccoli, Parma (Zertifikat vorhanden)
Privatsammlung, Schweiz
Europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Düsseldorf, Galerie Schmela, Melotti, 7. – 20. Februar 1975, Ausst.-Kat.
Genua, Martini Ronchetti Galleria d’arte contemporanea, Fausto Melotti, 9. Mai – 12. Juni 1975, Ausst.-Kat. Nr. 4 mit Abb.
Sanremo, Galleria Beniamino, Fausto Melotti, 12. Juli – 1. August 1975, Ausst.-Kat.
Mailand, Palazzo Reale, Melotti, 16. Mai – 17. Juni 1979, Ausst.-Kat. S. 73, mit Abb.
Bologna, Villa Cicogna, Fausto Melotti, 12. – 30. Juni 1980, Ausst.-Kat. Nr. 2 mit Abb.
La Chaux-de-Fonds, Zurich, Musée des Beaux-Arts, Fausto Melotti, 21. Februar – 29. März 1981, Wanderausstellung: Galerie Lopes AG,
9. April – 27. Mai 1981, Ausst.-Kat. Nr. 10 mit Abb.
Rovereto, Area Studio, Fausto Melotti, Mai – Juni 1984, Ausst.-Kat. S. 45 mit Abb.
Lissabon, Centro de Arte Moderna, Fondazione Calouste Gulbenkian, Primeira Exposicao - Dialgo sobra a Arte Contemporanea en Europa, 28. März – 16. Juni 1985, Ausst.-Kat. S. 275 mit Abb.
Parma, La Sanseverina Galleria d’Arte, Fausto Melotti, 10. Mai – 30. Juni 1986, Ausst.-Kat. Nr. 13, S. 20 mit Abb.
New York, Paolo Baldacci Gallery, Fausto Melotti. Anti-sculpture, 4. Oktober – 12. November 1994, Ausst.-Kat. S. 60, Nr. 15 mit Abb.
London, Robilant+Voena, Italian Postwar Sculpture, 4. Oktober – 17. November 2017, Ausst.-Kat. S. 31 mit Abb.

Literatur:
V. Conti, Un gioco che quando riesce è poesia in “Corriere Mercantile”, Genua, 16. Mai 1975, mit Abb.
G. Celant, Melotti. Catalogo Generale. Sculture 1973–1989 e Bassorilievi, Mailand 1996, Band II, S. 377, Nr. 1973 77 mit Abb. (mit falschen Maßangaben)

Fausto Melotti gilt als der Wegbereiter der geometrischen Abstraktion in Italien. Seine künstlerische Auseinandersetzung fußt auf den zwei disziplinären Grundpfeilern der Musik bzw. Poesie und der Ingenieurskunst, die in ihren diametral zueinander positionierten Intentionen eben den antithetischen Charakter der Arbeiten des Künstlers ausmachen. Es ist ein Changieren zwischen Minimalismus und Metapher, zwischen geometrisch-abstrakten und figürlich-poetischen Gebilden.

Nach anfänglicher technischer Ausbildung wendet sich Melotti Mitte der 1920er Jahre der Bildhauerei zu. Schon früh ist sein Schaffen von einer unentwegten Suche nach neuen Gestaltungsmöglichkeiten und Materialien geprägt: Stein, Gips, Bronze und Ton, kommen ebenso wie Kupfer und Stahl zur Verwendung. Die Reduktion der Ausdrucksmittel auf Einfachheit ist der Suche nach der substanziellen und essenziellen Darstellung der Dinge geschuldet. 1933/34 reift Melottis künstlerische Formensprache durch den Anschluss an den Kreis der rationalistisch Abstrakten um die Galleria del Milione in Mailand weiter heran, indem er sich der streng geometrischen Konstruktion im Sinne Platons verschreibt. Im Zentrum steht der Gedanke der modulazione, die von „Modul = Regel = Ordnung“ kommt. Die Formenvereinfachung dieser frühen Arbeiten nimmt richtungsweisend den Minimalismus des Spätwerks vorweg.

Ab den 1950er Jahren führt Melotti seine Werke inspiriert durch Alexander Calder und Alberto Giacometti durch konstruktivistische Klarheit und poetische Erzählkraft zu filigraner Leichtigkeit und räumlicher Transparenz. Die Skulpturen scheinen gewichtslos und luftig, wie „ein Spiel und wenn es gelingt, ist es Poesie“ (Melotti). Dieses Spiel ergibt sich aus dem Spannungsverhältnis der zum Ausdruck gebrachten Gegenpole: Figuration und Abstraktion, Fantasie und Ratio, Poesie und Technik, Leichtigkeit und Melancholie.

Die 1973/74 entstandene, allansichtige Skulptur Due Curve hebt die geometrische Figuren Kreis, Linie und Rechteck in die Dreidimensionalität. Versetzt angeordnet auf einer quadratischen Eisenplatte erheben sich zwei geschwungene, rechteckige Streifen in den umgebenden Raum. Diese massiver wirkenden Elemente werden durch eine ihnen gegenüber montierte, gebogene Stange, an der ein linear nach unten führender Metallfaden mit abschließender Kugel abgebracht ist, kontrastiert. Die unterschiedliche Dichte und Leichtigkeit der Elemente, gemeinsam mit den in diverse Richtung strebenden Kompositionslinien in Kurvenform erzeugen Dynamik und Spannung. Die polierte Oberfläche des Objekts wirkt wie ein Spiegel, wodurch die Figur gleichzeitig in sich verschlossen und in Kontakt mit ihrer Umgebung ist, indem sie sie reflektiert. Diese Praxis erinnert an Werke des französisch-rumänischen Bildhauers Constantin Brancusis.

Als Revolutionär der modernen Skulptur ebnet Brancusi den Weg für das Materialbewusstsein und die Reduktion der Formen. Die Spannungspole zwischen radikal modern und radikal archaisch werden in seinem Werk bis an die Grenze des Möglichen auseinandergetrieben, um sie anschließend wieder harmonisch zusammenzuführen. Und auch Brancusis eigensinnig ontologische Kunstauffassung, dass durch extreme Vereinfachung der Form ohne Verzierung und Überflüssiges, die Essenz der Dinge ins Zentrum, sodass der innere Zusammenhang, die innere Wahrheit des Objekts die Möglichkeit hat ins Äußere zu treten, findet sich bei Fausto Melotti wider, wobei dieser die radikalen Ideen der modernisierten Skulptur in den 50er und 60er Jahren weitertreibt.

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
+39-02-303 52 41

alessandro.rizzi@dorotheum.it


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 25.11.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: online