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Lot Nr. 260


Salvatore Scarpitta


(New York 1919–2007)
Anche noi siamo America (Kore - manifestazione per la pace a New York), 1951, signiert und datiert, Öl auf Leinwand, 165 x 200 cm

Provenienz:
Europäische Privatsammlung (in den 1960er Jahren erworben)

Literatur:
L’Unità, 20. Januar 1951, S. 3 mit Abb.
Luigi Sansone, Salvatore Scarpitta Werkverzeichnis, Mailand 2005,
Nr. 113 mit Abb.

Ausgestellt:
Rom, Galleria di Roma, II Mostra d’arte contro le barbarie, 1951,
Ausst.-Kat. Nr. 47
Rom, Galleria Il Pincio, Scarpitta, 1951

Salvatore Scarpitta wurde in NYC als Sohn eines sizilianischen Vaters und einer polnisch-russischen Mutter geboren, wuchs in den Vereinigten Staaten auf und zog nach Rom, wo er die Kunstakademie (Accademia di Belle Arti) besuchte. Zunächst von der renommierten römischen Galerie La Tartaruga vertreten, wurde Scarpitta bald zu einem der Künstler Leo Castellis in seiner New Yorker Galerie.
Das Werk „Anche noi siamo America (Kore; Manifestazione per la Pace a NY) / Wir sind auch Amerika (Kore: ein Marsch für den Frieden in NYC)“, entstand 1951, während der Künstler in Italien lebte.
Die interessanten Aspekte dieses Werkes hängen nicht nur mit dem Malstil des Künstlers zusammen - er zeigt deutlich wie seine Pinsel die Verwendung von Bandagen vorweggenommen haben, die seine späteren Werke charakterisieren - sondern sind ausgehend vom Titel vor allem historisch und politisch.
Tatsächlich hatte kürzlich in New York City eine kulturelle und wissenschaftliche Konferenz für den Weltfrieden stattgefunden, die vom National Council of Arts, Sciences and Professions gesponsert wurde. Die Friedenskampagne begann in den USA nach der Friedenskonferenz von Stockholm im März 1950. Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden die weltweit verbreitete Friedensbewegung und ihre zuvor radikalen Doktrinen bald zu einem Teil des politischen Mainstream-Diskurses, der oft mit einer Tendenz zur Unterstützung der russischen Kommunisten verwechselt wurde und den Beginn des Kalten Krieges nachzeichnet.
Beim Betrachten dieses Werkes von Salvatore Scarpitta tauchen einige wichtige Themen auf:
- das Problem der Rassentrennung in den USA, das die Bevölkerung in vielerlei Hinsicht stark in Mitleidenschaft gezogen hat (Schulsegregation, Wohnungsbau, Transportmittel, Gesetze zur Bekämpfung von Mischehen, um nur einige zu nennen) - ein Problem, das, wie uns die heutigen Nachrichten täglich in Erinnerung rufen, teilweise immer noch ungelöst scheint.
- Die allgemeine Friedensforderung wird durch das Wort PEACE in roter Schrift dargestellt und durch das Wort Kore in schwarzer Schrift verdeckt, das im oberen mittleren Bereich der Leinwand erscheint.
Das Wort Kore (Korea) scheint das Konzept des Friedens zu verdecken. Die Figur eines Afroamerikaners, der einen Hut trägt und einen verletzten Mann hält, symbolisiert die Idee des Friedens, der durch die Anwesenheit des bewaffneten Polizisten auf der linken Seite des Bildes bedroht wird, während die Menschen marschieren.

Das leitet über zum Problem des Krieges gegen Korea zwischen 1950 und 1953, der bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs viele amerikanische Soldaten das Leben kostete.
Das Problem des Koreakriegs wurde in diesen Jahren von vielen internationalen Künstlern thematisiert. Angefangen bei Diego Riveras „Alptraum des Krieges /Traum des Friedens“, einem 1951/52 in Mexiko-Stadt entstandenen Wandbild, Picassos 1948 begonnenem und 1955 beendeten Fresko „La Guerre et la Paix“ in Vallarius, Frankreich, oder seinem im Musée Picasso aufbewahrten Gemälde mit dem Titel „Massaker in Korea“, aus dem Jahre 1951.

Die Bedeutung von Scarpittas Werk liegt auch in seinen beiden Nationalitäten begründet: Er fühlte sich mit Italien verbunden, das in den Zweiten Weltkrieg involviert war und wo er die Akademie der Schönen Künste besuchte, und mit den Vereinigten Staaten, wo er aufwuchs und von wo aus viele seines Alters zum Kampf ins Ausland geschickt wurden.
Dadurch, dass Scarpitta die Abbildung eines Friedensmarsch in den Vereinigten Staaten bei einer Ausstellung in Rom zeigte, machte er in Italien eine politische Situation bekannt, von der viele Italiener zu jener Zeit noch nichts wussten. Italien hatte noch immer mit den Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs und dem Verlust von zu vielen Menschenleben zu kämpfen, die Menschen wollten den Krieg vergessen, und die Vereinigten Staaten repräsentierten die Eroberer, diejenigen, die Italien vom Feind befreit hatten. Die Realität der amerikanischen Soldaten, die in einen anderen Krieg geschickt worden waren, war bis dato nicht bekannt.
Die in Rom veranstaltete Ausstellung, in die dieses Gemälde aufgenommen wurde, trug den Titel „gegen alle Kriege“ und wurde in der linksgerichteten Zeitung L'Unità illustriert, die ihr die gesamte Seite 3 (bekannt als Kulturteil der Zeitung) widmete. Die Untertitel der Zeitungsseite erwähnen die Androhung des Polizeieinsatzes gegen die Ausstellung, die als Bedrohung für das damalige politische Gleichgewicht angesehen wurde.
Dieses Gemälde ist auch auf der Einladungskarte zur Ausstellung abgebildet, da es das repräsentativste für das Konzept des Friedens ist.

Expertin: Flaminia Allvin Flaminia Allvin
+39-06-699 23 671

flaminia.allvin@dorotheum.it

25.11.2020 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 62.800,-
Schätzwert:
EUR 50.000,- bis EUR 60.000,-

Salvatore Scarpitta


(New York 1919–2007)
Anche noi siamo America (Kore - manifestazione per la pace a New York), 1951, signiert und datiert, Öl auf Leinwand, 165 x 200 cm

Provenienz:
Europäische Privatsammlung (in den 1960er Jahren erworben)

Literatur:
L’Unità, 20. Januar 1951, S. 3 mit Abb.
Luigi Sansone, Salvatore Scarpitta Werkverzeichnis, Mailand 2005,
Nr. 113 mit Abb.

Ausgestellt:
Rom, Galleria di Roma, II Mostra d’arte contro le barbarie, 1951,
Ausst.-Kat. Nr. 47
Rom, Galleria Il Pincio, Scarpitta, 1951

Salvatore Scarpitta wurde in NYC als Sohn eines sizilianischen Vaters und einer polnisch-russischen Mutter geboren, wuchs in den Vereinigten Staaten auf und zog nach Rom, wo er die Kunstakademie (Accademia di Belle Arti) besuchte. Zunächst von der renommierten römischen Galerie La Tartaruga vertreten, wurde Scarpitta bald zu einem der Künstler Leo Castellis in seiner New Yorker Galerie.
Das Werk „Anche noi siamo America (Kore; Manifestazione per la Pace a NY) / Wir sind auch Amerika (Kore: ein Marsch für den Frieden in NYC)“, entstand 1951, während der Künstler in Italien lebte.
Die interessanten Aspekte dieses Werkes hängen nicht nur mit dem Malstil des Künstlers zusammen - er zeigt deutlich wie seine Pinsel die Verwendung von Bandagen vorweggenommen haben, die seine späteren Werke charakterisieren - sondern sind ausgehend vom Titel vor allem historisch und politisch.
Tatsächlich hatte kürzlich in New York City eine kulturelle und wissenschaftliche Konferenz für den Weltfrieden stattgefunden, die vom National Council of Arts, Sciences and Professions gesponsert wurde. Die Friedenskampagne begann in den USA nach der Friedenskonferenz von Stockholm im März 1950. Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden die weltweit verbreitete Friedensbewegung und ihre zuvor radikalen Doktrinen bald zu einem Teil des politischen Mainstream-Diskurses, der oft mit einer Tendenz zur Unterstützung der russischen Kommunisten verwechselt wurde und den Beginn des Kalten Krieges nachzeichnet.
Beim Betrachten dieses Werkes von Salvatore Scarpitta tauchen einige wichtige Themen auf:
- das Problem der Rassentrennung in den USA, das die Bevölkerung in vielerlei Hinsicht stark in Mitleidenschaft gezogen hat (Schulsegregation, Wohnungsbau, Transportmittel, Gesetze zur Bekämpfung von Mischehen, um nur einige zu nennen) - ein Problem, das, wie uns die heutigen Nachrichten täglich in Erinnerung rufen, teilweise immer noch ungelöst scheint.
- Die allgemeine Friedensforderung wird durch das Wort PEACE in roter Schrift dargestellt und durch das Wort Kore in schwarzer Schrift verdeckt, das im oberen mittleren Bereich der Leinwand erscheint.
Das Wort Kore (Korea) scheint das Konzept des Friedens zu verdecken. Die Figur eines Afroamerikaners, der einen Hut trägt und einen verletzten Mann hält, symbolisiert die Idee des Friedens, der durch die Anwesenheit des bewaffneten Polizisten auf der linken Seite des Bildes bedroht wird, während die Menschen marschieren.

Das leitet über zum Problem des Krieges gegen Korea zwischen 1950 und 1953, der bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs viele amerikanische Soldaten das Leben kostete.
Das Problem des Koreakriegs wurde in diesen Jahren von vielen internationalen Künstlern thematisiert. Angefangen bei Diego Riveras „Alptraum des Krieges /Traum des Friedens“, einem 1951/52 in Mexiko-Stadt entstandenen Wandbild, Picassos 1948 begonnenem und 1955 beendeten Fresko „La Guerre et la Paix“ in Vallarius, Frankreich, oder seinem im Musée Picasso aufbewahrten Gemälde mit dem Titel „Massaker in Korea“, aus dem Jahre 1951.

Die Bedeutung von Scarpittas Werk liegt auch in seinen beiden Nationalitäten begründet: Er fühlte sich mit Italien verbunden, das in den Zweiten Weltkrieg involviert war und wo er die Akademie der Schönen Künste besuchte, und mit den Vereinigten Staaten, wo er aufwuchs und von wo aus viele seines Alters zum Kampf ins Ausland geschickt wurden.
Dadurch, dass Scarpitta die Abbildung eines Friedensmarsch in den Vereinigten Staaten bei einer Ausstellung in Rom zeigte, machte er in Italien eine politische Situation bekannt, von der viele Italiener zu jener Zeit noch nichts wussten. Italien hatte noch immer mit den Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs und dem Verlust von zu vielen Menschenleben zu kämpfen, die Menschen wollten den Krieg vergessen, und die Vereinigten Staaten repräsentierten die Eroberer, diejenigen, die Italien vom Feind befreit hatten. Die Realität der amerikanischen Soldaten, die in einen anderen Krieg geschickt worden waren, war bis dato nicht bekannt.
Die in Rom veranstaltete Ausstellung, in die dieses Gemälde aufgenommen wurde, trug den Titel „gegen alle Kriege“ und wurde in der linksgerichteten Zeitung L'Unità illustriert, die ihr die gesamte Seite 3 (bekannt als Kulturteil der Zeitung) widmete. Die Untertitel der Zeitungsseite erwähnen die Androhung des Polizeieinsatzes gegen die Ausstellung, die als Bedrohung für das damalige politische Gleichgewicht angesehen wurde.
Dieses Gemälde ist auch auf der Einladungskarte zur Ausstellung abgebildet, da es das repräsentativste für das Konzept des Friedens ist.

Expertin: Flaminia Allvin Flaminia Allvin
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Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 25.11.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: online


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.