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Lot Nr. 270


Otto Muehl *


(Grodnau 1925–2013 Moncarapacho, Portugal)
„Stilleben mit Zitrone“, signiert, datiert muehl 3.12.86 und auf der Rückseite betitelt „STILLEBEN mit ZITRONE“, Acryl auf Leinwand, 120 x 100 cm, gerahmt

Vergleiche:
Otto Muehl. Ausgewählte Arbeiten. 1963–1986, Hubert Klocker, Vienna, copyright otto muehl friedrichshof - dort „sandsack, boxhandschuh
und zitrone“

Provenienz:
Privatsammlung, Deutschland

…dann fuhren wir endlich weiter nach ägypten. wir landeten in alexandrien und waren bei patsy’s eltern. mit dem zug fuhren wir nach kairo und dort, als wir aus dem bahnhof gingen, stand auf einem sockel eine skulptur, die ramses darstellte, aus schwarzem basalt gehauen. das war ein überwältigender eindruck, eine figur von makelloser schönheit der formen, proportionen und linien. ich war aufs äußerste bestürzt, mitten im trubel der niederträchtigen menschen, die nach bakschisch geiferten, verlottert im pyjama als tagesanzug herumschlichen. unter ramses schliefen sie einfach, und die fliegen, die auf ihren gesichtern herumkrochen, sie hatten es aufgegeben, sie zu verjagen.
ich hatte den eindruck, daß dieser ramses verächtlich auf dieses verkommene volk herabblickte. der pharao in seinem hochmut war geradezu ansteckend. Ich identifizierte mich mit ramses. er war mein gott, kraftvoll, gelassen, sparsam, keine expressive bewegung.
wir sahen die pyramiden, diese gewaltige minimale kunst. als wir die sphinx vor uns hatten, saßen da nicht einige künstler und zeichneten? …

ja, sagte ich, jetzt kann ich alles, was ich bisher verehrte und bewunderte, wegwerfen. mein ziel in der kunst ist es, diese konzentration, diese ruhe, diese ausstrahlung zu erreichen, aber wie?
zunächst ist es so, sagte patsy, der künstler darf kein negativer mensch sein, er sollte nicht glauben, er dürfte die kunst zur gesellschaftskritik mißbrauchen oder zur eigenen therapie. der künstler ist kein aufdeckungsjournalist.
darf der künstler denn gar keine ideologie haben?
oh ja! kunst ist propaganda für das schöne, gute, positive, elegante.
und wo bleibt cezanne?
cezanne, sagte patsy, ist ein guter maler. er malt am leben vorbei. mir ist sein weltbild einfach zu wenig menschenfreundlich. cezanne ist der gott der verklemmten.
und van gogh?
ist der gott der manisch expressiven. vor allem haben viele moderne künstler die meinung, das krankhafte wäre der ausdruck. das ist falsch. das hat aber schon goethe gewußt, als er heinrich kleist ablehnte.
und picasso? …
Otto Muehl: die Reise nach Ägypten, aus der angeführten Literatur

Expertin: Mag. Elke Königseder Mag. Elke Königseder
+43-1-515 60-358

elke.koenigseder@dorotheum.at

25.11.2020 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 45.300,-
Schätzwert:
EUR 35.000,- bis EUR 50.000,-

Otto Muehl *


(Grodnau 1925–2013 Moncarapacho, Portugal)
„Stilleben mit Zitrone“, signiert, datiert muehl 3.12.86 und auf der Rückseite betitelt „STILLEBEN mit ZITRONE“, Acryl auf Leinwand, 120 x 100 cm, gerahmt

Vergleiche:
Otto Muehl. Ausgewählte Arbeiten. 1963–1986, Hubert Klocker, Vienna, copyright otto muehl friedrichshof - dort „sandsack, boxhandschuh
und zitrone“

Provenienz:
Privatsammlung, Deutschland

…dann fuhren wir endlich weiter nach ägypten. wir landeten in alexandrien und waren bei patsy’s eltern. mit dem zug fuhren wir nach kairo und dort, als wir aus dem bahnhof gingen, stand auf einem sockel eine skulptur, die ramses darstellte, aus schwarzem basalt gehauen. das war ein überwältigender eindruck, eine figur von makelloser schönheit der formen, proportionen und linien. ich war aufs äußerste bestürzt, mitten im trubel der niederträchtigen menschen, die nach bakschisch geiferten, verlottert im pyjama als tagesanzug herumschlichen. unter ramses schliefen sie einfach, und die fliegen, die auf ihren gesichtern herumkrochen, sie hatten es aufgegeben, sie zu verjagen.
ich hatte den eindruck, daß dieser ramses verächtlich auf dieses verkommene volk herabblickte. der pharao in seinem hochmut war geradezu ansteckend. Ich identifizierte mich mit ramses. er war mein gott, kraftvoll, gelassen, sparsam, keine expressive bewegung.
wir sahen die pyramiden, diese gewaltige minimale kunst. als wir die sphinx vor uns hatten, saßen da nicht einige künstler und zeichneten? …

ja, sagte ich, jetzt kann ich alles, was ich bisher verehrte und bewunderte, wegwerfen. mein ziel in der kunst ist es, diese konzentration, diese ruhe, diese ausstrahlung zu erreichen, aber wie?
zunächst ist es so, sagte patsy, der künstler darf kein negativer mensch sein, er sollte nicht glauben, er dürfte die kunst zur gesellschaftskritik mißbrauchen oder zur eigenen therapie. der künstler ist kein aufdeckungsjournalist.
darf der künstler denn gar keine ideologie haben?
oh ja! kunst ist propaganda für das schöne, gute, positive, elegante.
und wo bleibt cezanne?
cezanne, sagte patsy, ist ein guter maler. er malt am leben vorbei. mir ist sein weltbild einfach zu wenig menschenfreundlich. cezanne ist der gott der verklemmten.
und van gogh?
ist der gott der manisch expressiven. vor allem haben viele moderne künstler die meinung, das krankhafte wäre der ausdruck. das ist falsch. das hat aber schon goethe gewußt, als er heinrich kleist ablehnte.
und picasso? …
Otto Muehl: die Reise nach Ägypten, aus der angeführten Literatur

Expertin: Mag. Elke Königseder Mag. Elke Königseder
+43-1-515 60-358

elke.koenigseder@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 25.11.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: online


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.