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Lot Nr. 1 -


Gustav Klimt [Denkmalschutz]


(Wien 1862–1918)
„Altar des Dionysos“, 1886, Entwurf für das Deckengemälde im südlichen Stiegenhaus (Giebelfeld) des Burgtheaters (Novotny -
Dobai Nr. 40, Weidinger Nr. 62, Natter Nr. 59), signiert Gustav Klimt, Öl auf Leinwand, 32 x 158 cm, gerahmt

Dieses Werk steht unter Denkmalschutz und das Objekt kann voraussichtlich nicht aus Österreich ausgeführt werden.

Erlös zu Gunsten Art for Future
Selected Works from the UniCredit Group


Für dieses Werk bestehen bereits zwei Leihverträge mit dem Van Gogh Museum Amsterdam, vom Okt. 2022 bis Jänner 2023 und mit dem Belvedere Wien, vom Feb. 2023 bis Juni 2023.

Bitte wenden Sie sich bei Fragen an Rafael Schwarz unter
rafael.schwarz@dorotheum.at oder +43 1 515 60-405.

Fritz Novotny/Johannes Dobai. Gustav Klimt, Verlag Galerie Welz, 1967,
S. 287, Nr. 35 (mit Abb.)
Alfred Weidinger, Gustav Klimt, Prestel Verlag, 2007, S. 245, Nr. 62
(mit Abb.)
Tobias G. Natter, Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, Taschen Verlag, Köln 2012, Nr. 59

Ausgestellt:
Neue Galerie Landesmuseum Joanneum, Gedächtnis-Ausstellung aus Anlass des 100. Geburtstage von Gustav Klimt, Graz 1962, Nr. 1
Klimt und die Ringstraße. Österreichische Galerie Belvedere, Wien 2015
Klimt und die Antike. Erotische Begegnungen, Österreichische Galerie Belvedere, Wien 2017

Provenienz:
Eduard Palmer (1843-1914), Wien
Auktion Dorotheum, Wien, Nachlassverkauf Sammlung Palmer,
1. Dezember 1915, Los 89
Auktion Albert Kende, Wien, 11. Dezember 1918, Los 252 (?)
Auktion Dorotheum, Wien, 10. Oktober 1929, Los 28
Auktion Dorotheum, Wien, 12. Mai 1933, Los 543 (?)
Dr. Franz Strafella (1891-1968), Graz, Schloß Oberandritz
Privatsammlung, Wien
Anfang der 1970er Jahre erworben

Dank an Dr. Tobias Natter für die zahlreichen Literaturhinweise.

Literatur:
N. N., Vermischte Nachrichten. Wien, in: Kunstchronik. Zeitschrift für Kunst und Kunstgewerbe, Leipzig, Band 22 (1886/87), Spalte 132
Alfred Nossig, Die künstlerische Ausschmückung des neuen Burgtheaters, in: Allgemeine Kunst-Chronik, Wien, Band 12 (1888), S. 1022-1028, insbesondere S. 1027
Carl Lützow, Das neue Burgtheater in Wien, in: Zeitschrift für Bildende Kunst, Leipzig, Band 24 (1889), S. 67
Emmerich Ranzoni, Das k. k. Hofburgtheater in Wien. Erbaut von Carl Freiherrn von Hasenauer, Wien 1890, S. 5 und Tafel 15 „Ein Theil des Stiegenhauses im Flügeltracte gegen den Volksgarten“
Josef Bayer, Das K. K. Hofburgtheater als Bauwerk mit seinen Sculpturen und Bilderschmuck, in: Das Theater Wiens, Bd. 3, hrsg. von der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, 1894, S. 89
N. N., „Versteigerung des Nachlasses von Eduard Palmer im Dorotheum in Wien, 1.–6. Dezember 1915“, in: Der Kunstmarkt. Beilage zur Kunstchronik, Leipzig, Band 13 (1915/16), Nr. 18 vom 28. Januar 1916, S. 1
Fritz Novotny und Johannes Dobai: Gustav Klimt, Salzburg 1967 (2. überarbeitete Auflage 1975), S. 287
Christian M. Nebehay, Gustav Klimt. Dokumentation,
Wien 1969, S. 84-98
Gerbert Frodl, Begegnung im Theater. Hans Makart und Gustav Klimt, in: Mitteilungen der Österreichischen Galerie, Wien, Band 22/23 (1978/79), Nr. 66/67: Klimt-Studien, S. 9-36,
insb. S. 28-29
Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1878-1903, Werkverzeichnis Band 1, Salzburg 1980, S. 55-57 und 64-65
Lisa Florman, „Gustav Klimt and the precedent of ancient Greece“, in: The Art Bulletin, New York, Band 72 (1990),
Nr. 2, S. 310-326, insbesondere S. 315-316
Michaela Seiser, Die Künstler-Compagnie: Das Frühwerk Gustav Klimts, in: Alfred Weidinger (Hrsg.), Gustav Klimt, München u. a. 2007, S. 11–39, insbes. S. 32–35
Michaela Seiser, Dionysosaltar, in: Alfred Weidinger (Hrsg.), Gustav Klimt, München u. a. 2007, S. 245
Christoph Brenner, Der Burgtheater Zyklus, in: Otmar Rychlik, Gustav Klimt, Franz Matsch und Ernst Klimt im Burgtheater. Mit einem Beitrag von Christoph Brenner, Wien 2007, S. 31-55, insbesondere S. 42
Otmar Rychlik, Gustav Klimt, Franz Matsch und Ernst Klimt im Burgtheater. Mit einem Beitrag von Christoph Brenner, Wien 2007, S. 95-104

Otmar Rychlik, Gustav Klimt. Das Ringstrassenwerk 1886-1896, Wien 2007, insb. S. 31–40
Rainald Franz und Angelina Pötschner, Der Salonmaler: Frühe Werke – frühe Karriere, in: Tobias G. Natter (Hrsg.), Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, Köln 2012, S. 10-39, insbesondere S. 16
Markus Fellinger, Klimt, die Künstler-Compagnie und das Theater, in: Agnes Husslein und Alexander Klee (Hrsg.), Klimt und die Ringstraße (Ausst.-Kat. Belvedere, Wien), Wien 2015, S. 35-48
Stephanie Auer, Gustav Klimt. Der Altar des Dionysos, in: Stella Rollig und Tobias G. Natter (Hrsg.), Klimt und die Antike. Erotische Begegnungen, München u. a. 2017, S. 108–109

Tobias G. Natter

Boomtown Wien in den 1880er Jahren: In der theaterverliebten Stadt gilt der Neubau des Wiener Burgtheaters als besonders prestigereich Der junge Gustav Klimt, obwohl kaum 24 Jahre alt, wird 1886 zur Ausstattung des Theatertempels herangezogen. Gemeinsam mit Franz Matsch und seinem Bruder Ernst Klimt soll er in den beiden prächtigen Stiegenhäusern einen mehrteiligen Bilderzyklus schaffen, Meilensteine in der Entwicklung des europäischen Theaters darstellend.

Über die einzelnen Projektphasen sind wir gut informiert. Am 20. Oktober des Jahres tagt das Hofbaukomitee. Laut „Akkordprotokoll“ wird Klimt auf der Grundlage gemalter Skizzen für das große Mittelfeld zum Thema „Das antike Theater in Taormina“ und mit weiteren kleineren Szenen beauftragt. Zudem wird Klimt aufgefordert, auch für die bislang nicht berücksichtigten Giebelfelder einen Entwurf einzureichen. Die Wahl des Themas bleibt ihm freigestellt. Diese ungewöhnliche Entscheidung mag darauf zurückzuführen sein, dass Position und Format – es geht um eine 12 Meter lange, aber schmale Bogenfläche – nicht leicht zu bewältigen sind.

Klimt aber findet für das Problem, mit dem im Dorotheum nun zur Versteigerung kommenden Entwurf, eine souveräne Lösung. Unter dem Scheitelpunkt des Bogens besetzt ein Altar das Zentrum der Darstellung, darauf die Büste des antiken Dionysos. Die kultisch-rauschhaften Veranstaltungen, Zeremonien und Musenspiele zu seinen Ehren gelten als Ursprung des Theaters. Neben dem Altar reckt sich links eine kniende, nackte Frau dem Abbild des Gottes zu. Es ist eine Mänade, eine der Begleiterinnen des Dionysos, mit dem Thyrsosstab als Attribut in ihrer Hand. Auf der rechten Seite liegt von flatterndem Weiß umhüllt hingestreckt eine zweite Dienerin des Dionysos, erschöpft nach der „Raserei“, dem Gott des Weines einen goldenen Lorbeerkranz entgegenhaltend.

Klimt entwickelt die Komposition in starker Untersicht. So suggeriert er erfolgreich einen Treppenaufgang, den der Betrachter hinaufzuschreiten scheint. Hinter der Terrasse, auf der sich die Altarszene abspielt, öffnet sich eine Tempelarchitektur, deren Konstruktion Klimt in der Untermalung mit feiner Bleistiftvorzeichnung skizziert. Im linken Bildzwickel gibt Klimt einen spitzohrigen Satyr aus dem Gefolge des Dionysos, der die Handtrommel schlägt, als muskulösen Männerakt wieder. Während die Komposition durch kenntnisreiche Motivik besticht, changiert die Maltechnik souverän zwischen feiner Bleistiftvorzeichnung, lasierendem Farbauftrag und lebhaften Wechseln zu dynamisch-pastosen Stellen. In Summe entsteht eine spannungsreiche Dynamik, überwölbt vom „tiefblauen griechischen Himmel“ (Nossig 1888).

Als die Kommission dem Entwurf zustimmt, geht Klimt an die Herstellung jener Übertragungskartons auf Papier, die vor etlichen Jahren auf dem Dachboden des Burgtheaters entdeckt wurden und jetzt im Pausenfoyer des Theaters zugänglich sind.

Mithilfe der Kartons entsteht das finale Bild in Öl-Mischtechnik auf Marmorputz. Motivisch ändert Klimt nur noch wenig. Das betrifft besonders die liegende Frau rechts. Sie ist in der Endfassung völlig nackt dargestellt, womit sie noch mehr in Richtung von Klimts „Femme-fatale“-Darstellungen geht. Auch der nackte Knabe, der in hellen Farben links im Hintergrund aufscheint, wird geändert. Aus ihm wird eine dunkel patinierte Bronzefigur im Stil der griechischen Archaik.

Bei der feierlichen Eröffnung des neuen Theaterhauses erhalten Klimts Stiegenhausbilder großen Beifall, Kaiser Franz Joseph I. zeichnet den Künstler mit dem Goldenen Verdienstkreuz aus, und schon wenig später folgt der Auftrag zur Ausstattung des Stiegenhauses im Kunsthistorischen Museum. Wie schon im Burgtheater entsteht auch dort dank Gustav Klimt einer der kostbarsten Innenräume des europäischen Historismus.

Der in Öl auf Leinwand ausgeführte Entwurf zum Dionysosaltar gelangt zu einem unbekannten Zeitpunkt in den Besitz des Sammlers Eduard Palmer. Klimts Zeitgenossen ist er als Bankier und Generaldirektor der Österreichischen Länderbank bekannt und mehr noch als Finanzberater der legendären Schauspielerin Katharina Schratt. Auch der Kaiser schätzt Palmer in dieser Funktion und empfängt ihn angeblich wiederholt in Ischl und in Schönbrunn in Privataudienz. Für Ausstellungen wird das Gemälde nur selten entliehen, zuletzt 2017 an das Untere Belvedere, als Teil der Ausstellung „Klimt und die Antike. Erotische Begegnungen“ mit dem „Altar des Dionysos“ als ein Glanzlicht der Schau.

1Roman Sandgruber, Traumzeit für Millionäre. Die 929 reichsten Wienerinnen und Wiener im Jahr 1910, Wien u. a. 2013.

Expertin: Mag. Elke Königseder Mag. Elke Königseder
+43-1-515 60-358

elke.koenigseder@dorotheum.at

24.11.2020 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 475.064,-
Schätzwert:
EUR 190.000,- bis EUR 300.000,-

Gustav Klimt [Denkmalschutz]


(Wien 1862–1918)
„Altar des Dionysos“, 1886, Entwurf für das Deckengemälde im südlichen Stiegenhaus (Giebelfeld) des Burgtheaters (Novotny -
Dobai Nr. 40, Weidinger Nr. 62, Natter Nr. 59), signiert Gustav Klimt, Öl auf Leinwand, 32 x 158 cm, gerahmt

Dieses Werk steht unter Denkmalschutz und das Objekt kann voraussichtlich nicht aus Österreich ausgeführt werden.

Erlös zu Gunsten Art for Future
Selected Works from the UniCredit Group


Für dieses Werk bestehen bereits zwei Leihverträge mit dem Van Gogh Museum Amsterdam, vom Okt. 2022 bis Jänner 2023 und mit dem Belvedere Wien, vom Feb. 2023 bis Juni 2023.

Bitte wenden Sie sich bei Fragen an Rafael Schwarz unter
rafael.schwarz@dorotheum.at oder +43 1 515 60-405.

Fritz Novotny/Johannes Dobai. Gustav Klimt, Verlag Galerie Welz, 1967,
S. 287, Nr. 35 (mit Abb.)
Alfred Weidinger, Gustav Klimt, Prestel Verlag, 2007, S. 245, Nr. 62
(mit Abb.)
Tobias G. Natter, Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, Taschen Verlag, Köln 2012, Nr. 59

Ausgestellt:
Neue Galerie Landesmuseum Joanneum, Gedächtnis-Ausstellung aus Anlass des 100. Geburtstage von Gustav Klimt, Graz 1962, Nr. 1
Klimt und die Ringstraße. Österreichische Galerie Belvedere, Wien 2015
Klimt und die Antike. Erotische Begegnungen, Österreichische Galerie Belvedere, Wien 2017

Provenienz:
Eduard Palmer (1843-1914), Wien
Auktion Dorotheum, Wien, Nachlassverkauf Sammlung Palmer,
1. Dezember 1915, Los 89
Auktion Albert Kende, Wien, 11. Dezember 1918, Los 252 (?)
Auktion Dorotheum, Wien, 10. Oktober 1929, Los 28
Auktion Dorotheum, Wien, 12. Mai 1933, Los 543 (?)
Dr. Franz Strafella (1891-1968), Graz, Schloß Oberandritz
Privatsammlung, Wien
Anfang der 1970er Jahre erworben

Dank an Dr. Tobias Natter für die zahlreichen Literaturhinweise.

Literatur:
N. N., Vermischte Nachrichten. Wien, in: Kunstchronik. Zeitschrift für Kunst und Kunstgewerbe, Leipzig, Band 22 (1886/87), Spalte 132
Alfred Nossig, Die künstlerische Ausschmückung des neuen Burgtheaters, in: Allgemeine Kunst-Chronik, Wien, Band 12 (1888), S. 1022-1028, insbesondere S. 1027
Carl Lützow, Das neue Burgtheater in Wien, in: Zeitschrift für Bildende Kunst, Leipzig, Band 24 (1889), S. 67
Emmerich Ranzoni, Das k. k. Hofburgtheater in Wien. Erbaut von Carl Freiherrn von Hasenauer, Wien 1890, S. 5 und Tafel 15 „Ein Theil des Stiegenhauses im Flügeltracte gegen den Volksgarten“
Josef Bayer, Das K. K. Hofburgtheater als Bauwerk mit seinen Sculpturen und Bilderschmuck, in: Das Theater Wiens, Bd. 3, hrsg. von der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, 1894, S. 89
N. N., „Versteigerung des Nachlasses von Eduard Palmer im Dorotheum in Wien, 1.–6. Dezember 1915“, in: Der Kunstmarkt. Beilage zur Kunstchronik, Leipzig, Band 13 (1915/16), Nr. 18 vom 28. Januar 1916, S. 1
Fritz Novotny und Johannes Dobai: Gustav Klimt, Salzburg 1967 (2. überarbeitete Auflage 1975), S. 287
Christian M. Nebehay, Gustav Klimt. Dokumentation,
Wien 1969, S. 84-98
Gerbert Frodl, Begegnung im Theater. Hans Makart und Gustav Klimt, in: Mitteilungen der Österreichischen Galerie, Wien, Band 22/23 (1978/79), Nr. 66/67: Klimt-Studien, S. 9-36,
insb. S. 28-29
Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1878-1903, Werkverzeichnis Band 1, Salzburg 1980, S. 55-57 und 64-65
Lisa Florman, „Gustav Klimt and the precedent of ancient Greece“, in: The Art Bulletin, New York, Band 72 (1990),
Nr. 2, S. 310-326, insbesondere S. 315-316
Michaela Seiser, Die Künstler-Compagnie: Das Frühwerk Gustav Klimts, in: Alfred Weidinger (Hrsg.), Gustav Klimt, München u. a. 2007, S. 11–39, insbes. S. 32–35
Michaela Seiser, Dionysosaltar, in: Alfred Weidinger (Hrsg.), Gustav Klimt, München u. a. 2007, S. 245
Christoph Brenner, Der Burgtheater Zyklus, in: Otmar Rychlik, Gustav Klimt, Franz Matsch und Ernst Klimt im Burgtheater. Mit einem Beitrag von Christoph Brenner, Wien 2007, S. 31-55, insbesondere S. 42
Otmar Rychlik, Gustav Klimt, Franz Matsch und Ernst Klimt im Burgtheater. Mit einem Beitrag von Christoph Brenner, Wien 2007, S. 95-104

Otmar Rychlik, Gustav Klimt. Das Ringstrassenwerk 1886-1896, Wien 2007, insb. S. 31–40
Rainald Franz und Angelina Pötschner, Der Salonmaler: Frühe Werke – frühe Karriere, in: Tobias G. Natter (Hrsg.), Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, Köln 2012, S. 10-39, insbesondere S. 16
Markus Fellinger, Klimt, die Künstler-Compagnie und das Theater, in: Agnes Husslein und Alexander Klee (Hrsg.), Klimt und die Ringstraße (Ausst.-Kat. Belvedere, Wien), Wien 2015, S. 35-48
Stephanie Auer, Gustav Klimt. Der Altar des Dionysos, in: Stella Rollig und Tobias G. Natter (Hrsg.), Klimt und die Antike. Erotische Begegnungen, München u. a. 2017, S. 108–109

Tobias G. Natter

Boomtown Wien in den 1880er Jahren: In der theaterverliebten Stadt gilt der Neubau des Wiener Burgtheaters als besonders prestigereich Der junge Gustav Klimt, obwohl kaum 24 Jahre alt, wird 1886 zur Ausstattung des Theatertempels herangezogen. Gemeinsam mit Franz Matsch und seinem Bruder Ernst Klimt soll er in den beiden prächtigen Stiegenhäusern einen mehrteiligen Bilderzyklus schaffen, Meilensteine in der Entwicklung des europäischen Theaters darstellend.

Über die einzelnen Projektphasen sind wir gut informiert. Am 20. Oktober des Jahres tagt das Hofbaukomitee. Laut „Akkordprotokoll“ wird Klimt auf der Grundlage gemalter Skizzen für das große Mittelfeld zum Thema „Das antike Theater in Taormina“ und mit weiteren kleineren Szenen beauftragt. Zudem wird Klimt aufgefordert, auch für die bislang nicht berücksichtigten Giebelfelder einen Entwurf einzureichen. Die Wahl des Themas bleibt ihm freigestellt. Diese ungewöhnliche Entscheidung mag darauf zurückzuführen sein, dass Position und Format – es geht um eine 12 Meter lange, aber schmale Bogenfläche – nicht leicht zu bewältigen sind.

Klimt aber findet für das Problem, mit dem im Dorotheum nun zur Versteigerung kommenden Entwurf, eine souveräne Lösung. Unter dem Scheitelpunkt des Bogens besetzt ein Altar das Zentrum der Darstellung, darauf die Büste des antiken Dionysos. Die kultisch-rauschhaften Veranstaltungen, Zeremonien und Musenspiele zu seinen Ehren gelten als Ursprung des Theaters. Neben dem Altar reckt sich links eine kniende, nackte Frau dem Abbild des Gottes zu. Es ist eine Mänade, eine der Begleiterinnen des Dionysos, mit dem Thyrsosstab als Attribut in ihrer Hand. Auf der rechten Seite liegt von flatterndem Weiß umhüllt hingestreckt eine zweite Dienerin des Dionysos, erschöpft nach der „Raserei“, dem Gott des Weines einen goldenen Lorbeerkranz entgegenhaltend.

Klimt entwickelt die Komposition in starker Untersicht. So suggeriert er erfolgreich einen Treppenaufgang, den der Betrachter hinaufzuschreiten scheint. Hinter der Terrasse, auf der sich die Altarszene abspielt, öffnet sich eine Tempelarchitektur, deren Konstruktion Klimt in der Untermalung mit feiner Bleistiftvorzeichnung skizziert. Im linken Bildzwickel gibt Klimt einen spitzohrigen Satyr aus dem Gefolge des Dionysos, der die Handtrommel schlägt, als muskulösen Männerakt wieder. Während die Komposition durch kenntnisreiche Motivik besticht, changiert die Maltechnik souverän zwischen feiner Bleistiftvorzeichnung, lasierendem Farbauftrag und lebhaften Wechseln zu dynamisch-pastosen Stellen. In Summe entsteht eine spannungsreiche Dynamik, überwölbt vom „tiefblauen griechischen Himmel“ (Nossig 1888).

Als die Kommission dem Entwurf zustimmt, geht Klimt an die Herstellung jener Übertragungskartons auf Papier, die vor etlichen Jahren auf dem Dachboden des Burgtheaters entdeckt wurden und jetzt im Pausenfoyer des Theaters zugänglich sind.

Mithilfe der Kartons entsteht das finale Bild in Öl-Mischtechnik auf Marmorputz. Motivisch ändert Klimt nur noch wenig. Das betrifft besonders die liegende Frau rechts. Sie ist in der Endfassung völlig nackt dargestellt, womit sie noch mehr in Richtung von Klimts „Femme-fatale“-Darstellungen geht. Auch der nackte Knabe, der in hellen Farben links im Hintergrund aufscheint, wird geändert. Aus ihm wird eine dunkel patinierte Bronzefigur im Stil der griechischen Archaik.

Bei der feierlichen Eröffnung des neuen Theaterhauses erhalten Klimts Stiegenhausbilder großen Beifall, Kaiser Franz Joseph I. zeichnet den Künstler mit dem Goldenen Verdienstkreuz aus, und schon wenig später folgt der Auftrag zur Ausstattung des Stiegenhauses im Kunsthistorischen Museum. Wie schon im Burgtheater entsteht auch dort dank Gustav Klimt einer der kostbarsten Innenräume des europäischen Historismus.

Der in Öl auf Leinwand ausgeführte Entwurf zum Dionysosaltar gelangt zu einem unbekannten Zeitpunkt in den Besitz des Sammlers Eduard Palmer. Klimts Zeitgenossen ist er als Bankier und Generaldirektor der Österreichischen Länderbank bekannt und mehr noch als Finanzberater der legendären Schauspielerin Katharina Schratt. Auch der Kaiser schätzt Palmer in dieser Funktion und empfängt ihn angeblich wiederholt in Ischl und in Schönbrunn in Privataudienz. Für Ausstellungen wird das Gemälde nur selten entliehen, zuletzt 2017 an das Untere Belvedere, als Teil der Ausstellung „Klimt und die Antike. Erotische Begegnungen“ mit dem „Altar des Dionysos“ als ein Glanzlicht der Schau.

1Roman Sandgruber, Traumzeit für Millionäre. Die 929 reichsten Wienerinnen und Wiener im Jahr 1910, Wien u. a. 2013.

Expertin: Mag. Elke Königseder Mag. Elke Königseder
+43-1-515 60-358

elke.koenigseder@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Klassische Moderne
Datum: 24.11.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: online


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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