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Lot Nr. 12 -


Chaim Soutine


(Smilawitschy, 1893-1943 Paris)
La Femme en rouge au fond bleu, ca. 1928, signiert Soutine, Öl auf Leinwand, 75.5 x 54.9 cm, gerahmt

Provenienz:
Jos. Hessel, Paris
Jacques Laroche, Paris
Georges Keller, New York & Davos (bis 1943 erworben)
Carroll Carstairs Gallery, New York (bis 1949 erworben)
Mr. & Mrs. Walter Ross, New York (dort bis 1957 erworben und verkauft: Parke-Bernet Galleries, New York, 21. Oktober 1964, Los 38)
McRoberts & Tunnard Gallery, London (in der oben genannten Auktion erworben)
Perls Galleries, New York rückseitig Aufkleber,
bis 1967 erworben, dann bis 1972)
Alex Maguy, Paris (rückseite Klebezettel, bis 1972 erworben, dann bis 1973)
Privatsammlung, Japan (und verkauft: Sotheby’s New York, 5. November, 1981, Los 233)
Perls Galleries, New York (in der oben genannten Auktion erworben, dann bis 1985)
Dort im Jahr 1985 erworben

Ausgestellt:
New York, Bignou Gallery, A Selection of Paintings of the Twentieth Century, 1943, Nr. 16 (mit dem Titel „The Red Dress“)
New York, Galerie Bignou, Ausstellung von Soutine-Gemälden, 1943,
Nr. 15 (mit dem Titel „The Red Dress“)
Montreal, Montreal Museum of Fine Arts, Manet to Matisse. An Exhibition of 19th and 20th Century French Paintings, 1949, Nr. 39 (mit dem Titel „Femme en rouge“, datiert 1932)
New York, Perls Galleries, 24 Major Acquisitions, 1968, Nr. 21, mit Farbabb. auf dem Cover (mit dem Titel „Jeune femme au fond bleu“, datiert 1928)
New York, Perls Galleries, Chaim Soutine (1893–1943), 1969, Nr. 18,
mit Farbabb. im Katalog (datiert 1928)
Paris, Alex Maguy, Présence de la peinture, 1972
Tel Aviv, Tel Aviv Museum of Art, 1996, mit Farbabb. im Katalog

Literature:
Connoisseur, Bd. 172, London, Nr. 693, November 1969, Abb. S. ccxvii
Pierre Courthion, Soutine. Peintre du déchirant, Lausanne, 1972, mit Abb.
S. 258 (mit dem Titel „La Femme du Cordonnier II“ und datiert 1926–27)
A. Soutine, L’Amateur d’Art (Ausst.-Kat.), 1973, mit Abb. S. 14
The Evelyn Sharp Collection (Ausst.-Kat.), Solomon R. Guggenheim Museum, New York, 1978, Beschreibung S. 90
Maurice Tuchman, Esti Dunow & Klaus Perls, Chaim Soutine:
Catalogue Raisonné, Bd. II, Köln, 1993, Nr. 123 mit Farbab. S. 692
IFAR Journal, Band 10, Nr. 3/4, 2008/09, verzeichnet auf S. 57 mit Abb.

Die Malerei Chaim Soutines zeichnet sich durch ihre intensive Emotionalität und Direktheit aus. Aufgrund seiner kraftvollen Gestik, des intensiven Ausdrucks seiner schwungvoll belebten Oberflächen, der Leidenschaft für die Struktur und Farbe des Fleisches sowie der Auflösung des Volumens ins Flächige wird er in der Literatur häufig als in Paris lebender Vertreter des Expressionismus beschrieben. Soutine, der als zehntes von elf Kindern eines jüdischen Flickschneiders 1893 in der Nähe von Minsk geboren wurde, lebte auch in seinen ersten Jahren in Paris in unerträglicher Armut und arbeitete in einem baufälligen Atelier am Montparnasse. Neben Modigliani, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband, hatten Van Gogh, Cézanne, El Greco sowie später Rembrandt und Courbet wichtigen formalen Einfluss auf ihn. Seinen innovativen individuellen Stil entwickelte er, indem er auf der Bedeutung der konkret wahrgenommenen Gegenstände und auf dem Malen nach der Natur als Grundlage für seine freien Auseinandersetzungen mit Form, Farbe und Textur beharrte.

Das Porträt gewann als Motiv ab Mitte der 1920er-Jahre im Werk Soutines zunehmend an Bedeutung. Zu dieser Zeit genoss er nicht zuletzt dank der Entdeckung und des Ankaufs zahlreicher Werke durch den amerikanischen Sammler Barnes zunehmend finanzielle Sicherheit. Die Gemälde aus dieser Zeit kennzeichnen – wie das spätere Werk allgemein – eine starke Betonung des Sujets, ein überlegter Pinselstrich und zurückhaltende, harmonische Formen, die von einem strukturellen Gleichgewicht getragen sind. Die Personen sind gewöhnlich als Halb- oder Dreiviertelporträts aus nächster Nähe und zentral in die Bildmitte eingebettete Einzelfiguren dargestellt. Der Künstler beschränkte sich auf wenige Variablen und reduzierte Kompositionsschemen, die er wie eine Art Folie nutzte, um ihr mit seinem seriellen Ansatz zahlreiche Variationen und Nuancen abzugewinnen. Obwohl er es vorzog, Modelle zu porträtieren, die er nicht kannte, setzte er sich intensiv mit ihrer Persönlichkeit auseinander und konzentrierte sich ganz auf die Individualität der Personen mit ihren tiefer liegenden Eigenschaften.

Das Bildnis „La femme en rouge au fond bleu“ ist für diesen einzigartigen Ansatz Soutines in der Porträtmalerei charakteristisch. Das Gemälde besticht durch seine großflächige Komposition mit einer klaren Umrisszeichnung und pastoser Farbgebung in leuchtenden Rot- und Blautönen. Die in sich geschlossene Form des weiblichen Körpers und der Schwung der runden Oberarme lenken die Aufmerksamkeit auf die in den Schoß gelegten Hände und den Gesichtsausdruck der Frau. Mit dem leicht gesenkten Blick und den aufmerksamen Augen strahlt sie eine ruhige Stimmung mit einem träumerischen Anklang aus. Ihre besonnene, nicht aus der Ruhe zu bringende Persönlichkeit steht allerdings in einem deutlichen Spannungsverhältnis zu dem lebendig aufgewühlten Rhythmus der Pinselführung im Hintergrund, was dem Gemälde seine besondere Dynamik verleiht.

„Ich denke, ich würde mich für Chaim Soutine entscheiden... Ich war schon immer verrückt nach Soutine - nach all seinen Gemälden. Vielleicht liegt es an der Üppigkeit der Farbe. Er baut eine Oberfläche auf, die wie ein Werkstoff, wie eine Substanz aussieht. Es gibt eine Art Verklärung, eine gewisse Fleischlichkeit in seinem Werk... Ich erinnere mich, als ich zum ersten Mal Soutines Werke in der Barnes-Sammlung sah... die Gemälde von Matisse hatten ihr eigenes Licht, aber die Soutines hatten ein Leuchten, das aus dem Inneren der Gemälde kam - es war eine andere Art von Licht“.

Willem de Kooning

Expertin: Mag. Patricia Pálffy Mag. Patricia Pálffy
+43-1-515 60-386

patricia.palffy@dorotheum.at

24.11.2020 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 1.811.555,-
Schätzwert:
EUR 1.500.000,- bis EUR 2.500.000,-

Chaim Soutine


(Smilawitschy, 1893-1943 Paris)
La Femme en rouge au fond bleu, ca. 1928, signiert Soutine, Öl auf Leinwand, 75.5 x 54.9 cm, gerahmt

Provenienz:
Jos. Hessel, Paris
Jacques Laroche, Paris
Georges Keller, New York & Davos (bis 1943 erworben)
Carroll Carstairs Gallery, New York (bis 1949 erworben)
Mr. & Mrs. Walter Ross, New York (dort bis 1957 erworben und verkauft: Parke-Bernet Galleries, New York, 21. Oktober 1964, Los 38)
McRoberts & Tunnard Gallery, London (in der oben genannten Auktion erworben)
Perls Galleries, New York rückseitig Aufkleber,
bis 1967 erworben, dann bis 1972)
Alex Maguy, Paris (rückseite Klebezettel, bis 1972 erworben, dann bis 1973)
Privatsammlung, Japan (und verkauft: Sotheby’s New York, 5. November, 1981, Los 233)
Perls Galleries, New York (in der oben genannten Auktion erworben, dann bis 1985)
Dort im Jahr 1985 erworben

Ausgestellt:
New York, Bignou Gallery, A Selection of Paintings of the Twentieth Century, 1943, Nr. 16 (mit dem Titel „The Red Dress“)
New York, Galerie Bignou, Ausstellung von Soutine-Gemälden, 1943,
Nr. 15 (mit dem Titel „The Red Dress“)
Montreal, Montreal Museum of Fine Arts, Manet to Matisse. An Exhibition of 19th and 20th Century French Paintings, 1949, Nr. 39 (mit dem Titel „Femme en rouge“, datiert 1932)
New York, Perls Galleries, 24 Major Acquisitions, 1968, Nr. 21, mit Farbabb. auf dem Cover (mit dem Titel „Jeune femme au fond bleu“, datiert 1928)
New York, Perls Galleries, Chaim Soutine (1893–1943), 1969, Nr. 18,
mit Farbabb. im Katalog (datiert 1928)
Paris, Alex Maguy, Présence de la peinture, 1972
Tel Aviv, Tel Aviv Museum of Art, 1996, mit Farbabb. im Katalog

Literature:
Connoisseur, Bd. 172, London, Nr. 693, November 1969, Abb. S. ccxvii
Pierre Courthion, Soutine. Peintre du déchirant, Lausanne, 1972, mit Abb.
S. 258 (mit dem Titel „La Femme du Cordonnier II“ und datiert 1926–27)
A. Soutine, L’Amateur d’Art (Ausst.-Kat.), 1973, mit Abb. S. 14
The Evelyn Sharp Collection (Ausst.-Kat.), Solomon R. Guggenheim Museum, New York, 1978, Beschreibung S. 90
Maurice Tuchman, Esti Dunow & Klaus Perls, Chaim Soutine:
Catalogue Raisonné, Bd. II, Köln, 1993, Nr. 123 mit Farbab. S. 692
IFAR Journal, Band 10, Nr. 3/4, 2008/09, verzeichnet auf S. 57 mit Abb.

Die Malerei Chaim Soutines zeichnet sich durch ihre intensive Emotionalität und Direktheit aus. Aufgrund seiner kraftvollen Gestik, des intensiven Ausdrucks seiner schwungvoll belebten Oberflächen, der Leidenschaft für die Struktur und Farbe des Fleisches sowie der Auflösung des Volumens ins Flächige wird er in der Literatur häufig als in Paris lebender Vertreter des Expressionismus beschrieben. Soutine, der als zehntes von elf Kindern eines jüdischen Flickschneiders 1893 in der Nähe von Minsk geboren wurde, lebte auch in seinen ersten Jahren in Paris in unerträglicher Armut und arbeitete in einem baufälligen Atelier am Montparnasse. Neben Modigliani, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband, hatten Van Gogh, Cézanne, El Greco sowie später Rembrandt und Courbet wichtigen formalen Einfluss auf ihn. Seinen innovativen individuellen Stil entwickelte er, indem er auf der Bedeutung der konkret wahrgenommenen Gegenstände und auf dem Malen nach der Natur als Grundlage für seine freien Auseinandersetzungen mit Form, Farbe und Textur beharrte.

Das Porträt gewann als Motiv ab Mitte der 1920er-Jahre im Werk Soutines zunehmend an Bedeutung. Zu dieser Zeit genoss er nicht zuletzt dank der Entdeckung und des Ankaufs zahlreicher Werke durch den amerikanischen Sammler Barnes zunehmend finanzielle Sicherheit. Die Gemälde aus dieser Zeit kennzeichnen – wie das spätere Werk allgemein – eine starke Betonung des Sujets, ein überlegter Pinselstrich und zurückhaltende, harmonische Formen, die von einem strukturellen Gleichgewicht getragen sind. Die Personen sind gewöhnlich als Halb- oder Dreiviertelporträts aus nächster Nähe und zentral in die Bildmitte eingebettete Einzelfiguren dargestellt. Der Künstler beschränkte sich auf wenige Variablen und reduzierte Kompositionsschemen, die er wie eine Art Folie nutzte, um ihr mit seinem seriellen Ansatz zahlreiche Variationen und Nuancen abzugewinnen. Obwohl er es vorzog, Modelle zu porträtieren, die er nicht kannte, setzte er sich intensiv mit ihrer Persönlichkeit auseinander und konzentrierte sich ganz auf die Individualität der Personen mit ihren tiefer liegenden Eigenschaften.

Das Bildnis „La femme en rouge au fond bleu“ ist für diesen einzigartigen Ansatz Soutines in der Porträtmalerei charakteristisch. Das Gemälde besticht durch seine großflächige Komposition mit einer klaren Umrisszeichnung und pastoser Farbgebung in leuchtenden Rot- und Blautönen. Die in sich geschlossene Form des weiblichen Körpers und der Schwung der runden Oberarme lenken die Aufmerksamkeit auf die in den Schoß gelegten Hände und den Gesichtsausdruck der Frau. Mit dem leicht gesenkten Blick und den aufmerksamen Augen strahlt sie eine ruhige Stimmung mit einem träumerischen Anklang aus. Ihre besonnene, nicht aus der Ruhe zu bringende Persönlichkeit steht allerdings in einem deutlichen Spannungsverhältnis zu dem lebendig aufgewühlten Rhythmus der Pinselführung im Hintergrund, was dem Gemälde seine besondere Dynamik verleiht.

„Ich denke, ich würde mich für Chaim Soutine entscheiden... Ich war schon immer verrückt nach Soutine - nach all seinen Gemälden. Vielleicht liegt es an der Üppigkeit der Farbe. Er baut eine Oberfläche auf, die wie ein Werkstoff, wie eine Substanz aussieht. Es gibt eine Art Verklärung, eine gewisse Fleischlichkeit in seinem Werk... Ich erinnere mich, als ich zum ersten Mal Soutines Werke in der Barnes-Sammlung sah... die Gemälde von Matisse hatten ihr eigenes Licht, aber die Soutines hatten ein Leuchten, das aus dem Inneren der Gemälde kam - es war eine andere Art von Licht“.

Willem de Kooning

Expertin: Mag. Patricia Pálffy Mag. Patricia Pálffy
+43-1-515 60-386

patricia.palffy@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Klassische Moderne
Datum: 24.11.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: online


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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