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Lot Nr. 235


Karl Wilhelm Diefenbach


(Hadamar 1851-1913 Capri)
Maja in Begleitung (auf der Kampenwand), 1889, Öl auf Leinwand, 88 x 67 cm, gerahmt, (Rei)

Provenienz:
Direkt beim Künstler erworben, im Erbgang an den aktuellen Eigentümer;
Privatsammlung Deutschland.

Wir danken Dr. Claudia Wagner für die Bestätigung der Echtheit anhand eines hochauflösenden Fotos.

Karl Wilhelm Diefenbach war wohl einer der exzentrischsten Künstler des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Der 1851 in der Kleinstadt Hademar geborene Maler studierte ab 1872 an der Münchner Akademie der Bildenden Künste und sorgte ab spätestens den 1880er Jahren im Münchner Raum für großes Aufsehen. Eine Typhuserkrankung veranlasst ihn auf den Konsum von Alkohol und Tabak zu verzichten und in weiterer Folge auch auf den Verzehr von Fleisch. Dies machte ihn zu jener Zeit zu einem Sonderling und brachte den wenig schmeichelhaften Namen "Kohlrabi-Apostel" mit sich. Früh schon propagierte der barfüßige Vegetarier in Kutte gekleidet freie Liebesbeziehungen und die Nacktheit.
Im bayerischen Steinbruch Höllriegelskreuth gründete er 1885 seine erste Kommune. Dort kam es zu Auseinandersetzungen mit den Behörden und aufgrund der nackten Sonnenbäder der Kommunen-Mitgliedern zum ersten Nudistenprozess Deutschlands.
Seine prekäre finanzielle Situation veranlasste Diefenbach die Einladung des Österreichischen Kunstvereins anzunehmen und nach Wien zu gehen. Die Ausstellung endete für ihn in einem Fiasko, da der Kunstverein Gelder veruntreute. Der Konflikt trieb ihn an den Rand seiner Existenz und Diefenbach musste sich mittel- und obdachlos melden. Dennoch blieb er in Wien und gründete in Ober-St.-Veit 1897 die Landkommune "Himmelhof". Das provokante Leben und die autoritäre Art und Weise mit der Diefenbach über die Mitglieder seiner Gemeinschaft regierte führt zu Spannungen und es folgte 1899 der Konkurs der Kommune. Letztlich landete der Künstler nach einem kurzen Aufenthalt in Triest auf der Insel Capri. Dort blieb er bis an sein Lebensende, ohne den ersehnten künstlerischen Durchbruch zu schaffen.

Das vorliegende Los ist wohl im Sommer 1889 im Zuge des Aufenthalts von Karl Wilhelm Diefenbach in Traunstein bzw. Aschau entstanden, von wo er Ausflüge an die Kampenwand unternahm. Begleitend wurde er bei diesen Ausflügen von seiner langjährigen Bekannten und damaligen Geliebten Maximiliane Schlotthauer, genannt Maja sowie von seinem Freunde Georg Sinner, Gutsbesitzer auf Schloss Rheinburg in Baden. So sind es wohl auch die beiden, die er auf dem vorliegenden Los porträtierte. Auch hatte er dieses Bild in seinem Atelier ausgestellt, wie eine Fotografie bezeugt. (JP)

Expertin: Mag. Dimitra Reimüller Mag. Dimitra Reimüller
+43-1-515 60-355

19c.paintings@dorotheum.at

06.05.2021 - 15:38

Schätzwert:
EUR 2.600,- bis EUR 3.000,-
Startpreis:
EUR 2.600,-

Karl Wilhelm Diefenbach


(Hadamar 1851-1913 Capri)
Maja in Begleitung (auf der Kampenwand), 1889, Öl auf Leinwand, 88 x 67 cm, gerahmt, (Rei)

Provenienz:
Direkt beim Künstler erworben, im Erbgang an den aktuellen Eigentümer;
Privatsammlung Deutschland.

Wir danken Dr. Claudia Wagner für die Bestätigung der Echtheit anhand eines hochauflösenden Fotos.

Karl Wilhelm Diefenbach war wohl einer der exzentrischsten Künstler des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Der 1851 in der Kleinstadt Hademar geborene Maler studierte ab 1872 an der Münchner Akademie der Bildenden Künste und sorgte ab spätestens den 1880er Jahren im Münchner Raum für großes Aufsehen. Eine Typhuserkrankung veranlasst ihn auf den Konsum von Alkohol und Tabak zu verzichten und in weiterer Folge auch auf den Verzehr von Fleisch. Dies machte ihn zu jener Zeit zu einem Sonderling und brachte den wenig schmeichelhaften Namen "Kohlrabi-Apostel" mit sich. Früh schon propagierte der barfüßige Vegetarier in Kutte gekleidet freie Liebesbeziehungen und die Nacktheit.
Im bayerischen Steinbruch Höllriegelskreuth gründete er 1885 seine erste Kommune. Dort kam es zu Auseinandersetzungen mit den Behörden und aufgrund der nackten Sonnenbäder der Kommunen-Mitgliedern zum ersten Nudistenprozess Deutschlands.
Seine prekäre finanzielle Situation veranlasste Diefenbach die Einladung des Österreichischen Kunstvereins anzunehmen und nach Wien zu gehen. Die Ausstellung endete für ihn in einem Fiasko, da der Kunstverein Gelder veruntreute. Der Konflikt trieb ihn an den Rand seiner Existenz und Diefenbach musste sich mittel- und obdachlos melden. Dennoch blieb er in Wien und gründete in Ober-St.-Veit 1897 die Landkommune "Himmelhof". Das provokante Leben und die autoritäre Art und Weise mit der Diefenbach über die Mitglieder seiner Gemeinschaft regierte führt zu Spannungen und es folgte 1899 der Konkurs der Kommune. Letztlich landete der Künstler nach einem kurzen Aufenthalt in Triest auf der Insel Capri. Dort blieb er bis an sein Lebensende, ohne den ersehnten künstlerischen Durchbruch zu schaffen.

Das vorliegende Los ist wohl im Sommer 1889 im Zuge des Aufenthalts von Karl Wilhelm Diefenbach in Traunstein bzw. Aschau entstanden, von wo er Ausflüge an die Kampenwand unternahm. Begleitend wurde er bei diesen Ausflügen von seiner langjährigen Bekannten und damaligen Geliebten Maximiliane Schlotthauer, genannt Maja sowie von seinem Freunde Georg Sinner, Gutsbesitzer auf Schloss Rheinburg in Baden. So sind es wohl auch die beiden, die er auf dem vorliegenden Los porträtierte. Auch hatte er dieses Bild in seinem Atelier ausgestellt, wie eine Fotografie bezeugt. (JP)

Expertin: Mag. Dimitra Reimüller Mag. Dimitra Reimüller
+43-1-515 60-355

19c.paintings@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Ölgemälde und Aquarelle des 19. Jahrhunderts
Datum: 06.05.2021 - 15:38
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 03.05. - 06.05.2021