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Lot Nr. 527


Markus Pernhart


(Untermieger 1824–1871 St. Ruprecht bei Klagenfurt)
Großes Panorama der Koralpe, Öl auf Leinwand, je 92 x 190 cm, gerahmt (4)

Provenienz:
Vom Urgroßvater der aktuellen Eigentümer vermutlich direkt beim Künstler erworben,
seit vier Generationen Privatsammlung Österreich.

Wir danken dem Steiermärkischen Landesarchiv und der Historischen Landeskommision für die Steiermark für die wissenschaftliche Unterstützung.

Der Kärntner Landschaftsmaler Markus Pernhart war ein „Pionier“ in mehrfachem Sinne, für den die Malerei und das Erkunden der alpinen Bergwelt Hand in Hand gingen. Auf seinen ambitionierten Bergtouren testete er nicht nur seine physischen Grenzen aus, sondern sprengte auch die üblichen Formate der Landschaftsmalerei, in dem er neue, spektakuläre Blickwinkel auf die Berge Kärntens und der Nachbarregionen fand, die seine Zeitgenossen in Erstaunen versetzten. Um die überwältigende Wirkung der weiten Ausblicke von den Gipfeln malerisch umzusetzen, entwickelte er ab den späten 1850er Jahren sogenannte Rundumblicke, vierteilige, großformatige Bildserien, die dem Betrachter das Gefühl vermitteln, selbst am Gipfelkreuz zu stehen.
Den richtungsweisenden Beginn markiert das erste und bekannteste Projekt dieser Art, sein monumentales Großglockner-Panorama, das er zwischen 1857 und 1859 umsetzte und 1860 in Klagenfurt ausstellte. Pernhart ging auch hier über die Grenzen des bisher Üblichen hinaus, in dem er mit der Aufstellungsart experimentierte und eine Art „Circus aus Brettern mit Kuppellicht“ entwarf, in dem die Betrachter sich auf einer Kanzel in der Mitte der Illusion hingegen konnten, selbst am Gipfel des Großglockners zu stehen. Im selben Jahr wurde es auch in Wien gezeigt und dann 1862 in Graz – allerdings in vereinfachter Aufstellung – und machte Pernhart als Panoramen-Maler auch über Kärnten hinaus bekannt.
In der Folge realisierte er etwa 20 bis 25 weitere Panoramen verschiedener Berggipfel, unter denen das Koralpen-Panorama von 1867 zu den Bedeutensten zählt. Dafür spricht nicht nur das große Format, sondern vor allem zeitgenössische Pressemeldungen, die uns heute erlauben, die Entstehung genauer nachzuvollziehen. So berichtet die in Graz erscheinende Tagespost am 26. September 1866 „Der kärntnische Maler Markus Pernhart, dessen Rundschauen eine kunstgeschichtliche Spezialität geworden sind, hat nunmehr auch das Panorama der Koralpe aufgenommen“ und informiert die Leser etwa ein Jahr später, am 18. August 1867, „Der kärntnische Maler Markus Pernhart, den Bewohnern von Graz schon von früher her durch seine Landschaftsstudien bekannt, hat nunmehr auch eine Runschau von der Koralpe vollendet. Das Bild, ein würdiges Seitenstück zu dessen Rundschau vom Hochschwab, entrollt und auf einem fünf Klafter langen Tableau den ganzen Reichthum des von jenem Berge aus beherrschten Horizonts. Pernhart hat die Absicht, das Bild in Graz zur Ausstellung zu bringen.“. Über diese Ausstellung berichtet tatsächlich noch im selben Jahr die Zeitschrift Carinthia: „Außer der jährlich wiederkehrenden Ausstellung des Kunstvereins hatten wir zwei Privatgemäldeausstellungen, indem nämlich unser strebsamer und allberühmter Maler Pernhart wieder mehrere vortrefflich ausgeführte Gebirgspanoramen (Von der Koralpe (…))im Wappensale des Landhauses ausstellte.“
Noch heute beeindruckt die Rundsicht durch ihre geographische Genauigkeit und dokumentiert den Zustand eines ganzen Landstriches vor dem Bauboom des 20. Jahrhunderts. Von links nach rechts lassen sich erkennen: der Petzen und die Steiner Alpen, daran anschließend im Hintergrund die Karawanken, die das Lavantal mit dem Kloster St. Paul hinterfangen, rechts davon der Zirbitzkogel und der Ameringkogel, wieder weiter rechts die Handalm, der Frauenkogel und schließlich die Spitze der Koralpe selbst, der Große Speikkogel. Den Abschluss bilden ganz rechts der Moschkogel und der Sprungkogel.
Pernhart bediente sich hier professioneller geodätischer Instrumente, welche sonst nur Landvermesser verwendeten. So entstanden seine „Rundsichten“ mit Hilfe einer Diopterbussole „von 30 zu 30 Grad fortschreitend“ bzw. laut einer anderen Quelle sogar mit einem magnetischen Theodoliten.
Dieses Detail verrät uns, mit welchem Forschergeist Pernhart an seine Panoramenprojekte heranging und wie wichtig ihm geographische Exaktheit war. Hier geht er weit über die üblichen Gepflogenheiten der Landschaftsmalerei seiner Zeit hinaus und positioniert sich am Schnittpunkt zwischen Entdeckertum, Malerei und Wissenschaft.
Markus Pernhart verstarb bereits 1871 im Alter von 47 Jahren, vermutlich an den Folgen innerer Verletzungen, die er sich bei einem Bergunfall zugezogen hatte. In einem Nachruf heißt es: „Als Panoramen-Maler war Pernhart (…) eine Spezialität, - vielleicht ohne einen gleichbefähigten Nebenbuhler.“ Das Koralpen Panorama wird in den Nachrufen stets als eines seiner Hauptwerke erwähnt. Es befindet sich seit vier Generationen in österreichischem Privatbesitz und taucht seit seiner Entstehungszeit nun erstmals wieder am Kunstmarkt auf – eine spektakuläre Wiederentdeckung! (KN)

07.06.2021 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 283.900,-
Schätzwert:
EUR 80.000,- bis EUR 120.000,-

Markus Pernhart


(Untermieger 1824–1871 St. Ruprecht bei Klagenfurt)
Großes Panorama der Koralpe, Öl auf Leinwand, je 92 x 190 cm, gerahmt (4)

Provenienz:
Vom Urgroßvater der aktuellen Eigentümer vermutlich direkt beim Künstler erworben,
seit vier Generationen Privatsammlung Österreich.

Wir danken dem Steiermärkischen Landesarchiv und der Historischen Landeskommision für die Steiermark für die wissenschaftliche Unterstützung.

Der Kärntner Landschaftsmaler Markus Pernhart war ein „Pionier“ in mehrfachem Sinne, für den die Malerei und das Erkunden der alpinen Bergwelt Hand in Hand gingen. Auf seinen ambitionierten Bergtouren testete er nicht nur seine physischen Grenzen aus, sondern sprengte auch die üblichen Formate der Landschaftsmalerei, in dem er neue, spektakuläre Blickwinkel auf die Berge Kärntens und der Nachbarregionen fand, die seine Zeitgenossen in Erstaunen versetzten. Um die überwältigende Wirkung der weiten Ausblicke von den Gipfeln malerisch umzusetzen, entwickelte er ab den späten 1850er Jahren sogenannte Rundumblicke, vierteilige, großformatige Bildserien, die dem Betrachter das Gefühl vermitteln, selbst am Gipfelkreuz zu stehen.
Den richtungsweisenden Beginn markiert das erste und bekannteste Projekt dieser Art, sein monumentales Großglockner-Panorama, das er zwischen 1857 und 1859 umsetzte und 1860 in Klagenfurt ausstellte. Pernhart ging auch hier über die Grenzen des bisher Üblichen hinaus, in dem er mit der Aufstellungsart experimentierte und eine Art „Circus aus Brettern mit Kuppellicht“ entwarf, in dem die Betrachter sich auf einer Kanzel in der Mitte der Illusion hingegen konnten, selbst am Gipfel des Großglockners zu stehen. Im selben Jahr wurde es auch in Wien gezeigt und dann 1862 in Graz – allerdings in vereinfachter Aufstellung – und machte Pernhart als Panoramen-Maler auch über Kärnten hinaus bekannt.
In der Folge realisierte er etwa 20 bis 25 weitere Panoramen verschiedener Berggipfel, unter denen das Koralpen-Panorama von 1867 zu den Bedeutensten zählt. Dafür spricht nicht nur das große Format, sondern vor allem zeitgenössische Pressemeldungen, die uns heute erlauben, die Entstehung genauer nachzuvollziehen. So berichtet die in Graz erscheinende Tagespost am 26. September 1866 „Der kärntnische Maler Markus Pernhart, dessen Rundschauen eine kunstgeschichtliche Spezialität geworden sind, hat nunmehr auch das Panorama der Koralpe aufgenommen“ und informiert die Leser etwa ein Jahr später, am 18. August 1867, „Der kärntnische Maler Markus Pernhart, den Bewohnern von Graz schon von früher her durch seine Landschaftsstudien bekannt, hat nunmehr auch eine Runschau von der Koralpe vollendet. Das Bild, ein würdiges Seitenstück zu dessen Rundschau vom Hochschwab, entrollt und auf einem fünf Klafter langen Tableau den ganzen Reichthum des von jenem Berge aus beherrschten Horizonts. Pernhart hat die Absicht, das Bild in Graz zur Ausstellung zu bringen.“. Über diese Ausstellung berichtet tatsächlich noch im selben Jahr die Zeitschrift Carinthia: „Außer der jährlich wiederkehrenden Ausstellung des Kunstvereins hatten wir zwei Privatgemäldeausstellungen, indem nämlich unser strebsamer und allberühmter Maler Pernhart wieder mehrere vortrefflich ausgeführte Gebirgspanoramen (Von der Koralpe (…))im Wappensale des Landhauses ausstellte.“
Noch heute beeindruckt die Rundsicht durch ihre geographische Genauigkeit und dokumentiert den Zustand eines ganzen Landstriches vor dem Bauboom des 20. Jahrhunderts. Von links nach rechts lassen sich erkennen: der Petzen und die Steiner Alpen, daran anschließend im Hintergrund die Karawanken, die das Lavantal mit dem Kloster St. Paul hinterfangen, rechts davon der Zirbitzkogel und der Ameringkogel, wieder weiter rechts die Handalm, der Frauenkogel und schließlich die Spitze der Koralpe selbst, der Große Speikkogel. Den Abschluss bilden ganz rechts der Moschkogel und der Sprungkogel.
Pernhart bediente sich hier professioneller geodätischer Instrumente, welche sonst nur Landvermesser verwendeten. So entstanden seine „Rundsichten“ mit Hilfe einer Diopterbussole „von 30 zu 30 Grad fortschreitend“ bzw. laut einer anderen Quelle sogar mit einem magnetischen Theodoliten.
Dieses Detail verrät uns, mit welchem Forschergeist Pernhart an seine Panoramenprojekte heranging und wie wichtig ihm geographische Exaktheit war. Hier geht er weit über die üblichen Gepflogenheiten der Landschaftsmalerei seiner Zeit hinaus und positioniert sich am Schnittpunkt zwischen Entdeckertum, Malerei und Wissenschaft.
Markus Pernhart verstarb bereits 1871 im Alter von 47 Jahren, vermutlich an den Folgen innerer Verletzungen, die er sich bei einem Bergunfall zugezogen hatte. In einem Nachruf heißt es: „Als Panoramen-Maler war Pernhart (…) eine Spezialität, - vielleicht ohne einen gleichbefähigten Nebenbuhler.“ Das Koralpen Panorama wird in den Nachrufen stets als eines seiner Hauptwerke erwähnt. Es befindet sich seit vier Generationen in österreichischem Privatbesitz und taucht seit seiner Entstehungszeit nun erstmals wieder am Kunstmarkt auf – eine spektakuläre Wiederentdeckung! (KN)


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts
Datum: 07.06.2021 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 29.05. - 07.06.2021


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.