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Lot Nr. 16


Luca Penni


Luca Penni - Alte Meister I

(Florenz 1500–1556 Paris)
Entführung der Helena,
Öl auf Holz, oval, 41,5 x 58,5 cm, gerahmt

Provenienz:
europäische Privatsammlung

Literatur:
D. Cordellier (Hg.), Luca Penni: un disciple de Raphaël à Fontainebleau, Ausstellungskatalog, Paris 2012, S. 49, Abb. 42, S. 52, Anm. 24 und S. 190, Kat.-Nr. 90 (als Luca Penni);
D. Cordellier, De Gênes à Paris: Luca Penni, dit le Romain, peintre, in: F. Elsig (Hg.), Peindre en France à la Renaissance Fontainebleau et son rayonnement, Mailand 2012, Bd. II, S. 37–47, Abb. 19 (als Luca Penni)

Das vorliegende Werk zeigt die Entführung der Helena, der Gemahlin des Menelaos, des Königs von Sparta, durch die Trojaner. Diese Episode war der anfängliche Vorwand, der zum Ausbruch des langjährigen Trojanischen Krieges führte. Das Gemälde weist eine feine vorbereitende Unterzeichnung auf und wurde von Cordellier in den kleinen Werkkorpus Luca Pennis, eines der führenden Vertreter der Schule von Fontainebleau, aufgenommen (siehe Literatur).

Das ovale Bildformat mit einer querformatigen Komposition ist ein typisches Merkmal für die Schule von Fontainebleau und findet sich auch in Stichen nach Zeichnungen Luca Pennis, etwa in dem Blatt Justitia und die Todsünden von Léon Davent (in H. Zerner, École de Fontainebleau, Gravures, Paris 1969, Kat. L.D. 85-92). Luca Pennis Werke zeichnen sich durch ihre Vielfigurigkeit und ineinander verwobenen Bewegungen aus, angesiedelt vor einer monumentalen, mit einer Ästhetik der Gewalt spielenden Kulisse.

Drei Motive, die auch im vorliegenden Gemälde auftauchen, können als typisch für Luca Pennis Schaffen gelten. Zum einen sind es urtümlich und heroisch anmutende Nahkampfhandlungen nackter Männer mit geschorenen Köpfen, die sich auch in anderen Darstellungen des von Penni häufig dargestellten Trojanischen Krieges finden. Das zweite Element betrifft die Einbeziehung eines eine Waffe tragenden Kriegers im Profil auf der rechten Seite des Bildes. Dieselbe Figur tritt in Pennis Zeichnung Combat d’ hommes im Louvre in Erscheinung (siehe Abb. 1). Bei dem dritten charakteristischen Bildelement handelt es sich um von der Natur angeregte Details, etwa Felsen oder Baumstämme, die in die Komposition integriert werden, um ein Gleichgewicht zwischen der Handlung und den Bewegungen der Figuren einerseits und dem Umfeld andererseits herzustellen (siehe D. Cordellier, De Gênes à Paris: Luca Penni, dit le Romain, peintre, in: F. Elsig (Hg.), Peindre en France à la Reinassance Fontainbleau et son rayonnement, Mailand 2012, Bd. II, S. 44).

Die Quellen der vorliegenden Komposition scheinen komplex. Das zentrale Narrativ in Form der von einem trojanischen Soldaten weggeschleppten Figur der Helena mag auf eine Zeichnung Raffaels zurückgehen, die für zwei um 1515/16 entstandene Stiche von Marcantonio Raimondi und Marco Dente da Ravenna als Vorbild diente, welche beide Pennis zentralem Bildaufbau entsprechen (siehe Abb. 2). Die Autorenschaft der Zeichnung Raffaels wird jedoch heute in Frage gestellt; es mag sich um ein Werk von Gianfrancesco Penni, Lucas älterem Bruder, handeln.

Luca wurde in Florenz geboren, aber in Rom ausgebildet (daher sein Beiname Romanus). Er war der jüngere Bruder von Raffaels erstem Assistenten Giovanni Francesco Penni (1488/1496–1528) und muss zunächst von seinem Bruder im Umfeld von Raffaels Werkstatt ausgebildet worden sein. Er arbeitete mit seinem Schwager Perino del Vaga in Lucca und Genua zusammen, bevor er um 1530 nach Fontainebleau in Frankreich ging. Bei seiner Ankunft am Hof von Franz I. fand Luca Penni dort bereits seinen Landsmann Rosso Fiorentino zusammen mit einer Gruppe französischer Maler vor, die mit der Ausstattung des königlichen Palastes befasst waren. Penni sollte die nächsten 17 Jahre in Fontainbleau bleiben und zu einem der bedeutendsten Künstler am dortigen Hof werden. Laut den Büchern von 1538–1540 erhielt er Zahlungen, die in der Höhe jenen an Francesco Primaticcio entsprechen.

Penni arbeitet mit Primaticcio in der Salle Haute des Pavillon des Poêles sowie mit Rosso Fiorentino und den ihm unterstellten Künstlern in der Galerie von Franz I. zusammen. Er war auch mit den Kartons für die Tapisserien in besagter Galerie betraut, die heute im Kunsthistorischen Museum in Wien aufbewahrt werden. Sein Schaffen hatte spürbaren Einfluss auf die französische Malerei des 16. Jahrhunderts und wurde von italienischen Stechern unter Beifall reproduziert.

Bisweilen wurden seine Werke mit jenen Francesco Primaticcios verwechselt, dem das vorliegende Gemälde einst zugeschrieben war. Bis dato sind nur wenige Werke von Luca Pennis Hand bekannt, darunter zwei im Pariser Louvre: Une reine devant un roi tenant un crane – auch bekannt als Die Gerechtigkeit von Kaiser Otto III. – und August et la Sibille de Tibur (Inv.-Nr. RF 1973 49 und RF 2012 4).

Technische Untersuchung durch Gianluca Poldi:

Auf einer weiß grundierten Eichentafel ausgeführt, weist das Gemälde unter Infrarotreflektografie eine interessante Unterzeichnung auf (siehe Abb. 3, Abb. 4). Die Komposition ist mit einem trockenen schwarzen Zeichenmittel – Kohle oder schwarzer Kreide – meisterhaft angelegt, wobei die Figuren in ihren heftigen, kraftvollen Bewegungen umrissen sind, bisweilen sehr rasch wie im Fall des halbnackten Mannes, der Helena nach rechts zieht, deren Gesicht hingegen in einem zweiten Schritt sorgfältig ausgeführt wurde; die Platzierung der Beine des Mannes dahinter wurde mehrmals verändert. Überaus wirkungsvoll gezeichnet wurde beispielsweise das Gesicht des Kahlköpfigen, der seinem einen Stock schwingenden Widersacher in den Knöchel beißt. Die Umrisse der Gebäude am Horizont sind wiederum rasch skizziert.

Experte: Mark MacDonnell Mark MacDonnell
+43 1 515 60 312

oldmasters@dorotheum.com

08.06.2021 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 369.300,-
Schätzwert:
EUR 300.000,- bis EUR 400.000,-

Luca Penni


(Florenz 1500–1556 Paris)
Entführung der Helena,
Öl auf Holz, oval, 41,5 x 58,5 cm, gerahmt

Provenienz:
europäische Privatsammlung

Literatur:
D. Cordellier (Hg.), Luca Penni: un disciple de Raphaël à Fontainebleau, Ausstellungskatalog, Paris 2012, S. 49, Abb. 42, S. 52, Anm. 24 und S. 190, Kat.-Nr. 90 (als Luca Penni);
D. Cordellier, De Gênes à Paris: Luca Penni, dit le Romain, peintre, in: F. Elsig (Hg.), Peindre en France à la Renaissance Fontainebleau et son rayonnement, Mailand 2012, Bd. II, S. 37–47, Abb. 19 (als Luca Penni)

Das vorliegende Werk zeigt die Entführung der Helena, der Gemahlin des Menelaos, des Königs von Sparta, durch die Trojaner. Diese Episode war der anfängliche Vorwand, der zum Ausbruch des langjährigen Trojanischen Krieges führte. Das Gemälde weist eine feine vorbereitende Unterzeichnung auf und wurde von Cordellier in den kleinen Werkkorpus Luca Pennis, eines der führenden Vertreter der Schule von Fontainebleau, aufgenommen (siehe Literatur).

Das ovale Bildformat mit einer querformatigen Komposition ist ein typisches Merkmal für die Schule von Fontainebleau und findet sich auch in Stichen nach Zeichnungen Luca Pennis, etwa in dem Blatt Justitia und die Todsünden von Léon Davent (in H. Zerner, École de Fontainebleau, Gravures, Paris 1969, Kat. L.D. 85-92). Luca Pennis Werke zeichnen sich durch ihre Vielfigurigkeit und ineinander verwobenen Bewegungen aus, angesiedelt vor einer monumentalen, mit einer Ästhetik der Gewalt spielenden Kulisse.

Drei Motive, die auch im vorliegenden Gemälde auftauchen, können als typisch für Luca Pennis Schaffen gelten. Zum einen sind es urtümlich und heroisch anmutende Nahkampfhandlungen nackter Männer mit geschorenen Köpfen, die sich auch in anderen Darstellungen des von Penni häufig dargestellten Trojanischen Krieges finden. Das zweite Element betrifft die Einbeziehung eines eine Waffe tragenden Kriegers im Profil auf der rechten Seite des Bildes. Dieselbe Figur tritt in Pennis Zeichnung Combat d’ hommes im Louvre in Erscheinung (siehe Abb. 1). Bei dem dritten charakteristischen Bildelement handelt es sich um von der Natur angeregte Details, etwa Felsen oder Baumstämme, die in die Komposition integriert werden, um ein Gleichgewicht zwischen der Handlung und den Bewegungen der Figuren einerseits und dem Umfeld andererseits herzustellen (siehe D. Cordellier, De Gênes à Paris: Luca Penni, dit le Romain, peintre, in: F. Elsig (Hg.), Peindre en France à la Reinassance Fontainbleau et son rayonnement, Mailand 2012, Bd. II, S. 44).

Die Quellen der vorliegenden Komposition scheinen komplex. Das zentrale Narrativ in Form der von einem trojanischen Soldaten weggeschleppten Figur der Helena mag auf eine Zeichnung Raffaels zurückgehen, die für zwei um 1515/16 entstandene Stiche von Marcantonio Raimondi und Marco Dente da Ravenna als Vorbild diente, welche beide Pennis zentralem Bildaufbau entsprechen (siehe Abb. 2). Die Autorenschaft der Zeichnung Raffaels wird jedoch heute in Frage gestellt; es mag sich um ein Werk von Gianfrancesco Penni, Lucas älterem Bruder, handeln.

Luca wurde in Florenz geboren, aber in Rom ausgebildet (daher sein Beiname Romanus). Er war der jüngere Bruder von Raffaels erstem Assistenten Giovanni Francesco Penni (1488/1496–1528) und muss zunächst von seinem Bruder im Umfeld von Raffaels Werkstatt ausgebildet worden sein. Er arbeitete mit seinem Schwager Perino del Vaga in Lucca und Genua zusammen, bevor er um 1530 nach Fontainebleau in Frankreich ging. Bei seiner Ankunft am Hof von Franz I. fand Luca Penni dort bereits seinen Landsmann Rosso Fiorentino zusammen mit einer Gruppe französischer Maler vor, die mit der Ausstattung des königlichen Palastes befasst waren. Penni sollte die nächsten 17 Jahre in Fontainbleau bleiben und zu einem der bedeutendsten Künstler am dortigen Hof werden. Laut den Büchern von 1538–1540 erhielt er Zahlungen, die in der Höhe jenen an Francesco Primaticcio entsprechen.

Penni arbeitet mit Primaticcio in der Salle Haute des Pavillon des Poêles sowie mit Rosso Fiorentino und den ihm unterstellten Künstlern in der Galerie von Franz I. zusammen. Er war auch mit den Kartons für die Tapisserien in besagter Galerie betraut, die heute im Kunsthistorischen Museum in Wien aufbewahrt werden. Sein Schaffen hatte spürbaren Einfluss auf die französische Malerei des 16. Jahrhunderts und wurde von italienischen Stechern unter Beifall reproduziert.

Bisweilen wurden seine Werke mit jenen Francesco Primaticcios verwechselt, dem das vorliegende Gemälde einst zugeschrieben war. Bis dato sind nur wenige Werke von Luca Pennis Hand bekannt, darunter zwei im Pariser Louvre: Une reine devant un roi tenant un crane – auch bekannt als Die Gerechtigkeit von Kaiser Otto III. – und August et la Sibille de Tibur (Inv.-Nr. RF 1973 49 und RF 2012 4).

Technische Untersuchung durch Gianluca Poldi:

Auf einer weiß grundierten Eichentafel ausgeführt, weist das Gemälde unter Infrarotreflektografie eine interessante Unterzeichnung auf (siehe Abb. 3, Abb. 4). Die Komposition ist mit einem trockenen schwarzen Zeichenmittel – Kohle oder schwarzer Kreide – meisterhaft angelegt, wobei die Figuren in ihren heftigen, kraftvollen Bewegungen umrissen sind, bisweilen sehr rasch wie im Fall des halbnackten Mannes, der Helena nach rechts zieht, deren Gesicht hingegen in einem zweiten Schritt sorgfältig ausgeführt wurde; die Platzierung der Beine des Mannes dahinter wurde mehrmals verändert. Überaus wirkungsvoll gezeichnet wurde beispielsweise das Gesicht des Kahlköpfigen, der seinem einen Stock schwingenden Widersacher in den Knöchel beißt. Die Umrisse der Gebäude am Horizont sind wiederum rasch skizziert.

Experte: Mark MacDonnell Mark MacDonnell
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oldmasters@dorotheum.com


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister I
Datum: 08.06.2021 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 29.05. - 08.06.2021


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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