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Lot Nr. 3 -


Albin Egger-Lienz


(Stribach bei Lienz 1868–1926 St. Justina bei Bozen)
„Totentanz 1809“, signiert, datiert Egger-Lienz 1916, Variante der vierten Fassung (im Besitz des Leopold Museums – Kirschl M352), Kasein auf Leinwand, 130 x 165 cm, in Originalrahmen

Abgebildet und Verzeichnet:
Wilfried Kirschl. Albin Egger-Lienz, Edition Tusch, Abb. S. 130, verzeichnet Seite 545, M353 – dort angeführt:
„Diese Variante unterscheidet sich von der vierten Fassung vor allem durch die mehrfache starke Betonung der Horizontalen im Terrain und den darüber liegenden Wolkenstreifen.“
Wilfried Kirschl. Wilfried Kirschl. Albin Egger-Lienz, Verlag
Christian Brandstätter, 1996, Band I, Abb. S. 130 verzeichnet Band II, S. 545, M353 (auch mit dem oben angeführten Zusatz)

Regelung des Sprachgebrauch... zu:
Fassung: Als erste, zweite oder dritte Fassung eines Themas wird hier ein Werk nur dann bezeichnet, wenn es in einem selbständigen Objekt farblich oder formal von früheren Lösungen wesentlich abweichende Gestaltungselemente enthält.

Varianten und Wiederholungen: Als solche werden Werke bezeichnet, die von früher entstandenen nur geringfügig abweichen und sich in ihrem farbigen und formalen Aufbau eindeutig an diese anlehnen.
Kirschl, Band II, S. 502

Auf der Rückseite des Rahmens Beschriftung:
Prof. A. Egger-Lienz in Bozen.

Schildchen mit in der Handschrift des Künstlers:
Ort der Rücksendung:
Prof. Albin Egger-Lienz
St. Justina bei Bozen Tirol
Gegenstand: Totentanz 1809 in Tirol
Verkaufspreis: 30.000 Kronen
Versicherungswert: 30.000 Kronen
Prof. A. Egger-Lienz

Ausgestellt und publiziert:
Stedelijk Museum. Amsterdam. Österreichische und ungarische Maler u. Bildhauer. 14. Oktober – 15. November 1917, Kat. 71 mit Abb. am Umschlag – diese Ausstellung wurde von der Wiener Secession und dem Wiener Künstlerhaus organisiert.
Kunstsalon Emil Richter Dresden (1918) 69 89 – auf der Rückseite Etikett –
Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen siehe Kirschl Band II, S. 637

Provenienz:
Sammlung Elisabeth Rethberg, deutsch-amerikanische Opernsängerin (1894-1976), Dresden/Yorktown Heights, N.Y
1950er Jahre Verkauf an Donald Gabor (1912-1980), Riverdale, N.Y.
im Erbgang an dessen Erben – Privatsammlung, USA

In seinem 1915 verfaßten Aufsatz zu Defreggers 80. Geburtstag umriß Egger, was er im Gegensatz zu Defreggers „Letztem Aufgebot“ von einem Geschichtsbild forderte und worum es ihm in seinem Totentanz im Wesentlichen ging:

…So fordert der Geist der Geschichte ein anderes Temperament. Wo die Kunst zum Mythos werden soll, versagt alle Bürgerlichkeit und Schilderei, ja sie verhindert die Entwicklung zur reinen Form, die da allein in ihre Herrschaft führen muß.

So ein Bild muß auf den ersten Blick allein durch Verteilung des Raumes, den Zug der Linien und durch den Stil der Farbe die Ebenbürtigkeit von Gegenstand und Maler offenbaren. Die Eindringung in das „Reinmenschliche“, losgelöst vom Milieu, allein gewährt den Weg zur monumentalen Form. […] Der radikalste Gegensatz der Kunst des „Aufgebotes“ ist mein „Totentanz“, in welchem ein einziger Akkord alle Erscheinung durchdringt und beherrscht, sodaß auf einen einzigen Blick der Gegenstand durch die Einheit der Form zur vollen Wirkung kommt, wogegen man beim „Aufgebot“, wie in einer Erzählung, erst herumblättern muß, um alles aufzunehmen. […] Das Tragische geht immer auf das Große hinaus, fordert den höchsten Grad der Schlichtheit, der Entäusserung von jeder Zutat, jedem luxus (oder gar theatralischer Mittel, wie beim Bilde „Andreas Hofers letzter Gang – Gemälde Franz v. Defreggers aus dem Jahre 1878). Eine knappere, zum Stil gewordene Form vertieft die Tragik und vergeistigt den Stoff, indem sie ihm das Materielle, Episodenhafte nimmt und ihn zum Symbol erhebt.

Am 21. März 1908 wurde im Wiener Künstlerhaus die Ausstellung zum 60. Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet. Ausgestellt war die soeben vollendete Kaseinfassung (erste Kaseinwiederholung (Kirschl M226) der zerstörten Erstfassung in Öl M223)
„Der Totentanz von Anno Neun“.

Aus Egger-Lienz, Bericht über den Eindruck den sein Totentanz machte.

Der „Totentanz Anno Neun“ war das Thema, welches ich mir stellte. Auszug der Tiroler gegen den Feind schwebte wohl den Regierungspersönlichkeiten in Wien vor, sie sprachen und träumten von „fliegenden Fahnen“ und „freudig“ in den Krieg ziehenden, dem Monarchen zujubelnden braven Bauernscharen, denen kein Opfer zu hoch für das innig geliebte Kaiserhaus, denen Tod kein Schrecken, sondern die willkommenste Gelegenheit ist, als treue Untertanen sich aufzuopfern. Bei der ersten Besichtigung einer der Regierungspersönlichkeiten des in Arbeit stehenden Bildes dämmerten bereits die Wolken über meinem Haupte; man zuckte die Achseln und fand, daß in dem Bilde sozialdemokratische Tendenzen enthalten seien, es seien die Schrecken des Krieges dargestellt anstatt ein frohgemutes, jubelnd in die „Schlacht“ ziehendes Volk. …
siehe Kirschl, Band I, S. 126

Expertin: Mag. Elke Königseder Mag. Elke Königseder
+43-1-515 60-358

elke.koenigseder@dorotheum.at

22.06.2021 - 16:00

Schätzwert:
EUR 500.000,- bis EUR 800.000,-

Albin Egger-Lienz


(Stribach bei Lienz 1868–1926 St. Justina bei Bozen)
„Totentanz 1809“, signiert, datiert Egger-Lienz 1916, Variante der vierten Fassung (im Besitz des Leopold Museums – Kirschl M352), Kasein auf Leinwand, 130 x 165 cm, in Originalrahmen

Abgebildet und Verzeichnet:
Wilfried Kirschl. Albin Egger-Lienz, Edition Tusch, Abb. S. 130, verzeichnet Seite 545, M353 – dort angeführt:
„Diese Variante unterscheidet sich von der vierten Fassung vor allem durch die mehrfache starke Betonung der Horizontalen im Terrain und den darüber liegenden Wolkenstreifen.“
Wilfried Kirschl. Wilfried Kirschl. Albin Egger-Lienz, Verlag
Christian Brandstätter, 1996, Band I, Abb. S. 130 verzeichnet Band II, S. 545, M353 (auch mit dem oben angeführten Zusatz)

Regelung des Sprachgebrauch... zu:
Fassung: Als erste, zweite oder dritte Fassung eines Themas wird hier ein Werk nur dann bezeichnet, wenn es in einem selbständigen Objekt farblich oder formal von früheren Lösungen wesentlich abweichende Gestaltungselemente enthält.

Varianten und Wiederholungen: Als solche werden Werke bezeichnet, die von früher entstandenen nur geringfügig abweichen und sich in ihrem farbigen und formalen Aufbau eindeutig an diese anlehnen.
Kirschl, Band II, S. 502

Auf der Rückseite des Rahmens Beschriftung:
Prof. A. Egger-Lienz in Bozen.

Schildchen mit in der Handschrift des Künstlers:
Ort der Rücksendung:
Prof. Albin Egger-Lienz
St. Justina bei Bozen Tirol
Gegenstand: Totentanz 1809 in Tirol
Verkaufspreis: 30.000 Kronen
Versicherungswert: 30.000 Kronen
Prof. A. Egger-Lienz

Ausgestellt und publiziert:
Stedelijk Museum. Amsterdam. Österreichische und ungarische Maler u. Bildhauer. 14. Oktober – 15. November 1917, Kat. 71 mit Abb. am Umschlag – diese Ausstellung wurde von der Wiener Secession und dem Wiener Künstlerhaus organisiert.
Kunstsalon Emil Richter Dresden (1918) 69 89 – auf der Rückseite Etikett –
Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen siehe Kirschl Band II, S. 637

Provenienz:
Sammlung Elisabeth Rethberg, deutsch-amerikanische Opernsängerin (1894-1976), Dresden/Yorktown Heights, N.Y
1950er Jahre Verkauf an Donald Gabor (1912-1980), Riverdale, N.Y.
im Erbgang an dessen Erben – Privatsammlung, USA

In seinem 1915 verfaßten Aufsatz zu Defreggers 80. Geburtstag umriß Egger, was er im Gegensatz zu Defreggers „Letztem Aufgebot“ von einem Geschichtsbild forderte und worum es ihm in seinem Totentanz im Wesentlichen ging:

…So fordert der Geist der Geschichte ein anderes Temperament. Wo die Kunst zum Mythos werden soll, versagt alle Bürgerlichkeit und Schilderei, ja sie verhindert die Entwicklung zur reinen Form, die da allein in ihre Herrschaft führen muß.

So ein Bild muß auf den ersten Blick allein durch Verteilung des Raumes, den Zug der Linien und durch den Stil der Farbe die Ebenbürtigkeit von Gegenstand und Maler offenbaren. Die Eindringung in das „Reinmenschliche“, losgelöst vom Milieu, allein gewährt den Weg zur monumentalen Form. […] Der radikalste Gegensatz der Kunst des „Aufgebotes“ ist mein „Totentanz“, in welchem ein einziger Akkord alle Erscheinung durchdringt und beherrscht, sodaß auf einen einzigen Blick der Gegenstand durch die Einheit der Form zur vollen Wirkung kommt, wogegen man beim „Aufgebot“, wie in einer Erzählung, erst herumblättern muß, um alles aufzunehmen. […] Das Tragische geht immer auf das Große hinaus, fordert den höchsten Grad der Schlichtheit, der Entäusserung von jeder Zutat, jedem luxus (oder gar theatralischer Mittel, wie beim Bilde „Andreas Hofers letzter Gang – Gemälde Franz v. Defreggers aus dem Jahre 1878). Eine knappere, zum Stil gewordene Form vertieft die Tragik und vergeistigt den Stoff, indem sie ihm das Materielle, Episodenhafte nimmt und ihn zum Symbol erhebt.

Am 21. März 1908 wurde im Wiener Künstlerhaus die Ausstellung zum 60. Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet. Ausgestellt war die soeben vollendete Kaseinfassung (erste Kaseinwiederholung (Kirschl M226) der zerstörten Erstfassung in Öl M223)
„Der Totentanz von Anno Neun“.

Aus Egger-Lienz, Bericht über den Eindruck den sein Totentanz machte.

Der „Totentanz Anno Neun“ war das Thema, welches ich mir stellte. Auszug der Tiroler gegen den Feind schwebte wohl den Regierungspersönlichkeiten in Wien vor, sie sprachen und träumten von „fliegenden Fahnen“ und „freudig“ in den Krieg ziehenden, dem Monarchen zujubelnden braven Bauernscharen, denen kein Opfer zu hoch für das innig geliebte Kaiserhaus, denen Tod kein Schrecken, sondern die willkommenste Gelegenheit ist, als treue Untertanen sich aufzuopfern. Bei der ersten Besichtigung einer der Regierungspersönlichkeiten des in Arbeit stehenden Bildes dämmerten bereits die Wolken über meinem Haupte; man zuckte die Achseln und fand, daß in dem Bilde sozialdemokratische Tendenzen enthalten seien, es seien die Schrecken des Krieges dargestellt anstatt ein frohgemutes, jubelnd in die „Schlacht“ ziehendes Volk. …
siehe Kirschl, Band I, S. 126

Expertin: Mag. Elke Königseder Mag. Elke Königseder
+43-1-515 60-358

elke.koenigseder@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Moderne
Datum: 22.06.2021 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 17.06. - 22.06.2021