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Lot Nr. 20


Boris Dmitrievich Grigoriev


(Moskau 1886–1939 Paris)
Russisches Kabarett, 1916, kyrillisch signiert und datiert 1916, Öl auf Leinwand (doubliert), 205,6 x 88,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Dolf Selbach
Privatsammlung Berlin, Deutschland - 2011 von den oben Genannten erworben

Literatur:
R. Antipova: Die Pskower Ausstellung von Boris Grigoriev, Moskau, Astrea 2015 (Chronologie) [auf Russisch]

Ausgestellt:
1923, Exposition du Groupe artistes russes Mir Isskousstva. Société Royale des Beaux-Arts de Bruxelles, Katalog Nr. 22: Cabaret russe, Saint-Pétersbourg 1916 (sehr wahrscheinlich)

Auf Anfrage:
Ergebnisse der Untersuchung im Labor für kunsttechnologische Untersuchungen des Instituts für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft, Köln (CICS), 2021

Danksagungen:
Wir danken Tamara A. Galeeva (Jekaterinburg), Svetlana A. Pisareva (Moskau) und Yulia V. Rybakova (Moskau) für die Beratung auf Grundlage der übermittelten Fotos und Ergebnisse der Untersuchung im Labor für kunsttechnologische Untersuchungen des Instituts für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft, Köln (CICS), 2021.

Wir bedanken uns bei Dr. Olga Sugrobova-Roth für ihre wissenschaftliche Unterstützung.

„Ich habe etwas ein für alle Mal erkannt. Eine Linie, ganz einfach eine Kurve, die vom Hals bis zur Ferse gezogen wird, eine durchgehende Linie. Das ist die Linie [...], von der ich geträumt habe.“

Boris Grigoriev (1918)

In den ersten drei Monaten des Jahres 1916 arbeitete Boris Grigoriev zusammen mit seinen Kollegen Sergei Sudeikin und Alexander Yakovlev an den großen Leinwänden für die Ausstattung des literarisch-künstlerischen Kabaretts "Rast der Komödianten" in Petrograd (so hieß St. Petersburg nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges). Das im Keller des Hauses am Moika-Ufer eingerichtete Kabarett existierte bis 1919, die Gemälde dürften 1924 beim großen Hochwasser verloren gegangen sein.
Das vorliegende Gemälde ist eng verwandt mit Grigorievs Arbeit für dieses Kabarett. Stilistisch fällt es in eine relativ kurze Schaffensphase (1916–19) in der Grigoriev sich kurz der Ästhetik des Neoklassizismus näherte. Die Maße zeigen seine damalige Vorliebe für große Gemälde und für das langgestreckte Format, das mit der hohen Statur und der Schlankheit der beiden Frauenfiguren harmoniert.
Die Silhouette der blonden Frau im Vordergrund verkörpert Grigorievs Ideal weiblicher Schönheit. Ihre sinnlichen Gesichtszüge erinnern an Sudeikins erste Frau Olga Glebova, die nixenäugige "Petersburger Columbine“, die als Tänzerin im "Rast der Komödianten" auftrat. Als "herrlich blond, rosa, schlank" blieb sie in den Erinnerungen der Zeitgenossen. Dies zeigen auch Glebovas Fotos aus dem Jahr 1916. Ihre Frisuren und Kopfbedeckungen sind oft mit einer langen Feder ergänzt, genau so, wie Grigoriev es auf dem Bild zeigt.
Die Erotik nahm einen wichtigen Platz in Grigorievs künstlerischem Schaffen ab Mitte der 1910er-Jahre ein. Entsprechende Gemälde und Zeichnungen veröffentlichte er 1918 in dem Band „Intimité“. Die Linienführung des „Russischen Kabaretts“ lässt eine enge Verbindung zu den Zeichnungen in diesem Band erkennen. Ungewöhnlich für Grigoriev ist jedoch die im Gemälde enthaltene leichte Anspielung auf gleichgeschlechtliche Liebe. In den Memoiren von Zeitgenossen findet man Vermutungen über Glebovas Bisexualität. Jedoch ist das Werk kein Portrait von Olga Glebova; vielmehr wollte Grigoriev im so verführerischen wie flüchtigen Bild der Frau eine besondere Kabarett-Atmosphäre wiedergeben.
Die fast transparenten Figuren stehen vor einer Draperie mit großen floralen Ornamenten, ein Motiv, das Grigoriev zu dieser Zeit oft verwendete.
Die dünnschichtige Malerei ist mit Grigorievs Arbeit an den Gemälden im „Rast der Komödianten“ verbunden, sie ist charakteristisch für seine anderen Staffeleimalereien dieser Zeit (siehe das Porträt des Stammgasts im „Rast der Komödianten“ Jakov Israilevitsch, um 1916; das Porträt des Kunstsammlers Alexander Korovin, 1916. Beide im Staatlichen Russischen Museum, St. Petersburg).
Grigorievs Flucht aus dem revolutionären Russland war spektakulär: Im September 1919 querte der Künstler mit seiner Frau und seinem fünfjährigen Sohn in einem Boot den Finnischen Meerbusen, im November traf er in Berlin ein. Die Umstände dieser Flucht ließen nicht zu, Werke mitzunehmen. Wer Grigoriev dabei geholfen hat, bleibt immer noch unklar. Tatsache ist jedenfalls, dass es dem Künstler gelang, einige seiner Arbeiten aus Russland herauszubringen. So, sein 1917 in Petrograd ausgestelltes Selbstporträt wurde bereits im Winter 1919/20 in Berlin gezeigt.

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
+49-211-210 77 47

petra.schaepers@dorotheum.de

22.06.2021 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 735.300,-
Schätzwert:
EUR 200.000,- bis EUR 300.000,-

Boris Dmitrievich Grigoriev


(Moskau 1886–1939 Paris)
Russisches Kabarett, 1916, kyrillisch signiert und datiert 1916, Öl auf Leinwand (doubliert), 205,6 x 88,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Dolf Selbach
Privatsammlung Berlin, Deutschland - 2011 von den oben Genannten erworben

Literatur:
R. Antipova: Die Pskower Ausstellung von Boris Grigoriev, Moskau, Astrea 2015 (Chronologie) [auf Russisch]

Ausgestellt:
1923, Exposition du Groupe artistes russes Mir Isskousstva. Société Royale des Beaux-Arts de Bruxelles, Katalog Nr. 22: Cabaret russe, Saint-Pétersbourg 1916 (sehr wahrscheinlich)

Auf Anfrage:
Ergebnisse der Untersuchung im Labor für kunsttechnologische Untersuchungen des Instituts für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft, Köln (CICS), 2021

Danksagungen:
Wir danken Tamara A. Galeeva (Jekaterinburg), Svetlana A. Pisareva (Moskau) und Yulia V. Rybakova (Moskau) für die Beratung auf Grundlage der übermittelten Fotos und Ergebnisse der Untersuchung im Labor für kunsttechnologische Untersuchungen des Instituts für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft, Köln (CICS), 2021.

Wir bedanken uns bei Dr. Olga Sugrobova-Roth für ihre wissenschaftliche Unterstützung.

„Ich habe etwas ein für alle Mal erkannt. Eine Linie, ganz einfach eine Kurve, die vom Hals bis zur Ferse gezogen wird, eine durchgehende Linie. Das ist die Linie [...], von der ich geträumt habe.“

Boris Grigoriev (1918)

In den ersten drei Monaten des Jahres 1916 arbeitete Boris Grigoriev zusammen mit seinen Kollegen Sergei Sudeikin und Alexander Yakovlev an den großen Leinwänden für die Ausstattung des literarisch-künstlerischen Kabaretts "Rast der Komödianten" in Petrograd (so hieß St. Petersburg nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges). Das im Keller des Hauses am Moika-Ufer eingerichtete Kabarett existierte bis 1919, die Gemälde dürften 1924 beim großen Hochwasser verloren gegangen sein.
Das vorliegende Gemälde ist eng verwandt mit Grigorievs Arbeit für dieses Kabarett. Stilistisch fällt es in eine relativ kurze Schaffensphase (1916–19) in der Grigoriev sich kurz der Ästhetik des Neoklassizismus näherte. Die Maße zeigen seine damalige Vorliebe für große Gemälde und für das langgestreckte Format, das mit der hohen Statur und der Schlankheit der beiden Frauenfiguren harmoniert.
Die Silhouette der blonden Frau im Vordergrund verkörpert Grigorievs Ideal weiblicher Schönheit. Ihre sinnlichen Gesichtszüge erinnern an Sudeikins erste Frau Olga Glebova, die nixenäugige "Petersburger Columbine“, die als Tänzerin im "Rast der Komödianten" auftrat. Als "herrlich blond, rosa, schlank" blieb sie in den Erinnerungen der Zeitgenossen. Dies zeigen auch Glebovas Fotos aus dem Jahr 1916. Ihre Frisuren und Kopfbedeckungen sind oft mit einer langen Feder ergänzt, genau so, wie Grigoriev es auf dem Bild zeigt.
Die Erotik nahm einen wichtigen Platz in Grigorievs künstlerischem Schaffen ab Mitte der 1910er-Jahre ein. Entsprechende Gemälde und Zeichnungen veröffentlichte er 1918 in dem Band „Intimité“. Die Linienführung des „Russischen Kabaretts“ lässt eine enge Verbindung zu den Zeichnungen in diesem Band erkennen. Ungewöhnlich für Grigoriev ist jedoch die im Gemälde enthaltene leichte Anspielung auf gleichgeschlechtliche Liebe. In den Memoiren von Zeitgenossen findet man Vermutungen über Glebovas Bisexualität. Jedoch ist das Werk kein Portrait von Olga Glebova; vielmehr wollte Grigoriev im so verführerischen wie flüchtigen Bild der Frau eine besondere Kabarett-Atmosphäre wiedergeben.
Die fast transparenten Figuren stehen vor einer Draperie mit großen floralen Ornamenten, ein Motiv, das Grigoriev zu dieser Zeit oft verwendete.
Die dünnschichtige Malerei ist mit Grigorievs Arbeit an den Gemälden im „Rast der Komödianten“ verbunden, sie ist charakteristisch für seine anderen Staffeleimalereien dieser Zeit (siehe das Porträt des Stammgasts im „Rast der Komödianten“ Jakov Israilevitsch, um 1916; das Porträt des Kunstsammlers Alexander Korovin, 1916. Beide im Staatlichen Russischen Museum, St. Petersburg).
Grigorievs Flucht aus dem revolutionären Russland war spektakulär: Im September 1919 querte der Künstler mit seiner Frau und seinem fünfjährigen Sohn in einem Boot den Finnischen Meerbusen, im November traf er in Berlin ein. Die Umstände dieser Flucht ließen nicht zu, Werke mitzunehmen. Wer Grigoriev dabei geholfen hat, bleibt immer noch unklar. Tatsache ist jedenfalls, dass es dem Künstler gelang, einige seiner Arbeiten aus Russland herauszubringen. So, sein 1917 in Petrograd ausgestelltes Selbstporträt wurde bereits im Winter 1919/20 in Berlin gezeigt.

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
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Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Moderne
Datum: 22.06.2021 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 17.06. - 22.06.2021


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.