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Lot Nr. 48


André Masson *


(Balagny/Oise 1896–1987 Paris)
Formes de la Fécondité I, 1955, rückseitig signiert, datiert und betitelt, Öl auf Leinwand, 81 x 100 cm, gerahmt

Zu diesem Werk liegt ein Fotozertifikat von M. Rheims und R. Laurin aus 1969 sowie ein Fotozertifikat von M. Jardot, Galerie L. Leiris (Nr. 07178/50620) aus 1981 vor.

Provenienz:
Sammlung des Künstlers
Galerie Louise Leiris, Paris
Galerie Semiha Huber, Zürich
Dort im Jahr 1969 vom heutigen Besitzer erworben

Ausgestellt:
Venedig, 29. Bienniale von Venedig, 1958

Charakteristisch für das Werk von André Masson sind die vielen Techniken, die er einsetzte. Diese reichten von satten, reichen Polychromien bis hin zu monochromen und rein linearen Arbeiten. Einige seiner Arbeiten beinhalteten eng definierte biomorphe Bilder, immer gekennzeichnet durch eine einzigartige Geschwindigkeit der Ausführung und ein großes persönliches Imaginarium.
Der Ende des 19. Jahrhunderts geborene französische Maler André Masson diente nur wenige Jahre nach seinem Eintritt in die École des Beaux Arts in Paris an den Fronten des Ersten Weltkriegs und wurde durch die Kriegserlebnisse tiefgreifend beeinflusst, was sein Interesse an der tieferen Realität des menschlichen Verhaltens und an der Erforschung der Abgründe des Unterbewusstseins weckte, das ihn zum Surrealismus führte. Nachdem er 1924 André Breton kennengelernt hatte, stellte er einige Jahre lang mit den Surrealisten aus. Sein Stil hatte auch die kubistische Tradition geerbt, vor allem was die Komposition seiner Bilder anging. Er interessierte sich für die nicht-rationalen Zwecke der Kunst wie die Übertragung von Gedanken direkt in die Zeichnung und Malerei. Masson und Mirò machten sogenannte automatische Zeichnungen, die die Bewegung des Bleistifts unbelastet von Gedanken zuließen.
Massons Universum strotzt vor heftigen Leidenschaften; Es ist eine Welt in ständiger Bewegung, in der die Menschen Durst, Hunger, Liebe und Tod erleben. Masson hält sich nicht zurück und lässt die Elemente in seinen Werken frei atmen und sich selbst vervielfältigen:
„la certitude d'être libre de tout lieu, d'avoir le droit de ce contradire, de vagabonder.“ [„Mit der Gewissheit, frei von jeglicher Örtlichkeit zu sein udn das Recht zu haben sich zu widersprechen und abzuschweifen.“] (A. Masson)
Masson wollte nicht einem vordefinierten künstlerischen Stil angehören, er wollte, dass die Malerei ein Teil des Lebens selbst ist, eine Art des Wissens, die mit der Art des Handelns zusammenhängt: sei dieses Handeln gewalttätig, erotisch oder chaotisch. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zog er mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten, wo er von der Arbeit amerikanischer Künstler wie Gorki, Pollock und Rothko beeinflusst wurde und seinerseits deren Werk zutiefst prägte. Wie Clement Greenberg feststellte, war die Anwesenheit von Masson in den Vereinigten Staaten während des Krieges für alle amerikanischen Künstler von unschätzbarem Wert: Masson hat mehr als jeder andere die neue abstrakte Malerei vorweggenommen, und dafür ist ihm nie genug Anerkennung zuteil geworden.
Formes de la Fecondité I, wurde 1955 geschaffen. Es trägt Spuren des automatischen Zeichnens, einschließlich erotischer und chaotischer Elemente innerhalb einer abstrakten Komposition, die durch den Einsatz von Farbe und Transparenz beim Betrachter ein Gefühl der Ruhe hinterlässt. Gleichzeitig spiegeln die automatischen Zeichnungen unweigerlich den komplexen Geisteszustand des Malers wider, der nicht zuletzt von den Ideen der Psychoanalyse geprägt ist.
Der bedeutende französische Psychoanalytiker und Psychiater Jacques Lacan war der Schwager von Masson, da Lacans zweite Frau Sylvia Macklés, die zuvor mit George Bataille verheiratet war, von dem sie sich scheiden ließ, die Schwester von Rose Macklés, der Frau von Masson, war. Im selben Jahr der Ausführung von Formes de la Fecondité I hatte Jacques Lacan auf einer Auktion das berühmte Gemälde von Courbet L'Origine du Monde erworben. Lacan bat Masson, eine hölzerne Schiebetür zu malen, um Origine du Monde zu verdecken, da es unangemessen war, ein solches Bild im eigenen Haushalt auszustellen, und das Gemälde zu dieser Zeit als skandalös galt. Massons Tür zeigte eine vereinfachte Schnitzerei des Gemäldes in seinem charakteristischen und einzigartigen Stil.

In Formes de la Fecondité I entlädt sich Massons Energie einmal mehr wie eine Explosion. Masson will mit seiner Arbeit nicht verführen, träumen oder begreifen, er will durch seine Kunst zeigen, dass im menschlichen Körper eine explosive Energie steckt, die in der Lage ist, Universen, Leben, Licht und Dunkelheit zu erschaffen. Diese schöpferischen Elemente sind alle deutlich in Formes de la Fecondité I dargestellt, einem Gemälde, das nur wenige Jahre später auf der IXXX Biennale von Venedig in einem Raum ausgestellt wurde, der ausschließlich Massons Werken gewidmet war.

Expertin: Mag. Patricia Pálffy Mag. Patricia Pálffy
+43-1-515 60-386

patricia.palffy@dorotheum.at

22.06.2021 - 16:00

Schätzwert:
EUR 40.000,- bis EUR 60.000,-

André Masson *


(Balagny/Oise 1896–1987 Paris)
Formes de la Fécondité I, 1955, rückseitig signiert, datiert und betitelt, Öl auf Leinwand, 81 x 100 cm, gerahmt

Zu diesem Werk liegt ein Fotozertifikat von M. Rheims und R. Laurin aus 1969 sowie ein Fotozertifikat von M. Jardot, Galerie L. Leiris (Nr. 07178/50620) aus 1981 vor.

Provenienz:
Sammlung des Künstlers
Galerie Louise Leiris, Paris
Galerie Semiha Huber, Zürich
Dort im Jahr 1969 vom heutigen Besitzer erworben

Ausgestellt:
Venedig, 29. Bienniale von Venedig, 1958

Charakteristisch für das Werk von André Masson sind die vielen Techniken, die er einsetzte. Diese reichten von satten, reichen Polychromien bis hin zu monochromen und rein linearen Arbeiten. Einige seiner Arbeiten beinhalteten eng definierte biomorphe Bilder, immer gekennzeichnet durch eine einzigartige Geschwindigkeit der Ausführung und ein großes persönliches Imaginarium.
Der Ende des 19. Jahrhunderts geborene französische Maler André Masson diente nur wenige Jahre nach seinem Eintritt in die École des Beaux Arts in Paris an den Fronten des Ersten Weltkriegs und wurde durch die Kriegserlebnisse tiefgreifend beeinflusst, was sein Interesse an der tieferen Realität des menschlichen Verhaltens und an der Erforschung der Abgründe des Unterbewusstseins weckte, das ihn zum Surrealismus führte. Nachdem er 1924 André Breton kennengelernt hatte, stellte er einige Jahre lang mit den Surrealisten aus. Sein Stil hatte auch die kubistische Tradition geerbt, vor allem was die Komposition seiner Bilder anging. Er interessierte sich für die nicht-rationalen Zwecke der Kunst wie die Übertragung von Gedanken direkt in die Zeichnung und Malerei. Masson und Mirò machten sogenannte automatische Zeichnungen, die die Bewegung des Bleistifts unbelastet von Gedanken zuließen.
Massons Universum strotzt vor heftigen Leidenschaften; Es ist eine Welt in ständiger Bewegung, in der die Menschen Durst, Hunger, Liebe und Tod erleben. Masson hält sich nicht zurück und lässt die Elemente in seinen Werken frei atmen und sich selbst vervielfältigen:
„la certitude d'être libre de tout lieu, d'avoir le droit de ce contradire, de vagabonder.“ [„Mit der Gewissheit, frei von jeglicher Örtlichkeit zu sein udn das Recht zu haben sich zu widersprechen und abzuschweifen.“] (A. Masson)
Masson wollte nicht einem vordefinierten künstlerischen Stil angehören, er wollte, dass die Malerei ein Teil des Lebens selbst ist, eine Art des Wissens, die mit der Art des Handelns zusammenhängt: sei dieses Handeln gewalttätig, erotisch oder chaotisch. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zog er mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten, wo er von der Arbeit amerikanischer Künstler wie Gorki, Pollock und Rothko beeinflusst wurde und seinerseits deren Werk zutiefst prägte. Wie Clement Greenberg feststellte, war die Anwesenheit von Masson in den Vereinigten Staaten während des Krieges für alle amerikanischen Künstler von unschätzbarem Wert: Masson hat mehr als jeder andere die neue abstrakte Malerei vorweggenommen, und dafür ist ihm nie genug Anerkennung zuteil geworden.
Formes de la Fecondité I, wurde 1955 geschaffen. Es trägt Spuren des automatischen Zeichnens, einschließlich erotischer und chaotischer Elemente innerhalb einer abstrakten Komposition, die durch den Einsatz von Farbe und Transparenz beim Betrachter ein Gefühl der Ruhe hinterlässt. Gleichzeitig spiegeln die automatischen Zeichnungen unweigerlich den komplexen Geisteszustand des Malers wider, der nicht zuletzt von den Ideen der Psychoanalyse geprägt ist.
Der bedeutende französische Psychoanalytiker und Psychiater Jacques Lacan war der Schwager von Masson, da Lacans zweite Frau Sylvia Macklés, die zuvor mit George Bataille verheiratet war, von dem sie sich scheiden ließ, die Schwester von Rose Macklés, der Frau von Masson, war. Im selben Jahr der Ausführung von Formes de la Fecondité I hatte Jacques Lacan auf einer Auktion das berühmte Gemälde von Courbet L'Origine du Monde erworben. Lacan bat Masson, eine hölzerne Schiebetür zu malen, um Origine du Monde zu verdecken, da es unangemessen war, ein solches Bild im eigenen Haushalt auszustellen, und das Gemälde zu dieser Zeit als skandalös galt. Massons Tür zeigte eine vereinfachte Schnitzerei des Gemäldes in seinem charakteristischen und einzigartigen Stil.

In Formes de la Fecondité I entlädt sich Massons Energie einmal mehr wie eine Explosion. Masson will mit seiner Arbeit nicht verführen, träumen oder begreifen, er will durch seine Kunst zeigen, dass im menschlichen Körper eine explosive Energie steckt, die in der Lage ist, Universen, Leben, Licht und Dunkelheit zu erschaffen. Diese schöpferischen Elemente sind alle deutlich in Formes de la Fecondité I dargestellt, einem Gemälde, das nur wenige Jahre später auf der IXXX Biennale von Venedig in einem Raum ausgestellt wurde, der ausschließlich Massons Werken gewidmet war.

Expertin: Mag. Patricia Pálffy Mag. Patricia Pálffy
+43-1-515 60-386

patricia.palffy@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Moderne
Datum: 22.06.2021 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 17.06. - 22.06.2021