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Lot Nr. 60 V


1931 Steyr XXX 8/40 PS Innenlenker


Einzigartiges Stück österreichische Automobilgeschichte
Nur vier Besitzer in den Nachkriegsjahren
Vom Einbringer aufwendig restauriert
Herausragender Zustand
Matching Numbers


Als 1926 aus der OEWG die Steyr-Werke A.G. wurde, war die Marke Steyr bereits erfolgreich in der gehobenen Mittelklasse etabliert und die Rennwägen sorgten europaweit für Furore. Mit dem Steyr XII erreichte man bereits fünfstellige Stückzahlen, die Jahresproduktion kratzte 1929 schon an der 5.000er Marke und in Steyr wurde am Fließband produziert. Im selben Jahr präsentierte man den Steyr XX als neues Mittelklassemodell. Um den erwarteten Absatz bedienen zu können, wartete man gar nicht erst auf Bestellungen, sondern baute gleich auf Vorrat. Mit einer Bank, der Allgemeinen Bodencreditanstalt, als 40%-Hauptaktionär war man sich gleichzeitig eines willigen Kreditgebers sicher. Außerdem hatte man sich die Dienste eines genialen Konstrukteurs gesichert, Prof. Ferdinand Porsche wurde neuer technischer Leiter.

Zunächst gaben die einlaufenden Bestellungen noch recht, doch dann sollte alles ganz anders kommen. Mitte des Jahres zogen dunkle Wolken am Horizont auf. Die Verkaufszahlen gingen zurück, Aufträge wurden storniert. Im Werk wusste man schon gar nicht mehr wohin mit den gebauten Steyr XX. Dann ging es schnell. Am 24. Oktober 1929 stürzte die New Yorker Börse die Welt in die Krise. In Steyr herrschte da schon Panik, denn gut zwei Wochen davor hatte die Hausbank die Regierung um Hilfe bitten müssen. Auf Druck von Bundeskanzler Schober wurde die Bodencreditanstalt von Österreichs größter Bank, der Creditanstalt, in deren Eigentum die Konkurrenz von Austro Daimler war, übernommen und riss dabei diese beinahe mit ins Verderben.

Was folgte, war das blanke Elend. Kaum eine Region in Österreich traf die Wirtschaftskrise so hart wie die Industriestadt Steyr. Der neue Eigentümer entließ zuerst mehr als die Hälfte der Arbeiter in der Fahrzeugproduktion, führte eine gemeinsame Produktionsplanung mit Austro Daimler ein und verhängte letztlich den Totalstopp der Fertigung.

Das war das Umfeld in dem Prof. Porsche am Steyr 30 tüftelte, der den XII und auch den XX ablösen sollte. Der Motor war wie schon im XX ein 2,1-Liter OHV Sechszylinder, jedoch wesentlich kurzhubiger, also spritziger ausgelegt. Die Kurbelwelle war achtfach gelagert und ihr Gehäuse aus Leichtmetall. Von weiterer Raffinesse zeugten ein beheiztes Saugrohr, die Wasserkühlung mit Pumpe und Thermostat und eine automatische Starterklappe. Vorne arbeitete eine Starrachse an Längsblattfedern, hinten eine Pendelachse an einer Querblattfeder. Neben dem modernen Mittelklassewagen arbeitete der Professor auch am Typ Austria, einem 8-Zylinder-Luxusmodell. Dem machte die Krise den Garaus, weil der unfreiwillige neue Steyr-Hauptaktionär keine interne Konkurrenz zu Austro Daimler wollte. Ferdinand Porsche erlebte sein Déjà-Vu, denn schon Jahre davor endete seine Zeit als Generaldirektor bei Austro Daimler im Streit mit der Creditanstalt. Von Steyr verabschiedete er sich nach weniger als einem Jahr, noch bevor sein Typ 30 im Oktober 1930 in Paris präsentiert wurde.

1930 war überhaupt für Steyr eine Katastrophe. Ganze 12, in Worten zwölf, Fahrzeuge baute man in diesem schwarzen Jahr. Vier Stück vom neuen Typ 30 und acht von dessen Taxiversion, dem Typ 45. Erst 1931 lief die Produktion wieder an, doch blieben die Stückzahlen weit hinter den Vorkrisen-Jahren zurück. Für das Jahr darauf überarbeitete man den Steyr 30. Es gab nun den Steyr 30 S, dessen Leistung um 5 PS stieg und der einen vierten Schnellgang besaß, davon eine verlängerte Version namens SL und passend zur Zeit eine Sparversion, den Steyr 30 E, ausschließlich als Limousine. Der ursprüngliche Steyr 30 blieb ebenso weiterhin im Programm, weil man immer noch viel zu viele auf Lager hatte. So findet sich in den Produktionslisten von 1932 kein einziges Exemplar, obwohl man noch fleißig für ihn Werbung machte.

Die Steyr 30 gab es mit einer Vielzahl verschiedener Karrosserieaufbauten, als Innenlenker Limousine, als Standard-Kabriolet, als Viersitzer-Luxus-Kabriolet und als 2- bis 3-sitziges Spezial-Luxus-Kabriolet. Verkaufskataloge aus jenen Jahren verzichteten bisweilen sogar darauf, den profanen Innenlenker anzuführen. So sicher war man sich seiner Sache, dabei war Luxus das Letzte, was man in jenen finsteren Jahren brauchte. Heute erinnern uns diese Wagen an die stolze Automobiltradition Österreichs, als man weltweit zur Speerspitze in Sachen Technik zählte. Diese Tage sind längst vergangen, aber Zeitzeugen wie dieser Innenlenker sorgen dafür, dass die Erinnerung nicht verblasst.

Am 18. Dezember 1952 wurde für diesen Steyr 30 Innenlenker eine neue Einzelgenehmigung ausgestellt und die alten Papiere aus den Jahren des Dritten Reichs eingezogen. Wieder angemeldet war der Steyr schon im Juli 1951 worden, auf Albert Schwantner in der Äußeren Mariahilferstraße in Wien-Fünfhaus. Im Juni 1960 wurde der Steyr abgemeldet und erst im Herbst 1963 auf seinen nächsten Besitzer Gregor Müller-Fembeck wieder zugelassen. Jahr für Jahr wurde er von dem rechtzeitig vor Wintereinbruch wieder abgemeldet, was darauf schließen lässt, dass diesem Steyr 30 schon sehr früh die Wertschätzung als Klassiker entgegengebracht wurde. Ein letztes Mal meldete er ihn Ende September 1969 ab und wieder würden drei Jahre vergehen, ehe der Steyr von einem neuen Besitzer 1972 wieder angemeldet wurde. 1988 wurde der Innenlenker dann tatsächlich ein letztes Mal für fast zwei Jahrzehnte abgemeldet, weil er da schon arg in die Jahre gekommen war.

Bis das sich zum Guten wandte, sollten Jahre ins Land ziehen, ehe sich mit dem aktuellen Besitzer im neuen Jahrtausend ein ausgewiesener Enthusiast fand. Er schickte sich an den Innenlenker gemeinsam mit seinem Vater vollumfänglich zu restaurieren und dem Steyr wieder zum Glanz alter Tage zu verhelfen. Das Ergebnis ist über jeden Zweifel erhaben und beeindruckt mit einer Qualität, wie man sie viel zu selten zu sehen bekommt. Kein Superlativ wird ihm auch nur annähernd gerecht. Minutiös wurde Buch geführt und ein ganzes Fotoalbum und Rechnungen zeugen mit welcher Akribie und welchem Aufwand am Steyr gearbeitet wurde. Erst vergangenen Winter ließ der Perfektionist auch den Motor noch einmal überholen. Aufgrund seines einmaligen Zustands und nicht zuletzt auch ob seiner Seltenheit, vermutlich gibt es heute mehr Kabriolets als Innenlenker, ist dieses Steyr 30 ein einzigartiges Stück österreichischer Automobilgeschichte, das es weiter zu bewahren gilt. Wie man es richtig macht, haben der Einbringer und sein Vater hinlänglich und eindrucksvoll bewiesen!

Chassis: 301146
Motor: 301146
Papiere: Österreichische Einzelgenehmigung von 1952

15.10.2022 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 77.050,-
Schätzwert:
EUR 55.000,- bis EUR 70.000,-

1931 Steyr XXX 8/40 PS Innenlenker


Einzigartiges Stück österreichische Automobilgeschichte
Nur vier Besitzer in den Nachkriegsjahren
Vom Einbringer aufwendig restauriert
Herausragender Zustand
Matching Numbers


Als 1926 aus der OEWG die Steyr-Werke A.G. wurde, war die Marke Steyr bereits erfolgreich in der gehobenen Mittelklasse etabliert und die Rennwägen sorgten europaweit für Furore. Mit dem Steyr XII erreichte man bereits fünfstellige Stückzahlen, die Jahresproduktion kratzte 1929 schon an der 5.000er Marke und in Steyr wurde am Fließband produziert. Im selben Jahr präsentierte man den Steyr XX als neues Mittelklassemodell. Um den erwarteten Absatz bedienen zu können, wartete man gar nicht erst auf Bestellungen, sondern baute gleich auf Vorrat. Mit einer Bank, der Allgemeinen Bodencreditanstalt, als 40%-Hauptaktionär war man sich gleichzeitig eines willigen Kreditgebers sicher. Außerdem hatte man sich die Dienste eines genialen Konstrukteurs gesichert, Prof. Ferdinand Porsche wurde neuer technischer Leiter.

Zunächst gaben die einlaufenden Bestellungen noch recht, doch dann sollte alles ganz anders kommen. Mitte des Jahres zogen dunkle Wolken am Horizont auf. Die Verkaufszahlen gingen zurück, Aufträge wurden storniert. Im Werk wusste man schon gar nicht mehr wohin mit den gebauten Steyr XX. Dann ging es schnell. Am 24. Oktober 1929 stürzte die New Yorker Börse die Welt in die Krise. In Steyr herrschte da schon Panik, denn gut zwei Wochen davor hatte die Hausbank die Regierung um Hilfe bitten müssen. Auf Druck von Bundeskanzler Schober wurde die Bodencreditanstalt von Österreichs größter Bank, der Creditanstalt, in deren Eigentum die Konkurrenz von Austro Daimler war, übernommen und riss dabei diese beinahe mit ins Verderben.

Was folgte, war das blanke Elend. Kaum eine Region in Österreich traf die Wirtschaftskrise so hart wie die Industriestadt Steyr. Der neue Eigentümer entließ zuerst mehr als die Hälfte der Arbeiter in der Fahrzeugproduktion, führte eine gemeinsame Produktionsplanung mit Austro Daimler ein und verhängte letztlich den Totalstopp der Fertigung.

Das war das Umfeld in dem Prof. Porsche am Steyr 30 tüftelte, der den XII und auch den XX ablösen sollte. Der Motor war wie schon im XX ein 2,1-Liter OHV Sechszylinder, jedoch wesentlich kurzhubiger, also spritziger ausgelegt. Die Kurbelwelle war achtfach gelagert und ihr Gehäuse aus Leichtmetall. Von weiterer Raffinesse zeugten ein beheiztes Saugrohr, die Wasserkühlung mit Pumpe und Thermostat und eine automatische Starterklappe. Vorne arbeitete eine Starrachse an Längsblattfedern, hinten eine Pendelachse an einer Querblattfeder. Neben dem modernen Mittelklassewagen arbeitete der Professor auch am Typ Austria, einem 8-Zylinder-Luxusmodell. Dem machte die Krise den Garaus, weil der unfreiwillige neue Steyr-Hauptaktionär keine interne Konkurrenz zu Austro Daimler wollte. Ferdinand Porsche erlebte sein Déjà-Vu, denn schon Jahre davor endete seine Zeit als Generaldirektor bei Austro Daimler im Streit mit der Creditanstalt. Von Steyr verabschiedete er sich nach weniger als einem Jahr, noch bevor sein Typ 30 im Oktober 1930 in Paris präsentiert wurde.

1930 war überhaupt für Steyr eine Katastrophe. Ganze 12, in Worten zwölf, Fahrzeuge baute man in diesem schwarzen Jahr. Vier Stück vom neuen Typ 30 und acht von dessen Taxiversion, dem Typ 45. Erst 1931 lief die Produktion wieder an, doch blieben die Stückzahlen weit hinter den Vorkrisen-Jahren zurück. Für das Jahr darauf überarbeitete man den Steyr 30. Es gab nun den Steyr 30 S, dessen Leistung um 5 PS stieg und der einen vierten Schnellgang besaß, davon eine verlängerte Version namens SL und passend zur Zeit eine Sparversion, den Steyr 30 E, ausschließlich als Limousine. Der ursprüngliche Steyr 30 blieb ebenso weiterhin im Programm, weil man immer noch viel zu viele auf Lager hatte. So findet sich in den Produktionslisten von 1932 kein einziges Exemplar, obwohl man noch fleißig für ihn Werbung machte.

Die Steyr 30 gab es mit einer Vielzahl verschiedener Karrosserieaufbauten, als Innenlenker Limousine, als Standard-Kabriolet, als Viersitzer-Luxus-Kabriolet und als 2- bis 3-sitziges Spezial-Luxus-Kabriolet. Verkaufskataloge aus jenen Jahren verzichteten bisweilen sogar darauf, den profanen Innenlenker anzuführen. So sicher war man sich seiner Sache, dabei war Luxus das Letzte, was man in jenen finsteren Jahren brauchte. Heute erinnern uns diese Wagen an die stolze Automobiltradition Österreichs, als man weltweit zur Speerspitze in Sachen Technik zählte. Diese Tage sind längst vergangen, aber Zeitzeugen wie dieser Innenlenker sorgen dafür, dass die Erinnerung nicht verblasst.

Am 18. Dezember 1952 wurde für diesen Steyr 30 Innenlenker eine neue Einzelgenehmigung ausgestellt und die alten Papiere aus den Jahren des Dritten Reichs eingezogen. Wieder angemeldet war der Steyr schon im Juli 1951 worden, auf Albert Schwantner in der Äußeren Mariahilferstraße in Wien-Fünfhaus. Im Juni 1960 wurde der Steyr abgemeldet und erst im Herbst 1963 auf seinen nächsten Besitzer Gregor Müller-Fembeck wieder zugelassen. Jahr für Jahr wurde er von dem rechtzeitig vor Wintereinbruch wieder abgemeldet, was darauf schließen lässt, dass diesem Steyr 30 schon sehr früh die Wertschätzung als Klassiker entgegengebracht wurde. Ein letztes Mal meldete er ihn Ende September 1969 ab und wieder würden drei Jahre vergehen, ehe der Steyr von einem neuen Besitzer 1972 wieder angemeldet wurde. 1988 wurde der Innenlenker dann tatsächlich ein letztes Mal für fast zwei Jahrzehnte abgemeldet, weil er da schon arg in die Jahre gekommen war.

Bis das sich zum Guten wandte, sollten Jahre ins Land ziehen, ehe sich mit dem aktuellen Besitzer im neuen Jahrtausend ein ausgewiesener Enthusiast fand. Er schickte sich an den Innenlenker gemeinsam mit seinem Vater vollumfänglich zu restaurieren und dem Steyr wieder zum Glanz alter Tage zu verhelfen. Das Ergebnis ist über jeden Zweifel erhaben und beeindruckt mit einer Qualität, wie man sie viel zu selten zu sehen bekommt. Kein Superlativ wird ihm auch nur annähernd gerecht. Minutiös wurde Buch geführt und ein ganzes Fotoalbum und Rechnungen zeugen mit welcher Akribie und welchem Aufwand am Steyr gearbeitet wurde. Erst vergangenen Winter ließ der Perfektionist auch den Motor noch einmal überholen. Aufgrund seines einmaligen Zustands und nicht zuletzt auch ob seiner Seltenheit, vermutlich gibt es heute mehr Kabriolets als Innenlenker, ist dieses Steyr 30 ein einzigartiges Stück österreichischer Automobilgeschichte, das es weiter zu bewahren gilt. Wie man es richtig macht, haben der Einbringer und sein Vater hinlänglich und eindrucksvoll bewiesen!

Chassis: 301146
Motor: 301146
Papiere: Österreichische Einzelgenehmigung von 1952


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 10.00 - 16.00
oldtimer@dorotheum.at

+43 1 515 60 428
Auktion: Klassische Fahrzeuge
Datum: 15.10.2022 - 16:00
Auktionsort: Messezentrum Salzburg
Besichtigung: 14.10. - 15.10.2022


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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