Zugeschrieben an Hieronimo Custodis

(tätig in Antwerpen und London in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts)
Bildnis einer vornehmen Dame, vermutlich Frances Sidney, Gräfin von Sussex (1531–1589), mit einem weißen Spitzenkragen und in einem bestickten und mit Perlen geschmückten Kleid,
Öl auf Holz, 37,5 x 29,5 cm, gerahmt

Wir danken Elizabeth Goldring, die die Dargestellte identifiziert hat.

Dieses fein gearbeitete Brustbild zeigt eine Dame von hohem Rang vor einem dunklen, schmucklosen Hintergrund, der ihre Gesichtszüge mit auffallender Unmittelbarkeit betont. Sie trägt ein schlichtes schwarzes Kleid, das mit sternförmig angeordneten Perlen verziert ist, sowie einen Mühlsteinkragen aus gestärktem Leinen mit Spitzenbesatz. Ihre Haartracht reicht über die Schläfen hinauf und ist mit dezentem Haarschmuck verziert. Weitere Accessoires sind eine Perlenkette und ein einzelner Perlenohrring – ein Detail von raffinierter Zurückhaltung, das in den 1570er- und 1580er-Jahren zu einem der modischsten Accessoires am elisabethanischen Hof werden sollte.

Die detaillierte Beobachtung des Gesichts der Porträtierten, die sorgfältige Darstellung der Kleidung und die strenge Präsentation scheinen dem englischen Stil von Hieronymus Custodis zu entsprechen, einem flämischen Emigranten, der Ende der 1580er-Jahre zu einem der führenden Porträtmaler von Elisabeth I. wurde. Der in Antwerpen geborene Custodis floh nach dem Fall seiner Heimatstadt im Jahr 1585 nach England. Spätestens 1589 hatte er sich in London einen Namen gemacht und erhielt Aufträge von prominenten protestantischen Adeligen. Sein erhaltenes Œuvre ist relativ überschau-, aber unverwechselbar: Halbfiguren auf dunklem Hintergrund und lineare Präzision in der Darstellung von Kragen und Schmuck in Verbindung mit einer feinen malerischen Ausarbeitung der Hauttöne. Zu den vom Künstler porträtierten Persönlichkeiten zählen Elizabeth Brydges, Giles Brydges, der 3. Baron Chandos, Sir John Ashburnham und Admiral Sir John Hawkins. Custodis starb um 1593, hinterließ jedoch in seiner kurzen Laufbahn in England einen unauslöschlichen Eindruck in der elisabethanischen Porträtmalerei, die sich durch Ernsthaftigkeit und Klarheit in der Form auszeichnet.

Das vermutliche Motiv dieses Gemäldes, Frances Sidney, die spätere Gräfin von Sussex, stammte aus der mächtigen Familie Sidney und war die Nichte des Dichters Sir Philip Sidney. Sie war mit Thomas Radclyffe, dem 3. Earl von Sussex, einem der vertrautesten Berater und Kämmerer von Elisabeth I., verheiratet. Nach dem Tod ihres Mannes 1583 verbrachte sie ihre letzten Jahre in relativer Zurückgezogenheit, behielt jedoch ihren Status als eine der ranghöchsten Adligen bei Hof. Ihr bleibendes Vermächtnis ist die Gründung des Sidney Sussex College in Cambridge, das sie testamentarisch stiftete und das 1596 gegründet wurde. Bildnisse von Frances sind selten. Zwei gesicherte Porträts in Öl dienen als nützliche Anhaltspunkte: Das erste, lebensgroß und ganzfigurig ausgeführt, stammt aus der Zeit zwischen 1570 und 1575; das zweite, in Halbfigur wiedergegeben, aus der Zeit um 1575. Beide befinden sich heute im Sidney Sussex College und zeigen Frances in ihren frühen Vierzigern. Auf dem vorliegenden Gemälde wirkt die Dargestellte etwas älter, lässt jedoch gemeinsame Merkmale mit den früheren Gemälden erkennen, etwa das helle Inkarnat, das rötliche Haar, die dunkelbraunen Augen, die markante Nase und den leicht zurückweichenden Haaransatz an beiden Schläfen, der dem Gesicht ein charakteristisches herzförmiges Aussehen verleiht. Diese Merkmale finden sich auch in dem Marmor- und Alabasterdenkmal zu Ehren von der Gräfin von Sussex in der St. Paul’s Chapel in der Westminster Abbey, wo die Witwe des Grafen nach ihrem Tod im Jahr 1589 beigesetzt wurde. Die physiognomischen Ähnlichkeiten zwischen diesem späten Porträt der Gräfin in der Westminster Abbey und dem hier angebotenen Bildnis sind besonders bemerkenswert, und es ist daher anzunehmen, dass das vorliegende Porträt ein seltenes erhaltenes Zeugnis einer der wichtigsten Mäzeninnen der Regierungszeit Elisabeths I. darstellt.

Die Kleidung der Porträtierten entspricht der ab 1585 in England aktuellen Mode. Der gestärkte und zusätzlich mit Draht verstärkte Mühlsteinkragen ist eine der bekanntesten Neuerungen der elisabethanischen Kleidung und taucht in Porträts aus den 1580er-Jahren auf, beispielsweise im „Hermelinporträt“ von Elisabeth I. von der Hand eines unbekannten Künstlers aus dem Jahr 1585 (Hatfield House). Das mit Sternen oder „oes” verzierte Kleid muss im Kerzenlicht geglänzt und eine vornehme Pracht verströmt haben. Der einzelne Perlenohrring war in der späteren elisabethanischen Zeit besonders in Mode. Er symbolisierte Reinheit und Beständigkeit und erlangte sowohl durch männliche als auch durch weibliche Porträts Popularität.

Experte: Mark MacDonnell Mark MacDonnell
+43 1 515 60 403

old.masters@dorotheum.at

Schätzwert:
EUR 10.000,- bis EUR 15.000,-

Zugeschrieben an Hieronimo Custodis


(tätig in Antwerpen und London in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts)
Bildnis einer vornehmen Dame, vermutlich Frances Sidney, Gräfin von Sussex (1531–1589), mit einem weißen Spitzenkragen und in einem bestickten und mit Perlen geschmückten Kleid,
Öl auf Holz, 37,5 x 29,5 cm, gerahmt

Wir danken Elizabeth Goldring, die die Dargestellte identifiziert hat.

Dieses fein gearbeitete Brustbild zeigt eine Dame von hohem Rang vor einem dunklen, schmucklosen Hintergrund, der ihre Gesichtszüge mit auffallender Unmittelbarkeit betont. Sie trägt ein schlichtes schwarzes Kleid, das mit sternförmig angeordneten Perlen verziert ist, sowie einen Mühlsteinkragen aus gestärktem Leinen mit Spitzenbesatz. Ihre Haartracht reicht über die Schläfen hinauf und ist mit dezentem Haarschmuck verziert. Weitere Accessoires sind eine Perlenkette und ein einzelner Perlenohrring – ein Detail von raffinierter Zurückhaltung, das in den 1570er- und 1580er-Jahren zu einem der modischsten Accessoires am elisabethanischen Hof werden sollte.

Die detaillierte Beobachtung des Gesichts der Porträtierten, die sorgfältige Darstellung der Kleidung und die strenge Präsentation scheinen dem englischen Stil von Hieronymus Custodis zu entsprechen, einem flämischen Emigranten, der Ende der 1580er-Jahre zu einem der führenden Porträtmaler von Elisabeth I. wurde. Der in Antwerpen geborene Custodis floh nach dem Fall seiner Heimatstadt im Jahr 1585 nach England. Spätestens 1589 hatte er sich in London einen Namen gemacht und erhielt Aufträge von prominenten protestantischen Adeligen. Sein erhaltenes Œuvre ist relativ überschau-, aber unverwechselbar: Halbfiguren auf dunklem Hintergrund und lineare Präzision in der Darstellung von Kragen und Schmuck in Verbindung mit einer feinen malerischen Ausarbeitung der Hauttöne. Zu den vom Künstler porträtierten Persönlichkeiten zählen Elizabeth Brydges, Giles Brydges, der 3. Baron Chandos, Sir John Ashburnham und Admiral Sir John Hawkins. Custodis starb um 1593, hinterließ jedoch in seiner kurzen Laufbahn in England einen unauslöschlichen Eindruck in der elisabethanischen Porträtmalerei, die sich durch Ernsthaftigkeit und Klarheit in der Form auszeichnet.

Das vermutliche Motiv dieses Gemäldes, Frances Sidney, die spätere Gräfin von Sussex, stammte aus der mächtigen Familie Sidney und war die Nichte des Dichters Sir Philip Sidney. Sie war mit Thomas Radclyffe, dem 3. Earl von Sussex, einem der vertrautesten Berater und Kämmerer von Elisabeth I., verheiratet. Nach dem Tod ihres Mannes 1583 verbrachte sie ihre letzten Jahre in relativer Zurückgezogenheit, behielt jedoch ihren Status als eine der ranghöchsten Adligen bei Hof. Ihr bleibendes Vermächtnis ist die Gründung des Sidney Sussex College in Cambridge, das sie testamentarisch stiftete und das 1596 gegründet wurde. Bildnisse von Frances sind selten. Zwei gesicherte Porträts in Öl dienen als nützliche Anhaltspunkte: Das erste, lebensgroß und ganzfigurig ausgeführt, stammt aus der Zeit zwischen 1570 und 1575; das zweite, in Halbfigur wiedergegeben, aus der Zeit um 1575. Beide befinden sich heute im Sidney Sussex College und zeigen Frances in ihren frühen Vierzigern. Auf dem vorliegenden Gemälde wirkt die Dargestellte etwas älter, lässt jedoch gemeinsame Merkmale mit den früheren Gemälden erkennen, etwa das helle Inkarnat, das rötliche Haar, die dunkelbraunen Augen, die markante Nase und den leicht zurückweichenden Haaransatz an beiden Schläfen, der dem Gesicht ein charakteristisches herzförmiges Aussehen verleiht. Diese Merkmale finden sich auch in dem Marmor- und Alabasterdenkmal zu Ehren von der Gräfin von Sussex in der St. Paul’s Chapel in der Westminster Abbey, wo die Witwe des Grafen nach ihrem Tod im Jahr 1589 beigesetzt wurde. Die physiognomischen Ähnlichkeiten zwischen diesem späten Porträt der Gräfin in der Westminster Abbey und dem hier angebotenen Bildnis sind besonders bemerkenswert, und es ist daher anzunehmen, dass das vorliegende Porträt ein seltenes erhaltenes Zeugnis einer der wichtigsten Mäzeninnen der Regierungszeit Elisabeths I. darstellt.

Die Kleidung der Porträtierten entspricht der ab 1585 in England aktuellen Mode. Der gestärkte und zusätzlich mit Draht verstärkte Mühlsteinkragen ist eine der bekanntesten Neuerungen der elisabethanischen Kleidung und taucht in Porträts aus den 1580er-Jahren auf, beispielsweise im „Hermelinporträt“ von Elisabeth I. von der Hand eines unbekannten Künstlers aus dem Jahr 1585 (Hatfield House). Das mit Sternen oder „oes” verzierte Kleid muss im Kerzenlicht geglänzt und eine vornehme Pracht verströmt haben. Der einzelne Perlenohrring war in der späteren elisabethanischen Zeit besonders in Mode. Er symbolisierte Reinheit und Beständigkeit und erlangte sowohl durch männliche als auch durch weibliche Porträts Popularität.

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Auktion: Alte Meister
Auktionstyp: Saalauktion mit Live Bidding
Datum:
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 11.10. - 23.10.2025