Mit bedeutenden Werken großer Namen wartet die Auktion Alte Meister am 22. Oktober im Rahmen der Classic Week im Dorotheum in Wien auf.
Pietro di Cristoforo Vannucci, genannt Perugino (1446–1523), war einer der einflussreichsten Künstler seiner Zeit. In Stil, Komposition und Maltechnik verkörpert er den Übergang von der Frührenaissance zur Hochrenaissance. Im Jahr 1479 und somit vor Michelangelo und Raffael wurde Perugino mit der Gestaltung der Sixtinischen Kapelle im Vatikan betraut. Die beiden aktuell angebotenen Tafelbilder „Der dornengekrönte Christus“ und „Maria“ stammen aus den 1490er-Jahren. Jener Zeit, in der Perugino nach Perugia zurückkehrte und der junge Raffael in seiner Werkstatt anheuerte, welcher den Stil seines Meisters imitierte (€ 600.000 – 800.000). Mit seiner großen Werkstatt in Rom wurde das Genie der Hochrenaissance mit der Gestaltung der Stanzen im Apostolischen Palast beauftragt – sein vielleicht berühmtestes Werk. Nach Raffaels frühem Tod im Jahr 1520 vollendete sein begabter Schüler Giulio Romano (1499–1546) den prestigeträchtigen Auftrag.
Giulio Romano arbeitete sowohl an der Staffelei als auch an großformatigen Fresken mit Raffael zusammen. Nach Raffaels Tod waren seine Dienste gefragter denn je; 1524 wurde er von Federico II. Gonzaga in Mantua zum Hofmaler ernannt. Die auf das Jahr 1526 datierte „Mystische Vermählung der Heiligen Katharina“ stammt aus jener Zeit. Hier ist der Einfluss Raffaels zwar unverkennbar, doch Komposition, Farbgebung und die feine Beobachtung der Charaktere und Emotionen der Figuren tragen die ureigene Handschrift Giulio Romanos, eines führenden Vertreters des Manierismus (€ 400.000 – 600.000).
Rubens-Zeichnung
Von Giulio Romano und in weiterer Folge von Raffael inspiriert ist die Zeichnung einer Madonna mit Kind, eines der seltenen Werke von Peter Paul Rubens, die in roter Kreide ausgeführt ist. Die aktuelle Rubens-Forschung ist sich einig darüber, dass es sich um eine eigenhändige Arbeit von Rubens handelt. Der Künstler erweiterte die Komposition um die Darstellung der liebevoll ihrem Kind Zugewandten. Die Ausführungsart und der Entstehungszeitraum allerdings lassen sich nicht genau entschlüsseln. Wahrscheinlich ist, dass die oberen Teile später entstanden sind und dabei das gesamte Blatt nochmals überarbeitet wurde (€ 120.000 – 150.000).
Frühwerk von Artemisia Gentileschi
Von der zu Lebzeiten gefeierten, lange vergessenen und im vergangenen Jahrzehnt wiederentdeckten Barockmalerin Artemisia Gentileschi bietet die Auktion das Gemälde einer Madonna mit Kind, eine das Jesuskind stillende Maria. Seine Entstehung fällt in die Zeit ihres ersten signiertes Werkes, „Susanna und die beiden Alten“, von Gentileschi auf 1610 datiert. Damals schuf sie eine Reihe von Madonnenbildern, die einander nicht nur ähneln, sondern auch ein Gemälde von Artemisias Vater zum Vorbild haben. Das im Dorotheum angebotene und bei zwei Ausstellungen präsentierte Gemälde scheint nicht vollendet zu sein, da das Sitzmöbel fehlt. Es handelt sich vermutlich um jenes Bild, das im Inventar von Artemisias 1620 in Florenz zurückgelassenen Besitz aufgelistet ist (€ 400.000 – 600.000).
Caravaggios innovativer Realismus mit seinen dramatischen Lichteffekten samt Nahsichttechnik wiederum nahmen sich die so genannten Utrechter Caravaggisten zum Vorbild. Mit dem Porträt eines Kirchenmalers von Dirck van Baburen und die Darstellung von Johannes dem Täufer von Hendrick ter Brugghen sind die zwei einflussreichsten Protagonisten dieses Genres in der Auktion vertreten (€ 150.000 – 200.000, € 60.000 – 80.000).
Herbststimmung
Die Düsseldorferin Emilie Preyer war wie Gentileschi eine Malertochter und zählte zu ihren Lebzeiten zu den wenigen international bekannten und finanziell erfolgreichen Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts. Sie war berühmt für ihre überaus detailgetreuen Stillleben. Und immer wieder finden sich in Preyers Arbeiten Wespen und Fliegen: typisch für die Künstlerin, genauso wie die schimmernden Tropfen, die die Frische der Früchte bezeugen sollen. Ihre malerische Brillanz zeigt sich bei ihren drei herbstlichen Früchtearrangements, deren größtes mit 30.000 bis 40.000 Euro bewertet ist und in der Auktion von Gemälden des 19. Jahrhunderts am 23. Oktober 2024 angeboten werden.
Werke der so genannten Stimmungsimpressionistinnen dürfen bei keiner Auktion fehlen. Besonders gute Beispiele kommen diesmal von Marie Egner und Olga Wisinger-Florian. Auch Leontine von Littrow, derzeit bei Sammler:innen höchst begehrt, gibt einen am sonnenbeschienenen Atelierfenster platzierten üppigen Fliederstrauch in impressionistischer Manier wieder. Unter den weiteren Highlights: Bäuerliche Genreszenen von Franz Defregger, einem Künstler, der vom Tiroler Bauernbub zum Münchener Malerfürsten aufstieg (z. B. Der Urlauber, junger Soldat zu Besuch daheim, € 60.000 – 80.000). Oder ein typisch romantisches Porträt, welches die bei der berühmten Porträtmalerin Élisabeth Vigeé-Lebrun geschulten Französin Hortense Haudebourt-Lescot von ihrem Sohn anfertigte (€ 80.000 – 100.000). Auch die Nähe zum Stil des englischen Porträtisten Thomas Lawrence ist evident. Unter den weiteren bekannten Namen: Alexander Koester, Gaetano Chierici, Matthäus Loder oder Franz Richard Unterberger.
Musicbox anno 1800
Bei der Auktion Antiquitäten am 23. Oktober 2024 überzeugt unter anderem ein perfekt aus weißem Marmor von Bildhauer Cesare Bazzoni herausgearbeitetes Hirtenmädchen mit Lamm. Die knapp einen Meter hohe Statue entstand im Jahre 1856 (€ 30.000 – 40.000). Zwischen 80.000 und 120.000 Euro taxiert ist eine museale Flötenuhr des schweizstämmigen Londoner Uhrmachers Benjamin Vulliamy. Das von ihm mit 1800 signierte Werk „Vulliamy London No 362.“ verbirgt hinter seinem Emailzifferblatt ein Federzug-Flötenspielwerk mit 27 Metallpfeifen, welches sieben Melodien spielen kann, inklusive automatischem Titelwechsel und Wiederholfunktion. Nach einem Modell von Johann Joachim Kändler gearbeitet ist eine 83 cm hohe Schneeballenvase aus dem 19. Jahrhundert, ein Meisterwerk aus der Porzellanmanufaktur Meissen (€ 18.000 – 30.000).
| CLASSIC WEEK AUKTIONEN 22. BIS 23. OKTOBER 2024 | |
|---|---|
| Alte Meister Möbel, Antiquitäten, Glas & Porzellan Gemälde des 19. Jahrhunderts | 22. Oktober 2024, 18 Uhr 23. Oktober 2024, 13 Uhr 23. Oktober 2024, 18 Uhr |
| Besichtigung | ab 12. Oktober 2024 |
| Ort | Palais Dorotheum Dorotheergasse 17 1010 Wien |
Für Ihre redaktionelle Berichterstattung über das Dorotheum stellen wir das Bildmaterial zur kostenfreien Nutzung zur Verfügung. Bitte nennen Sie die angeführten Bildunterschriften und Copyrightangaben. Für anderweitige Nutzungszwecke treten Sie bitte mit dem Dorotheum in Kontakt, um mögliche Fragen zu Nutzungs- und Urheberrechten zu klären.






