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Lot No. 1 V


1930 Steyr 30 Typ 45 Taxameter (ohne Limit / no reserve)


Ein Stück österreichische Automobil- und Zeitgeschichte
Vermutlich der zweite gebaute Steyr 45 Taxameter
Eines von nur 666 gebauten Exemplaren
Fantastischer Scheunenfund
Matching Numbers

Als 1926 aus der OEWG die Steyr-Werke A.G. wurde, war die Marke Steyr bereits erfolgreich in der gehobenen Mittelklasse etabliert und die Rennwägen sorgten europaweit für Furore. Mit dem Steyr XII erreichte man bereits fünfstellige Produktionszahlen, die Jahresproduktion kratzte 1929 schon an der 5.000er Marke. Im selben Jahr präsentierte man den Steyr XX als neues Mittelklassemodell. Um den erwarteten Absatz bedienen zu können, wartete man gar nicht erst auf Bestellungen, sondern baute gleich auf Vorrat. Mit einer Bank, der Allgemeinen Bodencreditanstalt, als 40%-Hauptaktionär war man sich gleichzeitig eines willigen Kreditgebers sicher. Außerdem hatte man sich die Dienste eines genialen Konstrukteurs gesichert, Prof. Ferdinand Porsche wurde neuer technischer Leiter.

Zunächst gaben die einlaufenden Bestellungen noch recht, doch dann sollte alles ganz anders kommen. Mitte des Jahres zogen dunkle Wolken am Horizont auf. Die Verkaufszahlen gingen zurück, Aufträge wurden storniert. Im Werk wusste man schon gar nicht mehr wohin mit den gebauten Steyr XX. Dann ging es schnell. Am 24. Oktober 1929 stürzte die New Yorker Börse die Welt in die Krise. In Steyr herrschte da schon Panik, denn gut zwei Wochen davor hatte die Hausbank die Regierung um Hilfe bitten müssen. Auf Druck von Bundeskanzler Schober wurde die Bodencreditanstalt von Österreichs größter Bank, der Creditanstalt, in deren Eigentum die Konkurrenz von Austro Daimler war, übernommen und riss dabei diese beinahe mit ins Verderben.

Was folgte, war das blanke Elend. Kaum eine Region in Österreich traf die Wirtschaftskrise so hart wie die Industriestadt Steyr. Der neue Eigentümer entließ zuerst mehr als die Hälfte der Arbeiter in der Fahrzeugproduktion, führte eine gemeinsame Produktionsplanung mit Austro Daimler ein und verhängte letztlich den Totalstopp der Fertigung.

Das war das Umfeld in dem Prof. Porsche am Steyr 30 tüftelte, der den XII und auch den XX ablösen sollte. Der Motor war wie schon im XX ein 2,1-Liter OHV Sechszylinder, jedoch wesentlich kurzhubiger, also spritziger ausgelegt. Die Kurbelwelle war achtfach gelagert und ihr Gehäuse aus Leichtmetall. Von weiterer Raffinesse zeugten ein beheiztes Saugrohr, die Wasserkühlung mit Pumpe und Thermostat und eine automatische Starterklappe. Vorne arbeitete eine Starrachse an Längsblattfedern, hinten eine Pendelachse an einer Querblattfeder. Neben dem modernen Mittelklassewagen arbeitete der Professor auch am Typ Austria, einem 8-Zylinder-Luxusmodell. Dem machte die Krise den Garaus, weil der unfreiwillige neue Steyr-Hauptaktionär keine interne Konkurrenz zu Austro Daimler wollte. Ferdinand Porsche erlebte sein Déjà-Vu, denn schon Jahre davor endete seine Zeit als Generaldirektor bei Austro Daimler im Streit mit der Creditanstalt. Von Steyr verabschiedete er sich nach weniger als einem Jahr, noch bevor sein Typ 30 im Oktober 1930 in Paris präsentiert wurde.

1930 war überhaupt für Steyr eine Katastrophe. Ganze 12, in Worten zwölf, Fahrzeuge baute man in diesem schwarzen Jahr. Vier Stück vom neuen Typ 30 und acht von dessen Taxiversion, dem Typ 45. Erst 1931 lief die Produktion wieder an, doch blieben die Stückzahlen weit hinter den Vorkrisen-Jahren zurück. Für das Jahr darauf überarbeitete man den Steyr 30. Es gab nun den Steyr 30 S, dessen Leistung um 5 PS stieg und der einen vierten Schnellgang besaß, davon eine verlängerte Version namens SL und passend zur Zeit eine Sparversion, den Steyr 30 E, ausschließlich als Limousine. Darüber hinaus entstand auf Basis des Steyr 30 der Steyr 45 Taxameter, wie der Name schon sagt, eine Limousine mit Taxi-Aufbau, drei Sitzreihen zu je zwei Sitzplätzen, der vorne ein Rolldach und hinten über ein Klappdach verfügte. Bis 1933 wurden davon 666 Stück gebaut.

Dieser Steyr 30 Typ 45 Taxameter als Zeitzeuge eines der vielleicht besten Beispiele, wie man in der Nachkriegszeit aus der Not eine Tugend machte. Weil das Gros an fahrbaren Untersätzen in den Kriegsjahren beschlagnahmt oder zerstört worden war, musste man sich mit dem helfen, was den Zweiten Weltkrieg überdauert hatte. Taxis brauchte unmittelbar nach Kriegsende niemand mehr, daher wurde dieser Steyr 30 Typ 45 Taxameter ganz einfach zum Pritschenwagen und Lastesel umfunktioniert. So leistete er seinen Beitrag zum Wiederaufbau, ehe er abgestellt wurde. Aufgetaucht ist er erst vor kurzem auf einem Bauernhof im oberösterreichischen Mühlviertel. Die Zeit hat sichtlich ihre Spuren an ihm überlassen, aber trotzdem gebietet dieses über 90 Jahre alte Stück Automobil- und Zeitgeschichte eine Portion Ehrfurcht, egal, ob man ihn restaurieren mag oder als stillen Zeitzeugen erhält. Laut seiner Karosserie-Nummer ist er obendrein vermutlich der zweite jemals gebaute Steyr 30 Typ 45 Taxameter, was dieses außergewöhnliche Automobil noch besonderer macht.

Chassis: 451432
Motor: 451432
Aufbau: 2 T
Papiere: keine

02.07.2022 - 15:00

Realized price: **
EUR 16,100.-
Estimate:
EUR 5,000.- to EUR 10,000.-

1930 Steyr 30 Typ 45 Taxameter (ohne Limit / no reserve)


Ein Stück österreichische Automobil- und Zeitgeschichte
Vermutlich der zweite gebaute Steyr 45 Taxameter
Eines von nur 666 gebauten Exemplaren
Fantastischer Scheunenfund
Matching Numbers

Als 1926 aus der OEWG die Steyr-Werke A.G. wurde, war die Marke Steyr bereits erfolgreich in der gehobenen Mittelklasse etabliert und die Rennwägen sorgten europaweit für Furore. Mit dem Steyr XII erreichte man bereits fünfstellige Produktionszahlen, die Jahresproduktion kratzte 1929 schon an der 5.000er Marke. Im selben Jahr präsentierte man den Steyr XX als neues Mittelklassemodell. Um den erwarteten Absatz bedienen zu können, wartete man gar nicht erst auf Bestellungen, sondern baute gleich auf Vorrat. Mit einer Bank, der Allgemeinen Bodencreditanstalt, als 40%-Hauptaktionär war man sich gleichzeitig eines willigen Kreditgebers sicher. Außerdem hatte man sich die Dienste eines genialen Konstrukteurs gesichert, Prof. Ferdinand Porsche wurde neuer technischer Leiter.

Zunächst gaben die einlaufenden Bestellungen noch recht, doch dann sollte alles ganz anders kommen. Mitte des Jahres zogen dunkle Wolken am Horizont auf. Die Verkaufszahlen gingen zurück, Aufträge wurden storniert. Im Werk wusste man schon gar nicht mehr wohin mit den gebauten Steyr XX. Dann ging es schnell. Am 24. Oktober 1929 stürzte die New Yorker Börse die Welt in die Krise. In Steyr herrschte da schon Panik, denn gut zwei Wochen davor hatte die Hausbank die Regierung um Hilfe bitten müssen. Auf Druck von Bundeskanzler Schober wurde die Bodencreditanstalt von Österreichs größter Bank, der Creditanstalt, in deren Eigentum die Konkurrenz von Austro Daimler war, übernommen und riss dabei diese beinahe mit ins Verderben.

Was folgte, war das blanke Elend. Kaum eine Region in Österreich traf die Wirtschaftskrise so hart wie die Industriestadt Steyr. Der neue Eigentümer entließ zuerst mehr als die Hälfte der Arbeiter in der Fahrzeugproduktion, führte eine gemeinsame Produktionsplanung mit Austro Daimler ein und verhängte letztlich den Totalstopp der Fertigung.

Das war das Umfeld in dem Prof. Porsche am Steyr 30 tüftelte, der den XII und auch den XX ablösen sollte. Der Motor war wie schon im XX ein 2,1-Liter OHV Sechszylinder, jedoch wesentlich kurzhubiger, also spritziger ausgelegt. Die Kurbelwelle war achtfach gelagert und ihr Gehäuse aus Leichtmetall. Von weiterer Raffinesse zeugten ein beheiztes Saugrohr, die Wasserkühlung mit Pumpe und Thermostat und eine automatische Starterklappe. Vorne arbeitete eine Starrachse an Längsblattfedern, hinten eine Pendelachse an einer Querblattfeder. Neben dem modernen Mittelklassewagen arbeitete der Professor auch am Typ Austria, einem 8-Zylinder-Luxusmodell. Dem machte die Krise den Garaus, weil der unfreiwillige neue Steyr-Hauptaktionär keine interne Konkurrenz zu Austro Daimler wollte. Ferdinand Porsche erlebte sein Déjà-Vu, denn schon Jahre davor endete seine Zeit als Generaldirektor bei Austro Daimler im Streit mit der Creditanstalt. Von Steyr verabschiedete er sich nach weniger als einem Jahr, noch bevor sein Typ 30 im Oktober 1930 in Paris präsentiert wurde.

1930 war überhaupt für Steyr eine Katastrophe. Ganze 12, in Worten zwölf, Fahrzeuge baute man in diesem schwarzen Jahr. Vier Stück vom neuen Typ 30 und acht von dessen Taxiversion, dem Typ 45. Erst 1931 lief die Produktion wieder an, doch blieben die Stückzahlen weit hinter den Vorkrisen-Jahren zurück. Für das Jahr darauf überarbeitete man den Steyr 30. Es gab nun den Steyr 30 S, dessen Leistung um 5 PS stieg und der einen vierten Schnellgang besaß, davon eine verlängerte Version namens SL und passend zur Zeit eine Sparversion, den Steyr 30 E, ausschließlich als Limousine. Darüber hinaus entstand auf Basis des Steyr 30 der Steyr 45 Taxameter, wie der Name schon sagt, eine Limousine mit Taxi-Aufbau, drei Sitzreihen zu je zwei Sitzplätzen, der vorne ein Rolldach und hinten über ein Klappdach verfügte. Bis 1933 wurden davon 666 Stück gebaut.

Dieser Steyr 30 Typ 45 Taxameter als Zeitzeuge eines der vielleicht besten Beispiele, wie man in der Nachkriegszeit aus der Not eine Tugend machte. Weil das Gros an fahrbaren Untersätzen in den Kriegsjahren beschlagnahmt oder zerstört worden war, musste man sich mit dem helfen, was den Zweiten Weltkrieg überdauert hatte. Taxis brauchte unmittelbar nach Kriegsende niemand mehr, daher wurde dieser Steyr 30 Typ 45 Taxameter ganz einfach zum Pritschenwagen und Lastesel umfunktioniert. So leistete er seinen Beitrag zum Wiederaufbau, ehe er abgestellt wurde. Aufgetaucht ist er erst vor kurzem auf einem Bauernhof im oberösterreichischen Mühlviertel. Die Zeit hat sichtlich ihre Spuren an ihm überlassen, aber trotzdem gebietet dieses über 90 Jahre alte Stück Automobil- und Zeitgeschichte eine Portion Ehrfurcht, egal, ob man ihn restaurieren mag oder als stillen Zeitzeugen erhält. Laut seiner Karosserie-Nummer ist er obendrein vermutlich der zweite jemals gebaute Steyr 30 Typ 45 Taxameter, was dieses außergewöhnliche Automobil noch besonderer macht.

Chassis: 451432
Motor: 451432
Aufbau: 2 T
Papiere: keine


Buyers hotline Mon.-Fri.: 10.00am - 4.00pm
oldtimer@dorotheum.at

+43 1 515 60 428
Auction: Klassische Fahrzeuge
Date: 02.07.2022 - 15:00
Location: Vösendorf
Exhibition: 30.06. – 02.07.2022


** Purchase price incl. charges and taxes

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