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Lot No. 31 V


1956 Glas Goggomobil Transporter TL 300


Augenscheinlich ein frühes Vorserien-Exemplar
Gesuchte Rarität unter den Kleinst-LKWs der Wirtschaftswunderzeit
Liebevoll und aufwendig restauriert

Deutschland war nach dem Krieg ein zerrissenes Land mit Jahren voller Mangel und Chaos. Die Straßen und Brücken waren zerstört, Bahn und Autos im Kriegseinsatz geschunden. Als erste Aufräum- und Aufbauhelfer kamen zuerst wieder Handkarren und Pferdefuhrwerke zum Einsatz, aber auch Personenwagen, die den Krieg überlebt hatten. Diese wurden oft der hinteren Sitzreihe samt Dach darüber beraubt und stattdessen mit Pritsche oder Kasten ausgestattet. Hinterhofwerkstätten mit Fantasie nahmen sich der unterschiedlichsten noch fahrfähigen Gefährte an und zauberten daraus funktionale Lastvehikel. Mit diesen oft abenteuerlichen Improvisationen machten sich Handwerker an den Arbeitsalltag und wickelten erste Aufträge damit ab. Die Automobilhersteller folgten dem Trend und so konnte man auch bei Mercedes PKWs mit Pritsche, bei Ford und Opel kleine Kastenwägen auf Basis der Serien-PKWs ordern. Bald entstand eine neue Transporterklasse mit bis zu 1 Tonne Nutzlast. Der VW-Bus ist wohl der bekannteste Vertreter daraus. Die Neuentwicklungen hatten jedoch nicht alle die Reife, den harten Wettbewerb zu überleben und so sehr sie das Straßenbild zwei Dekaden lang prägten, verschwanden diese Modelle sehr schnell auf den Schrottplätzen, oft auch die ganze Marke im Insolvenzverfahren.

Zu deren Vertretern gehört auch der Transporter der Firma Glas. Die kleine Automobilfabrik im niederbayerischen Dingolfing entwickelte ab 1951 in nur 15 Jahren eine komplette Produktfamilie. Beginnend beim Goggo Roller über kleine Limousinen und luxuriöse Coupés bis hin zum Lieferwagen. Ob 125 cc Einzylinder Zweitakter oder 3-Liter V8, Glas hatte für jeden Anlass etwas zu bieten. Der Anstoß für den Lieferwagen Goggomobil TL hingegen kam von der Deutschen Bundespost, die zur Entleerung der Briefkästen in Großstädten einen Ersatz für den bisher georderten Tempo Boy suchte, da dessen Produktion eingestellt werden sollte. Kein anderer Hersteller hatte ein ähnlich kleines Kaliber im Angebot. Bei Glas nahm man die Anfrage des Bonner Ministeriums sehr ernst und binnen weniger Wochen hatte man auf der nahezu unveränderten Bodengruppe des Goggomobils einen kubisch, doch praktisch aussehenden Prototypen geschaffen, dessen Blechhülle 1,6 Kubikmeter Laderaum bot. Die kompakten Abmessungen mit den praktischen Schiebetüren und der Zweitakter mit elektromagnetischem Vorwählgetriebe machten ihn zum idealen Fahrzeug für die geforderte Aufgabe der Post. Wegen der niedrigen Zuladung von 300 kg konnte der TL in der Zivilausführung nur wenige Gewerbetreibende zufrieden stellen. Am Ende wurden bis 1965 inklusive der 2.000 Postfahrzeugen nur 3.665 Exemplare des Transporters gebaut.

Unter den geschätzt noch ca. 100 existenten und vom Glas Club angenommenen etwa 25 fahrbereiten und somit extrem seltenen Exemplaren, hat der graue TL 300 eine besondere Stellung inne. Er zeigt viele Merkmale eines frühen Prototypen und ist einsatzbereit mit neuer technischer Hauptuntersuchung. Da es mehrere Vorserienfahrzeuge in unterschiedlichen Ausbaustufen gab, deren individuelle Details nicht alle bildtechnisch in die Jetztzeit überliefert sind, ist der genaue Status dieses TL schwer festzumachen. Vorserienfahrzeuge wurden zu Testzwecken auch kontinuierlich umgebaut ohne jede Änderung gleich zu dokumentieren. So weichen zwar einige wenige Merkmale von Bilderna bekannter Vorserienausführungen ab, die folgenden und sehr prägnanten Anzeichen dieses Transporters sprechen jedoch explizit wieder dafür: Er besitzt rundum die planen Flächen. Deshalb und der Handarbeit geschuldet, glänzten die frühen Fahrzeuge auch nur mit „ausreichendem“ Erscheinungsbild. Mit Start der Serienproduktion bekamen die großflächigen Seitenteile Streben zur Versteifung ins Blech.

Möglicherweise kann auch die Tatsache, dass Versuchsfahrzeuge gerne mal verschrottet oder einfach nur abgestellt und vergessen wurden, der Grund dafür sein, dass dieser TL erst vor ein paar Jahren wieder öffentlich und dokumentiert in Erscheinung trat, nämlich bei einer technischen Untersuchung des TL im deutschen Bodenseekreis. Die letzten Jahre war er dann Teil größerer Sammlungen, wurde soeben technisch geprüft und hat eine deutsche Zulassung mit neuer Hauptuntersuchung. Auch wenn Sie keine Briefkästen im Auftrag der Post zu leeren gedenken, so lassen sich laut zeitgenössischer Werbung beispielsweise auch „2.500 Tafeln Schokolade oder 170.000 Zigaretten oder 500 Paar Schuhe“ unterbringen, wahlweise aber auch Gegenstände von bis zu 2,70 m Länge. Und ein Bild von der IFMA 1956 beweist, dass dann immer noch Platz für zwei „Wohlgenährte“ in der Fahrerkabine ist. Verkehrsminister Seebohm und Hans Glas lächeln darauf gemeinsam aus einem Goggo Transporter. Mit einem TL 300 und insbesondere mit diesem im Prototypen-Outfit kann der neue Besitzer garantiert bei vielen Anlässen punkten, ob mit lachenden Gesichtern, ungläubigem Staunen, interessierten Fragen und mit Sicherheit vielen Bitten um ein Selfie mit dem liebenswürdigen Bonsai-LKW.

Chassis: 01-1956
Motor: 02/74881
Papiere: Deutsche historische Zulassung

02.07.2022 - 15:00

Estimate:
EUR 60,000.- to EUR 80,000.-

1956 Glas Goggomobil Transporter TL 300


Augenscheinlich ein frühes Vorserien-Exemplar
Gesuchte Rarität unter den Kleinst-LKWs der Wirtschaftswunderzeit
Liebevoll und aufwendig restauriert

Deutschland war nach dem Krieg ein zerrissenes Land mit Jahren voller Mangel und Chaos. Die Straßen und Brücken waren zerstört, Bahn und Autos im Kriegseinsatz geschunden. Als erste Aufräum- und Aufbauhelfer kamen zuerst wieder Handkarren und Pferdefuhrwerke zum Einsatz, aber auch Personenwagen, die den Krieg überlebt hatten. Diese wurden oft der hinteren Sitzreihe samt Dach darüber beraubt und stattdessen mit Pritsche oder Kasten ausgestattet. Hinterhofwerkstätten mit Fantasie nahmen sich der unterschiedlichsten noch fahrfähigen Gefährte an und zauberten daraus funktionale Lastvehikel. Mit diesen oft abenteuerlichen Improvisationen machten sich Handwerker an den Arbeitsalltag und wickelten erste Aufträge damit ab. Die Automobilhersteller folgten dem Trend und so konnte man auch bei Mercedes PKWs mit Pritsche, bei Ford und Opel kleine Kastenwägen auf Basis der Serien-PKWs ordern. Bald entstand eine neue Transporterklasse mit bis zu 1 Tonne Nutzlast. Der VW-Bus ist wohl der bekannteste Vertreter daraus. Die Neuentwicklungen hatten jedoch nicht alle die Reife, den harten Wettbewerb zu überleben und so sehr sie das Straßenbild zwei Dekaden lang prägten, verschwanden diese Modelle sehr schnell auf den Schrottplätzen, oft auch die ganze Marke im Insolvenzverfahren.

Zu deren Vertretern gehört auch der Transporter der Firma Glas. Die kleine Automobilfabrik im niederbayerischen Dingolfing entwickelte ab 1951 in nur 15 Jahren eine komplette Produktfamilie. Beginnend beim Goggo Roller über kleine Limousinen und luxuriöse Coupés bis hin zum Lieferwagen. Ob 125 cc Einzylinder Zweitakter oder 3-Liter V8, Glas hatte für jeden Anlass etwas zu bieten. Der Anstoß für den Lieferwagen Goggomobil TL hingegen kam von der Deutschen Bundespost, die zur Entleerung der Briefkästen in Großstädten einen Ersatz für den bisher georderten Tempo Boy suchte, da dessen Produktion eingestellt werden sollte. Kein anderer Hersteller hatte ein ähnlich kleines Kaliber im Angebot. Bei Glas nahm man die Anfrage des Bonner Ministeriums sehr ernst und binnen weniger Wochen hatte man auf der nahezu unveränderten Bodengruppe des Goggomobils einen kubisch, doch praktisch aussehenden Prototypen geschaffen, dessen Blechhülle 1,6 Kubikmeter Laderaum bot. Die kompakten Abmessungen mit den praktischen Schiebetüren und der Zweitakter mit elektromagnetischem Vorwählgetriebe machten ihn zum idealen Fahrzeug für die geforderte Aufgabe der Post. Wegen der niedrigen Zuladung von 300 kg konnte der TL in der Zivilausführung nur wenige Gewerbetreibende zufrieden stellen. Am Ende wurden bis 1965 inklusive der 2.000 Postfahrzeugen nur 3.665 Exemplare des Transporters gebaut.

Unter den geschätzt noch ca. 100 existenten und vom Glas Club angenommenen etwa 25 fahrbereiten und somit extrem seltenen Exemplaren, hat der graue TL 300 eine besondere Stellung inne. Er zeigt viele Merkmale eines frühen Prototypen und ist einsatzbereit mit neuer technischer Hauptuntersuchung. Da es mehrere Vorserienfahrzeuge in unterschiedlichen Ausbaustufen gab, deren individuelle Details nicht alle bildtechnisch in die Jetztzeit überliefert sind, ist der genaue Status dieses TL schwer festzumachen. Vorserienfahrzeuge wurden zu Testzwecken auch kontinuierlich umgebaut ohne jede Änderung gleich zu dokumentieren. So weichen zwar einige wenige Merkmale von Bilderna bekannter Vorserienausführungen ab, die folgenden und sehr prägnanten Anzeichen dieses Transporters sprechen jedoch explizit wieder dafür: Er besitzt rundum die planen Flächen. Deshalb und der Handarbeit geschuldet, glänzten die frühen Fahrzeuge auch nur mit „ausreichendem“ Erscheinungsbild. Mit Start der Serienproduktion bekamen die großflächigen Seitenteile Streben zur Versteifung ins Blech.

Möglicherweise kann auch die Tatsache, dass Versuchsfahrzeuge gerne mal verschrottet oder einfach nur abgestellt und vergessen wurden, der Grund dafür sein, dass dieser TL erst vor ein paar Jahren wieder öffentlich und dokumentiert in Erscheinung trat, nämlich bei einer technischen Untersuchung des TL im deutschen Bodenseekreis. Die letzten Jahre war er dann Teil größerer Sammlungen, wurde soeben technisch geprüft und hat eine deutsche Zulassung mit neuer Hauptuntersuchung. Auch wenn Sie keine Briefkästen im Auftrag der Post zu leeren gedenken, so lassen sich laut zeitgenössischer Werbung beispielsweise auch „2.500 Tafeln Schokolade oder 170.000 Zigaretten oder 500 Paar Schuhe“ unterbringen, wahlweise aber auch Gegenstände von bis zu 2,70 m Länge. Und ein Bild von der IFMA 1956 beweist, dass dann immer noch Platz für zwei „Wohlgenährte“ in der Fahrerkabine ist. Verkehrsminister Seebohm und Hans Glas lächeln darauf gemeinsam aus einem Goggo Transporter. Mit einem TL 300 und insbesondere mit diesem im Prototypen-Outfit kann der neue Besitzer garantiert bei vielen Anlässen punkten, ob mit lachenden Gesichtern, ungläubigem Staunen, interessierten Fragen und mit Sicherheit vielen Bitten um ein Selfie mit dem liebenswürdigen Bonsai-LKW.

Chassis: 01-1956
Motor: 02/74881
Papiere: Deutsche historische Zulassung


Buyers hotline Mon.-Fri.: 10.00am - 4.00pm
oldtimer@dorotheum.at

+43 1 515 60 428
Auction: Klassische Fahrzeuge
Date: 02.07.2022 - 15:00
Location: Vösendorf
Exhibition: 30.06. – 02.07.2022