Lot Nr. 193


Renato Birolli *


(Verona 1905–1959 Mailand)
Taxi rosso nella neve (Rotes Taxi im Schnee), 1932, signiert und datiert 32, Öl auf Leinwand, 56 x 48 cm, gerahmt

Provenienz:
Europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Milan, Il Chiarismo. Omaggio a De Rocchi. Luce e colore a Milano negli anni Trenta, Palazzo Reale, 16. Juni-5. September 2010, Ausst.-Kat. S. 112, Nr. 54 mit Abb.
Turin, Renato Birolli. Figure e luoghi 1930–1959, Museo Ettore Fico, 10. März-26. Juni 2016, Ausst.-Kat., Umschlagillustration

Literatur:C. Vanzetto, I colori degli angeli impacciati. Evanescenze romantiche dagli anni 30, nel clima neoclassico di Novecento, in „Corriere della Sera“, Mailand, 15. Juni 2010, S. 19 mit Abb.

Renato Birolli (1905-1959) kam im Jahre 1928, frisch von der Akademie, in Mailand an.
In den Jahren danach galt seine Aufmerksamkeit dem Kreis der jungen Künstler (von Lucio Fontana bis Sassu), die in erster Linie um Edoardo Perisco, einen der wichtigsten Kritiker von Birollis Werk, konzentrierte.
Perisco las und verlieh die Künstlerbücher von Maritain, aus der Serie „Roseau d’Or“ sowie von Péguy. In der Sermo Humilis, neigt Péguy dazu den allgemeinen Sprachgebrauch wiederzugeben. Der bewusst naive Erzählstil hier, sowie die grundlegende Syntax mit ihrem Rhythmus von ständigen Wiederholungen, die einem Kinderreim ähneln, sind in der Tat typisch für Péguy.
Dieselbe „naive“ Darstellung heiliger Themen, von Landschaften, die von einem evangelischen Geist der Kindheit geprägt sind, findet sich auch in Birollis Werk. Das Taxi, das in diesem Gemälde durch den Schnee kriecht, ist alles andere als schön; ganz im Gegenteil es wirkt ein wenig unbeholfen, ist aber gleichzeitig von der ätherischen Anmut aller weltlichen Dinge angehaucht. Damit scheint Birolli zu sagen, dass es ist die gleiche Ungeschicklichkeit ist, die uns alle charakterisiert: Die Wiederentdeckung des Alltäglichen durch die Linse der Kindheit.
Das Chaos der Mailänder Umwelt, die von all denen, die sich inmitten dieser Missgeschicke wiederfanden, mit unterschiedlichen, intimen Ansichten dargestellt wurde, war Birollis Chance, die derzeitige junge Avantgarde kennenzulernen.
Der brillante Künstler und Verleger Ernesto Treccani gründete eine Gruppe unter dem Namen „Corrente“ (Strömung), nach der gleichnamigen Zeitschrift, die 1938 ins Leben gerufen worden war.
Corrente, das von Ernesto Treccani auch geleitet wurde, entwickelte schnell seine eigene kollektive Aktion. Es wurde bald zum Organ der Opposition der Mailänder-Florentinischen Intellektuellen, sowie natürlich auch das der gleichnamigen künstlerischen und kulturellen Bewegung, deren Vertreter Raffaele De Grada, Giansiro Ferrata, Luciano Anceschi, Birolli selbst waren zusammen mit den sogenannten hermetischen „Puristen“ Bo, Luzi und Bigongiari.

28.11.2018 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 42.500,-
Schätzwert:
EUR 25.000,- bis EUR 35.000,-

Renato Birolli *


(Verona 1905–1959 Mailand)
Taxi rosso nella neve (Rotes Taxi im Schnee), 1932, signiert und datiert 32, Öl auf Leinwand, 56 x 48 cm, gerahmt

Provenienz:
Europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Milan, Il Chiarismo. Omaggio a De Rocchi. Luce e colore a Milano negli anni Trenta, Palazzo Reale, 16. Juni-5. September 2010, Ausst.-Kat. S. 112, Nr. 54 mit Abb.
Turin, Renato Birolli. Figure e luoghi 1930–1959, Museo Ettore Fico, 10. März-26. Juni 2016, Ausst.-Kat., Umschlagillustration

Literatur:C. Vanzetto, I colori degli angeli impacciati. Evanescenze romantiche dagli anni 30, nel clima neoclassico di Novecento, in „Corriere della Sera“, Mailand, 15. Juni 2010, S. 19 mit Abb.

Renato Birolli (1905-1959) kam im Jahre 1928, frisch von der Akademie, in Mailand an.
In den Jahren danach galt seine Aufmerksamkeit dem Kreis der jungen Künstler (von Lucio Fontana bis Sassu), die in erster Linie um Edoardo Perisco, einen der wichtigsten Kritiker von Birollis Werk, konzentrierte.
Perisco las und verlieh die Künstlerbücher von Maritain, aus der Serie „Roseau d’Or“ sowie von Péguy. In der Sermo Humilis, neigt Péguy dazu den allgemeinen Sprachgebrauch wiederzugeben. Der bewusst naive Erzählstil hier, sowie die grundlegende Syntax mit ihrem Rhythmus von ständigen Wiederholungen, die einem Kinderreim ähneln, sind in der Tat typisch für Péguy.
Dieselbe „naive“ Darstellung heiliger Themen, von Landschaften, die von einem evangelischen Geist der Kindheit geprägt sind, findet sich auch in Birollis Werk. Das Taxi, das in diesem Gemälde durch den Schnee kriecht, ist alles andere als schön; ganz im Gegenteil es wirkt ein wenig unbeholfen, ist aber gleichzeitig von der ätherischen Anmut aller weltlichen Dinge angehaucht. Damit scheint Birolli zu sagen, dass es ist die gleiche Ungeschicklichkeit ist, die uns alle charakterisiert: Die Wiederentdeckung des Alltäglichen durch die Linse der Kindheit.
Das Chaos der Mailänder Umwelt, die von all denen, die sich inmitten dieser Missgeschicke wiederfanden, mit unterschiedlichen, intimen Ansichten dargestellt wurde, war Birollis Chance, die derzeitige junge Avantgarde kennenzulernen.
Der brillante Künstler und Verleger Ernesto Treccani gründete eine Gruppe unter dem Namen „Corrente“ (Strömung), nach der gleichnamigen Zeitschrift, die 1938 ins Leben gerufen worden war.
Corrente, das von Ernesto Treccani auch geleitet wurde, entwickelte schnell seine eigene kollektive Aktion. Es wurde bald zum Organ der Opposition der Mailänder-Florentinischen Intellektuellen, sowie natürlich auch das der gleichnamigen künstlerischen und kulturellen Bewegung, deren Vertreter Raffaele De Grada, Giansiro Ferrata, Luciano Anceschi, Birolli selbst waren zusammen mit den sogenannten hermetischen „Puristen“ Bo, Luzi und Bigongiari.


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+43 1 515 60 200
Auktion: Klassische Moderne
Datum: 28.11.2018 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 17.11. - 28.11.2018


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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