Lot Nr. 1


Meister der dominikanischen Bildnisse


(Florenz, tätig 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts)
Hausaltar: Madonna mit Kind auf einem Thron, von Heiligen umgeben (Mitteltafel), Heiliger Paulus, heiliger Petrus und Erzengel Michael (linker Flügel), Kreuzigung mit Gottesmutter, Maria Magdalena und Johannes dem Evangelisten (rechter Flügel),
Tempera auf Goldgrund auf Holz, 35,5 x 37 cm (Gesamtmaße in geöffnetem Zustand), 31,5 x 9 cm (linker Flügel), 35,5 x 18,5 cm (Mitteltafel), 32 x 9,5 cm (rechter Flügel)

Provenienz:
Sammlung Joseph Lindon Smith, New York, vor 1950;
Sammlung Mrs. Samuel W. Hale, Dublin, Massachusetts;
Grace Gallery, Arezzo;
europäische Privatsammlung

Literatur:
R. Offner, An Archangel by Bernardo Daddi, in: International Studio, XCIII (1929), S. 26 (als Pittore Daddesco);
R. Offner, K. Steinweg (Hg.), A Critical and Historical Corpus of Florentine Painting, The Fourteenth Century, New York 1930, neu aufgelegt von M. Boskovits, Florenz 1987, Abschnitt III, Bd. II, S. 266, Tafel CVII–CIX (als Biadaiolo-Illuminator);
S. De Ricci, Vers un Corpus des Peintures Florentines, in: Gazette des Beaux-Arts, Nr. 140, Oktober 1934, S. 116;
Thieme-Becker Künstlerlexikon, Meister des Biadaiolo, Bd. XXXVII, Leipzig 1950, S. 46 (als Biadaiolo-Meister)

Dieser Hausaltar diente der privaten Andacht. Die Wahl der Heiligen scheint keiner bestimmten ikonografischen oder religiösen Notwendigkeit zu folgen und wurde höchstwahrscheinlich vom Auftraggeber getroffen.

Der Meister der dominikanischen Bildnisse ist auch als Biadaiolo-Illuminator oder Biadaiolo-Meister bekannt.

Es handelt sich hier um ein typisches Werk dieses noch unidentifizierten Florentiner Malers und Miniaturisten, der in der ersten Hälfte des Trecento tätig war und dessen Name sich von den Buchmalereien herleitet, mit denen der Meister den um 1335 zu datierenden Codex Specchio Umano ovvero il Biadaiolo von Domenico Lenzi ausstattete (Biblioteca Laurenziana, Florenz, Cod. Laurenziano-Tempiano Nr. 3). Auch Gemeinsamkeiten mit dem Altarbild in der Sammlung Lehman (Metropolitan Museum of Art, New York, Inv.-Nr. 1975.1.99; erwähnt bei R. Offner, Corpus, Bd. II, 1986, S. 260f.), dem für den Künstler maßgeblichsten Tafelbild, sind zu erkennen. Das vorliegende Werk weist insbesondere Ähnlichkeiten mit der Darstellung der Madonna mit Kind auf einem Thron, flankiert vom heiligen Petrus als Märtyrer und einem heiligen Bischof auf.

Unter den Gemälden dieser Gruppe lässt sich der frühe Stil des Meisters der dominikanischen Bildnisse erkennen, dessen Werke mit 1337 und 1345 datiert sind (siehe U. Procacci, in: Rivista d’Arte, 1960, S. 134; M. Boskovits, Corpus, Bd. IX, The Painters of the Miniaturist Tendency, Florenz 1984, S. 55). Das vorliegende Triptychon des Meisters, der als einer der herausragendsten Florentiner Vertreter einer von Offner festgestellten „miniaturistischen Richtung“ gilt, verrät deutlich den Einfluss, den Bernardo Daddi um 1330 ausübte, wobei eine höchst eigenständige Interpretation von Farbigkeit und Figurencharakterisierung zum Tragen kommt.

Technischer Bericht von Gianluca Poldi:

Durch ihre geringen Ausmaße präsentiert sich die Tafel beinahe als Miniatur, gemalt mit größter Genauigkeit bis ins kleinste Detail.

Trotz der kleinen Bildgröße bediente sich der Maler eine breiten Palette von Farben, die nach der Vergoldung der entsprechenden Bereiche auf weißem Grund aufgetragen wurden, wie durch eine Kombination nichtinvasiver Untersuchungsmethoden wie Reflexions- (VIS-RS) und Röntgenfluoreszenzspektroskopie (RFS) festgestellt werden konnte. Unter Streiflicht lassen sich ein mehrere Einschnitte erkennen.

Natürliches Ultramarin (aus Lapislazuli) wurde für das Gewand Mariens verwendet – sowohl für die Madonna auf dem Thron als auch für jene, die unter dem Kreuz steht. Weniger kostspieliger Azurit, nichtsdestotrotz von leuchtender Farbigkeit, kam für alle übrigen Blautöne zum Einsatz, etwa beim Mantel des heiligen Michael, wo er mit Rotlack gemischt wurde. Dieser auf Basis von Schildläusen (möglicherweise der Kermesschildlaus) hergestellte Farbton findet sich auch im Mantel des Täufers und der untersten Stufe des Throns. Kupfer ist in den Grünbereichen nachweisbar. Zinnober ergibt ein leuchtendes Rot, wie es etwa in der Kleidung der Maria Magdalena und für das rote Karomuster des Vorhangs der Mitteltafel verwendet wurde. Die schwarzen Karos enthalten Kupfer und Eisen, was ein Dunkelblau vermuten lässt, das zu Schwarz nachgedunkelt ist. Die goldenen Verzierungen des Vorhangs sind gut erhalten. Die gelben Gewänder wurden mit Bleizinngelb ausgeführt, mit Hinzufügung von hellbraunem Ocker für die Schattenbereiche, ganz im Einklang mit der damals üblichen Malpraxis.

22.10.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 106.550,-
Schätzwert:
EUR 60.000,- bis EUR 80.000,-

Meister der dominikanischen Bildnisse


(Florenz, tätig 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts)
Hausaltar: Madonna mit Kind auf einem Thron, von Heiligen umgeben (Mitteltafel), Heiliger Paulus, heiliger Petrus und Erzengel Michael (linker Flügel), Kreuzigung mit Gottesmutter, Maria Magdalena und Johannes dem Evangelisten (rechter Flügel),
Tempera auf Goldgrund auf Holz, 35,5 x 37 cm (Gesamtmaße in geöffnetem Zustand), 31,5 x 9 cm (linker Flügel), 35,5 x 18,5 cm (Mitteltafel), 32 x 9,5 cm (rechter Flügel)

Provenienz:
Sammlung Joseph Lindon Smith, New York, vor 1950;
Sammlung Mrs. Samuel W. Hale, Dublin, Massachusetts;
Grace Gallery, Arezzo;
europäische Privatsammlung

Literatur:
R. Offner, An Archangel by Bernardo Daddi, in: International Studio, XCIII (1929), S. 26 (als Pittore Daddesco);
R. Offner, K. Steinweg (Hg.), A Critical and Historical Corpus of Florentine Painting, The Fourteenth Century, New York 1930, neu aufgelegt von M. Boskovits, Florenz 1987, Abschnitt III, Bd. II, S. 266, Tafel CVII–CIX (als Biadaiolo-Illuminator);
S. De Ricci, Vers un Corpus des Peintures Florentines, in: Gazette des Beaux-Arts, Nr. 140, Oktober 1934, S. 116;
Thieme-Becker Künstlerlexikon, Meister des Biadaiolo, Bd. XXXVII, Leipzig 1950, S. 46 (als Biadaiolo-Meister)

Dieser Hausaltar diente der privaten Andacht. Die Wahl der Heiligen scheint keiner bestimmten ikonografischen oder religiösen Notwendigkeit zu folgen und wurde höchstwahrscheinlich vom Auftraggeber getroffen.

Der Meister der dominikanischen Bildnisse ist auch als Biadaiolo-Illuminator oder Biadaiolo-Meister bekannt.

Es handelt sich hier um ein typisches Werk dieses noch unidentifizierten Florentiner Malers und Miniaturisten, der in der ersten Hälfte des Trecento tätig war und dessen Name sich von den Buchmalereien herleitet, mit denen der Meister den um 1335 zu datierenden Codex Specchio Umano ovvero il Biadaiolo von Domenico Lenzi ausstattete (Biblioteca Laurenziana, Florenz, Cod. Laurenziano-Tempiano Nr. 3). Auch Gemeinsamkeiten mit dem Altarbild in der Sammlung Lehman (Metropolitan Museum of Art, New York, Inv.-Nr. 1975.1.99; erwähnt bei R. Offner, Corpus, Bd. II, 1986, S. 260f.), dem für den Künstler maßgeblichsten Tafelbild, sind zu erkennen. Das vorliegende Werk weist insbesondere Ähnlichkeiten mit der Darstellung der Madonna mit Kind auf einem Thron, flankiert vom heiligen Petrus als Märtyrer und einem heiligen Bischof auf.

Unter den Gemälden dieser Gruppe lässt sich der frühe Stil des Meisters der dominikanischen Bildnisse erkennen, dessen Werke mit 1337 und 1345 datiert sind (siehe U. Procacci, in: Rivista d’Arte, 1960, S. 134; M. Boskovits, Corpus, Bd. IX, The Painters of the Miniaturist Tendency, Florenz 1984, S. 55). Das vorliegende Triptychon des Meisters, der als einer der herausragendsten Florentiner Vertreter einer von Offner festgestellten „miniaturistischen Richtung“ gilt, verrät deutlich den Einfluss, den Bernardo Daddi um 1330 ausübte, wobei eine höchst eigenständige Interpretation von Farbigkeit und Figurencharakterisierung zum Tragen kommt.

Technischer Bericht von Gianluca Poldi:

Durch ihre geringen Ausmaße präsentiert sich die Tafel beinahe als Miniatur, gemalt mit größter Genauigkeit bis ins kleinste Detail.

Trotz der kleinen Bildgröße bediente sich der Maler eine breiten Palette von Farben, die nach der Vergoldung der entsprechenden Bereiche auf weißem Grund aufgetragen wurden, wie durch eine Kombination nichtinvasiver Untersuchungsmethoden wie Reflexions- (VIS-RS) und Röntgenfluoreszenzspektroskopie (RFS) festgestellt werden konnte. Unter Streiflicht lassen sich ein mehrere Einschnitte erkennen.

Natürliches Ultramarin (aus Lapislazuli) wurde für das Gewand Mariens verwendet – sowohl für die Madonna auf dem Thron als auch für jene, die unter dem Kreuz steht. Weniger kostspieliger Azurit, nichtsdestotrotz von leuchtender Farbigkeit, kam für alle übrigen Blautöne zum Einsatz, etwa beim Mantel des heiligen Michael, wo er mit Rotlack gemischt wurde. Dieser auf Basis von Schildläusen (möglicherweise der Kermesschildlaus) hergestellte Farbton findet sich auch im Mantel des Täufers und der untersten Stufe des Throns. Kupfer ist in den Grünbereichen nachweisbar. Zinnober ergibt ein leuchtendes Rot, wie es etwa in der Kleidung der Maria Magdalena und für das rote Karomuster des Vorhangs der Mitteltafel verwendet wurde. Die schwarzen Karos enthalten Kupfer und Eisen, was ein Dunkelblau vermuten lässt, das zu Schwarz nachgedunkelt ist. Die goldenen Verzierungen des Vorhangs sind gut erhalten. Die gelben Gewänder wurden mit Bleizinngelb ausgeführt, mit Hinzufügung von hellbraunem Ocker für die Schattenbereiche, ganz im Einklang mit der damals üblichen Malpraxis.


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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