Lot Nr. 48 V


1932 Steyr 30 S Luxus-Cabriolet Karosserie Austro Daimler


Chassis: 304768,
Motor: 304768,
Aufbau: 6405,
Papiere: Österreichischer Kraftfahrzeugbrief von 1932 und Österreichischer Kraftfahrzeugbrief von 1945

Lückenlose Historie einschließlich der Originalpapiere von 1932
Seltene Sonderkarosserie von Austro Daimler
Nur drei Besitzer von 1932 bis heute
Seit 25 Jahren beim Einbringer
Matching Numbers


Bereits 1916 gründete die Oesterrechische Waffenfabriks-Gesellschaft eine Automobil-Abteilung, Chefkonstrukteur wurde im Jahr darauf Hans Ledwinka, den man von der Nesselsdorfer Wagenbau-Fabriks-Gesellschaft (später Tatra) abgeworben hatte. 1920 war das erste Automobil fertig, das „Waffenauto“ Steyr II. Schon 1921 kehrte Ledwinka im Unfrieden nach Nesselsdorf zurück, seine Dienste waren nicht so gewürdigt worden, wie er sich das erwartet hatte, zumindest monetärer Natur.

Als 1926 aus der OEWG die Steyr-Werke A.G. wurde, war die Marke Steyr bereits erfolgreich in der gehobenen Mittelklasse etabliert und die Rennwägen sorgten europaweit für Furore. Mit dem Steyr XII erreichte man bereits fünfstellige Produktionszahlen, die Jahresproduktion kratzte 1929 schon an der 5.000er Marke. Im selben Jahr präsentierte man den Steyr XX als neues Mittelklassemodell. Um den erwarteten Absatz bedienen zu können, wartete man gar nicht erst auf Bestellungen, sondern baute gleich auf Vorrat. Mit einer Bank, der Allgemeinen Bodencreditanstalt, als 40%-Hauptaktionär war man sich gleichzeitig eines willigen Kreditgebers sicher. Außerdem hatte man sich die Dienste eines genialen Konstrukteurs gesichert, Prof. Ferdinand Porsche wurde neuer technischer Leiter.

Zunächst gaben die einlaufenden Bestellungen noch recht, doch dann sollte alles ganz anders kommen. Mitte des Jahres zogen dunkle Wolken am Horizont auf. Die Verkaufszahlen gingen zurück, Aufträge wurden storniert. Im Werk wusste man schon gar nicht mehr wohin mit den gebauten Steyr XX. Dann ging es schnell. Am 24. Oktober 1929 stürzte die New Yorker Börse die Welt in die Krise. In Steyr herrschte da schon Panik, denn gut zwei Wochen davor hatte die Hausbank die Regierung um Hilfe bitten müssen. Auf Druck von Bundeskanzler Schober wurde die Bodencreditanstalt von Österreichs größter Bank, der Creditanstalt, in deren Eigentum die Konkurrenz von Austro Daimler war, übernommen und riss dabei diese beinahe mit ins Verderben.

Was folgte, war das blanke Elend. Kaum eine Region in Österreich traf die Wirtschaftskrise so hart wie die Industriestadt Steyr. Der neue Eigentümer entließ zuerst mehr als die Hälfte der Arbeiter in der Fahrzeugproduktion, führte eine gemeinsame Produktionsplanung mit Austro Daimler ein und verhängte letztlich den Totalstopp der Fertigung.

Das war das Umfeld in dem Prof. Porsche am Steyr 30 tüftelte, der den XII und auch den XX ablösen sollte. Der Motor war wie schon im XX ein 2,1-Liter OHV Sechszylinder, jedoch wesentlich kurzhubiger, also spritziger ausgelegt. Die Kurbelwelle war achtfach gelagert und ihr Gehäuse aus Leichtmetall. Von weiterer Raffinesse zeugten ein beheiztes Saugrohr, die Wasserkühlung mit Pumpe und Thermostat und eine automatische Starterklappe. Vorne arbeitete eine Starrachse an Längsblattfedern, hinten eine Pendelachse an einer Querblattfeder. Neben dem modernen Mittelklassewagen arbeitete der Professor auch am Typ Austria, einem 8-Zylinder-Luxusmodell. Dem machte die Krise den Garaus, weil der unfreiwillige neue Steyr-Hauptaktionär keine interne Konkurrenz zu Austro Daimler wollte. Ferdinand Porsche erlebte sein Déjà-Vu, denn schon Jahre davor endete seine Zeit als Generaldirektor bei Austro Daimler im Streit mit der Creditanstalt. Von Steyr verabschiedete er sich nach weniger als einem Jahr, noch bevor sein Typ 30 im Oktober 1930 in Paris präsentiert wurde.

1930 war überhaupt für Steyr eine Katastrophe. Ganze 12, in Worten zwölf, Fahrzeuge baute man in diesem schwarzen Jahr. Vier Stück vom neuen Typ 30 und acht von dessen Taxiversion, dem Typ 45. Erst 1931 lief die Produktion wieder an, doch blieben die Stückzahlen weit hinter den Vorkrisen-Jahren zurück. Für das Jahr darauf überarbeitete man den Steyr 30. Es gab nun passend zur Zeit eine Sparversion, eine verlängerte Version und den Steyr 30 S. Dessen Leistung stieg um 5 PS und er besaß einen vierten Schnellgang. Nur 620 Stück entstanden 1932, dem ersten und letzten Jahr, in dem er gebaut wurde. Die Standard-Versionen waren weiterhin die Limousine und das viertürige Cabriolet. Für Luxus sorgten diverse offene Kreationen renommierter Karosseriebauer, darunter auch die hausinterne Konkurrenz von Austro Daimler. Die waren zwar bildhübsch, aber empfindlich teuer, und damit in jener Zeit alles andere als ein Verkaufsschlager. Heute erinnern uns diese Wagen an die stolze Automobiltradition Österreichs, als man weltweit zur Speerspitze in Sachen Technik zählte. Diese Tage sind längst vergangen, aber Zeitzeugen wie dieses Cabriolet sorgen dafür, dass die Erinnerung nicht verblasst.

Die Geschichte von diesem Luxus-Cabriolet ist so einfach wie einzigartig, dass sie schnell erzählt ist. Ausgeliefert wurde der Steyr am 1. Oktober 1932 nach Vorarlberg. Noch am selben Tag verkaufte die Firma Th. Anwander‘s Söhne das Cabriolet an Magdalena Jenny, die zur schweizer-vorarlbergerischen Textildynastie Jenny & Schindler gehörte. Am folgenden 6. Oktober ließ sie ihr Cabriolet auf das Kennzeichen W-5430 zu. In der Schweiz hat der Steyr wohl auch den Krieg überlebt, denn schon im November 1945 wurden neue Papiere auf seine Erstbesitzerin ausgestellt. Nicht weil die alten verloren gegangen wären, sondern weil Österreich ein besetztes Land war.

Erst fast ein halbes Jahrhundert nach seiner Erstbesitzerin, ließ der zweite Besitzer, ein Kärntner Sammler, den Wagen im Mai 1981 zu. 1994 konnte der Einbringer den Wagen, der 1987 abgemeldet worden war, als erst dritter Besitzer erwerben. Er ließ den Wagen sofort in Wien zum Straßenverkehr zu, doch stand nach gut 60 Jahren eine erste Restauration ins Haus. Der Steyr wurde komplett zerlegt und ausnahmslos alles wurde mit größter Liebe zum Detail und mit viel Hingabe und finanziellem Einsatz wieder in den Idealzustand versetzt. Umfangreiche Dokumentationen zeigen wie in den Jahren 1995 bis 1998 die Karosserie samt Unterbau, das Interieur und das Verdeck und letztlich die gesamte Mechanik repariert, überholt und erneuert wurden Ein Zentimeter dicker Ordner zeugt von der intensiven Beziehung von Besitzer und Automobil. Jeder Prüfbericht, jede Versicherungspolizze, jedwede Korrespondenz, jedes Foto und jede Rechnung wurde sorgfältig aufbewahrt. Das ganze beginnt mit der originalen Verkaufsannonce von 1994, die im Original überlebt hat.

Als wäre dieses Steyr 30 S Luxuscabriolet mit Sonderkarosserie nicht schon besonders genug, macht es seine Geschichte heute zu etwas Einzigartigem. Angefangen von der Erstbesitzerin bis zum dritten und letzten Eigner sind 87 Jahre Autoleben lückenlos dokumentiert. Eine solche Historie sucht weit und breit vergeblich seinesgleichen. Nun wird es Aufgabe eines vierten Besitzers dieses prachtvolle Cabriolet ein Stück weit durch die Geschichte weiter zu bewahren. Wie man es richtig macht, haben die Vorgänger hinlänglich und eindrucksvoll bewiesen!

19.10.2019 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 148.600,-
Schätzwert:
EUR 80.000,- bis EUR 110.000,-

1932 Steyr 30 S Luxus-Cabriolet Karosserie Austro Daimler


Chassis: 304768,
Motor: 304768,
Aufbau: 6405,
Papiere: Österreichischer Kraftfahrzeugbrief von 1932 und Österreichischer Kraftfahrzeugbrief von 1945

Lückenlose Historie einschließlich der Originalpapiere von 1932
Seltene Sonderkarosserie von Austro Daimler
Nur drei Besitzer von 1932 bis heute
Seit 25 Jahren beim Einbringer
Matching Numbers


Bereits 1916 gründete die Oesterrechische Waffenfabriks-Gesellschaft eine Automobil-Abteilung, Chefkonstrukteur wurde im Jahr darauf Hans Ledwinka, den man von der Nesselsdorfer Wagenbau-Fabriks-Gesellschaft (später Tatra) abgeworben hatte. 1920 war das erste Automobil fertig, das „Waffenauto“ Steyr II. Schon 1921 kehrte Ledwinka im Unfrieden nach Nesselsdorf zurück, seine Dienste waren nicht so gewürdigt worden, wie er sich das erwartet hatte, zumindest monetärer Natur.

Als 1926 aus der OEWG die Steyr-Werke A.G. wurde, war die Marke Steyr bereits erfolgreich in der gehobenen Mittelklasse etabliert und die Rennwägen sorgten europaweit für Furore. Mit dem Steyr XII erreichte man bereits fünfstellige Produktionszahlen, die Jahresproduktion kratzte 1929 schon an der 5.000er Marke. Im selben Jahr präsentierte man den Steyr XX als neues Mittelklassemodell. Um den erwarteten Absatz bedienen zu können, wartete man gar nicht erst auf Bestellungen, sondern baute gleich auf Vorrat. Mit einer Bank, der Allgemeinen Bodencreditanstalt, als 40%-Hauptaktionär war man sich gleichzeitig eines willigen Kreditgebers sicher. Außerdem hatte man sich die Dienste eines genialen Konstrukteurs gesichert, Prof. Ferdinand Porsche wurde neuer technischer Leiter.

Zunächst gaben die einlaufenden Bestellungen noch recht, doch dann sollte alles ganz anders kommen. Mitte des Jahres zogen dunkle Wolken am Horizont auf. Die Verkaufszahlen gingen zurück, Aufträge wurden storniert. Im Werk wusste man schon gar nicht mehr wohin mit den gebauten Steyr XX. Dann ging es schnell. Am 24. Oktober 1929 stürzte die New Yorker Börse die Welt in die Krise. In Steyr herrschte da schon Panik, denn gut zwei Wochen davor hatte die Hausbank die Regierung um Hilfe bitten müssen. Auf Druck von Bundeskanzler Schober wurde die Bodencreditanstalt von Österreichs größter Bank, der Creditanstalt, in deren Eigentum die Konkurrenz von Austro Daimler war, übernommen und riss dabei diese beinahe mit ins Verderben.

Was folgte, war das blanke Elend. Kaum eine Region in Österreich traf die Wirtschaftskrise so hart wie die Industriestadt Steyr. Der neue Eigentümer entließ zuerst mehr als die Hälfte der Arbeiter in der Fahrzeugproduktion, führte eine gemeinsame Produktionsplanung mit Austro Daimler ein und verhängte letztlich den Totalstopp der Fertigung.

Das war das Umfeld in dem Prof. Porsche am Steyr 30 tüftelte, der den XII und auch den XX ablösen sollte. Der Motor war wie schon im XX ein 2,1-Liter OHV Sechszylinder, jedoch wesentlich kurzhubiger, also spritziger ausgelegt. Die Kurbelwelle war achtfach gelagert und ihr Gehäuse aus Leichtmetall. Von weiterer Raffinesse zeugten ein beheiztes Saugrohr, die Wasserkühlung mit Pumpe und Thermostat und eine automatische Starterklappe. Vorne arbeitete eine Starrachse an Längsblattfedern, hinten eine Pendelachse an einer Querblattfeder. Neben dem modernen Mittelklassewagen arbeitete der Professor auch am Typ Austria, einem 8-Zylinder-Luxusmodell. Dem machte die Krise den Garaus, weil der unfreiwillige neue Steyr-Hauptaktionär keine interne Konkurrenz zu Austro Daimler wollte. Ferdinand Porsche erlebte sein Déjà-Vu, denn schon Jahre davor endete seine Zeit als Generaldirektor bei Austro Daimler im Streit mit der Creditanstalt. Von Steyr verabschiedete er sich nach weniger als einem Jahr, noch bevor sein Typ 30 im Oktober 1930 in Paris präsentiert wurde.

1930 war überhaupt für Steyr eine Katastrophe. Ganze 12, in Worten zwölf, Fahrzeuge baute man in diesem schwarzen Jahr. Vier Stück vom neuen Typ 30 und acht von dessen Taxiversion, dem Typ 45. Erst 1931 lief die Produktion wieder an, doch blieben die Stückzahlen weit hinter den Vorkrisen-Jahren zurück. Für das Jahr darauf überarbeitete man den Steyr 30. Es gab nun passend zur Zeit eine Sparversion, eine verlängerte Version und den Steyr 30 S. Dessen Leistung stieg um 5 PS und er besaß einen vierten Schnellgang. Nur 620 Stück entstanden 1932, dem ersten und letzten Jahr, in dem er gebaut wurde. Die Standard-Versionen waren weiterhin die Limousine und das viertürige Cabriolet. Für Luxus sorgten diverse offene Kreationen renommierter Karosseriebauer, darunter auch die hausinterne Konkurrenz von Austro Daimler. Die waren zwar bildhübsch, aber empfindlich teuer, und damit in jener Zeit alles andere als ein Verkaufsschlager. Heute erinnern uns diese Wagen an die stolze Automobiltradition Österreichs, als man weltweit zur Speerspitze in Sachen Technik zählte. Diese Tage sind längst vergangen, aber Zeitzeugen wie dieses Cabriolet sorgen dafür, dass die Erinnerung nicht verblasst.

Die Geschichte von diesem Luxus-Cabriolet ist so einfach wie einzigartig, dass sie schnell erzählt ist. Ausgeliefert wurde der Steyr am 1. Oktober 1932 nach Vorarlberg. Noch am selben Tag verkaufte die Firma Th. Anwander‘s Söhne das Cabriolet an Magdalena Jenny, die zur schweizer-vorarlbergerischen Textildynastie Jenny & Schindler gehörte. Am folgenden 6. Oktober ließ sie ihr Cabriolet auf das Kennzeichen W-5430 zu. In der Schweiz hat der Steyr wohl auch den Krieg überlebt, denn schon im November 1945 wurden neue Papiere auf seine Erstbesitzerin ausgestellt. Nicht weil die alten verloren gegangen wären, sondern weil Österreich ein besetztes Land war.

Erst fast ein halbes Jahrhundert nach seiner Erstbesitzerin, ließ der zweite Besitzer, ein Kärntner Sammler, den Wagen im Mai 1981 zu. 1994 konnte der Einbringer den Wagen, der 1987 abgemeldet worden war, als erst dritter Besitzer erwerben. Er ließ den Wagen sofort in Wien zum Straßenverkehr zu, doch stand nach gut 60 Jahren eine erste Restauration ins Haus. Der Steyr wurde komplett zerlegt und ausnahmslos alles wurde mit größter Liebe zum Detail und mit viel Hingabe und finanziellem Einsatz wieder in den Idealzustand versetzt. Umfangreiche Dokumentationen zeigen wie in den Jahren 1995 bis 1998 die Karosserie samt Unterbau, das Interieur und das Verdeck und letztlich die gesamte Mechanik repariert, überholt und erneuert wurden Ein Zentimeter dicker Ordner zeugt von der intensiven Beziehung von Besitzer und Automobil. Jeder Prüfbericht, jede Versicherungspolizze, jedwede Korrespondenz, jedes Foto und jede Rechnung wurde sorgfältig aufbewahrt. Das ganze beginnt mit der originalen Verkaufsannonce von 1994, die im Original überlebt hat.

Als wäre dieses Steyr 30 S Luxuscabriolet mit Sonderkarosserie nicht schon besonders genug, macht es seine Geschichte heute zu etwas Einzigartigem. Angefangen von der Erstbesitzerin bis zum dritten und letzten Eigner sind 87 Jahre Autoleben lückenlos dokumentiert. Eine solche Historie sucht weit und breit vergeblich seinesgleichen. Nun wird es Aufgabe eines vierten Besitzers dieses prachtvolle Cabriolet ein Stück weit durch die Geschichte weiter zu bewahren. Wie man es richtig macht, haben die Vorgänger hinlänglich und eindrucksvoll bewiesen!


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 10.00 - 16.00
oldtimer@dorotheum.at

+43 1 515 60 428
Auktion: Klassische Fahrzeuge
Datum: 19.10.2019 - 16:00
Auktionsort: Messezentrum Salzburg
Besichtigung: 18.10. - 19.10.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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