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Lot No. 62 V


1958 Steyr-Puch 500 Modell Fiat


FIN: 5108384, Motor: 5107745, Österreichischer Typenschein (Duplikat)

Seit 1997 in der Sammlung RRR
Restauriert von Walter Niessner

Gräf & Stift, Austro Daimler, Steyr, und wie sie alle hießen, zählten zu ihrer
Zeit zur automobilen Avantgarde. Die österreichische Automobilindustrie
genoss von Kindestagen an Weltruf und war stets am Puls der Zeit, auch
als ihr, wie so vielen anderen die Weltwirtschaftskrise schwer zu schaffen
machte. Den Garaus machte ihr ein Österreicher, geboren in Braunau,
gescheitert als Künstler, gefeiert als Führer. Noch 1936 präsentierte
Steyr mit dem Typ 50 seine Vision vom Volkswagen. Dann kam erst der
Anschluss und dann der Krieg. Was von der Automobilindustrie übrig
geblieben war, diente nun der Kriegsmaschinerie und mit 1941 rollten die
letzten Steyr 220 vom Band.

Während man sich anderorts um die Wiederaufnahme der Produktion
bemühte, war es in Österreich erstmal vorbei mit der Herrlichkeit. Anstatt
eigene Autos zu bauen, importierte man bei Steyr-Daimler-Puch lieber
Fiats aus Italien, um sie dann als Steyr-Fiat verkaufen zu können. Während
im großen Nachbarland reihenweise Rollermobile schon aus den Fabriken
rollten, ließ man in Steyr Erich Ledwinka jun., Sohn von Hans Ledwinka,
gemächlich ein paar Prototypen bauen. Ein 2-Liter Motor mit 5-Gang
Getriebe, den man in den Fiat 1400 einbaute, blieb zunächst der erste vorsichtige
Versuch österreichischer Ingenieurskunst.

Ledwinkas U1 hatte jedenfalls immerhin vier Räder und den Motor der
250 TF. 1955 übersiedelte Ledwinka nach Graz und nahm seine zweite
Schöpfung, den U2, dorthin mit. Der hatte als Antrieb einen Zwei-Zylinder-
Viertakt-Boxer. Mit dem U3 entstand noch ein dritter und größerer
Prototyp, danach gab es nur noch Entwürfe auf dem Papier. Als Fiat im
Sommer 1957 den neuen Cinquecento brachte, fiel Ledwinkas Entwurf
großteils dem Sparstift zum Opfer. Übrig blieb nur die Mechanik, bei der
Hülle bediente man sich im Hause Fiat. Was wie eine typisch österreichische
Verlegenheitslösung schien, sollte letztlich der große Coup werden.
Um 100 Millionen Schilling stellte man in Graz-Thondorf eine gewaltige
Montagehalle auf die grüne Wiese, in der nicht nur Motoren und Getriebe
gebaut wurden, sondern auch die Endmontage erfolgte. Aus Italien kamen
nur die Karosserien, aus Ledwinkas U3 der Antriebsstrang. Der Boxer leistete
ganze 16 PS und das Getriebe hatte im Gegensatz zu dem von Fiat
drei von vier Gängen synchronisiert. Auch die Bremsen waren besser, wie
eigentlich alles besser war. Und der IKA-Tacho drehte von rechts nach links.
Nur drei Monate nach Fiat begann in Graz die Produktion des Puch 500
Modell Fiat. Die Presse war voll des Lobes und endlich hatte Österreich
wieder ein eigenes Automobil, also fast.

Einen Haken hatte der Deal mit Fiat allerdings. Beim Export waren die
Italiener streng und duldeten keine Konkurrenz. So war die Zahl der
ins Ausland abwandernden Puchs auf von Fiat festgelegte Länder und
Stückzahlen beschränkt, auch wenn die Nachfrage noch so groß war. Schon
1958 begann die Modellpflege. Zweifarbiges Interieur, Zierleisten und
Kurbelfenster werteten den Puch ein wenig auf. Mechanisch blieb alles beim
noch gar nicht so Alten.

Neun Stück Puch 500 wurden im September 1997 zusammen mit zwei
Rollern im Konvolut angeschafft. Verkäufer war Walter Niessner, die graue
Eminenz in Sachen Puch. Zeitlebens Rennfahrer, Sammler und Restaurateur
gilt der als Doyen der steirischen Kleinwagen und sein Name ist über jeglichen
Zweifel erhaben. Auch dieser schilfgrüne, frühe Puch 500 durfte durch
Niessners Hände wiederauferstehen. 1984 von seiner Zweitbesitzerin abgemeldet,
wurde der Puch in den Folgejahren komplett renoviert. Dabei war
die Basis rostfrei gewesen und wurde selbstredend nur mit Originalteilen
wieder in den Neuzustand versetzt. Dass seither 35 Jahre vergangen sind,
sieht man dem Puch beim besten Willen nicht an. Niessner eben.

10.07.2020 - 14:00

Starting bid:
EUR 4,000.-

1958 Steyr-Puch 500 Modell Fiat


FIN: 5108384, Motor: 5107745, Österreichischer Typenschein (Duplikat)

Seit 1997 in der Sammlung RRR
Restauriert von Walter Niessner

Gräf & Stift, Austro Daimler, Steyr, und wie sie alle hießen, zählten zu ihrer
Zeit zur automobilen Avantgarde. Die österreichische Automobilindustrie
genoss von Kindestagen an Weltruf und war stets am Puls der Zeit, auch
als ihr, wie so vielen anderen die Weltwirtschaftskrise schwer zu schaffen
machte. Den Garaus machte ihr ein Österreicher, geboren in Braunau,
gescheitert als Künstler, gefeiert als Führer. Noch 1936 präsentierte
Steyr mit dem Typ 50 seine Vision vom Volkswagen. Dann kam erst der
Anschluss und dann der Krieg. Was von der Automobilindustrie übrig
geblieben war, diente nun der Kriegsmaschinerie und mit 1941 rollten die
letzten Steyr 220 vom Band.

Während man sich anderorts um die Wiederaufnahme der Produktion
bemühte, war es in Österreich erstmal vorbei mit der Herrlichkeit. Anstatt
eigene Autos zu bauen, importierte man bei Steyr-Daimler-Puch lieber
Fiats aus Italien, um sie dann als Steyr-Fiat verkaufen zu können. Während
im großen Nachbarland reihenweise Rollermobile schon aus den Fabriken
rollten, ließ man in Steyr Erich Ledwinka jun., Sohn von Hans Ledwinka,
gemächlich ein paar Prototypen bauen. Ein 2-Liter Motor mit 5-Gang
Getriebe, den man in den Fiat 1400 einbaute, blieb zunächst der erste vorsichtige
Versuch österreichischer Ingenieurskunst.

Ledwinkas U1 hatte jedenfalls immerhin vier Räder und den Motor der
250 TF. 1955 übersiedelte Ledwinka nach Graz und nahm seine zweite
Schöpfung, den U2, dorthin mit. Der hatte als Antrieb einen Zwei-Zylinder-
Viertakt-Boxer. Mit dem U3 entstand noch ein dritter und größerer
Prototyp, danach gab es nur noch Entwürfe auf dem Papier. Als Fiat im
Sommer 1957 den neuen Cinquecento brachte, fiel Ledwinkas Entwurf
großteils dem Sparstift zum Opfer. Übrig blieb nur die Mechanik, bei der
Hülle bediente man sich im Hause Fiat. Was wie eine typisch österreichische
Verlegenheitslösung schien, sollte letztlich der große Coup werden.
Um 100 Millionen Schilling stellte man in Graz-Thondorf eine gewaltige
Montagehalle auf die grüne Wiese, in der nicht nur Motoren und Getriebe
gebaut wurden, sondern auch die Endmontage erfolgte. Aus Italien kamen
nur die Karosserien, aus Ledwinkas U3 der Antriebsstrang. Der Boxer leistete
ganze 16 PS und das Getriebe hatte im Gegensatz zu dem von Fiat
drei von vier Gängen synchronisiert. Auch die Bremsen waren besser, wie
eigentlich alles besser war. Und der IKA-Tacho drehte von rechts nach links.
Nur drei Monate nach Fiat begann in Graz die Produktion des Puch 500
Modell Fiat. Die Presse war voll des Lobes und endlich hatte Österreich
wieder ein eigenes Automobil, also fast.

Einen Haken hatte der Deal mit Fiat allerdings. Beim Export waren die
Italiener streng und duldeten keine Konkurrenz. So war die Zahl der
ins Ausland abwandernden Puchs auf von Fiat festgelegte Länder und
Stückzahlen beschränkt, auch wenn die Nachfrage noch so groß war. Schon
1958 begann die Modellpflege. Zweifarbiges Interieur, Zierleisten und
Kurbelfenster werteten den Puch ein wenig auf. Mechanisch blieb alles beim
noch gar nicht so Alten.

Neun Stück Puch 500 wurden im September 1997 zusammen mit zwei
Rollern im Konvolut angeschafft. Verkäufer war Walter Niessner, die graue
Eminenz in Sachen Puch. Zeitlebens Rennfahrer, Sammler und Restaurateur
gilt der als Doyen der steirischen Kleinwagen und sein Name ist über jeglichen
Zweifel erhaben. Auch dieser schilfgrüne, frühe Puch 500 durfte durch
Niessners Hände wiederauferstehen. 1984 von seiner Zweitbesitzerin abgemeldet,
wurde der Puch in den Folgejahren komplett renoviert. Dabei war
die Basis rostfrei gewesen und wurde selbstredend nur mit Originalteilen
wieder in den Neuzustand versetzt. Dass seither 35 Jahre vergangen sind,
sieht man dem Puch beim besten Willen nicht an. Niessner eben.


Buyers hotline Mon.-Fri.: 10.00am - 4.00pm
oldtimer@dorotheum.at

+43 1 515 60 428
Auction: Cars and vehicles
Date: 10.07.2020 - 14:00
Location: Vösendorf
Exhibition: 06.07.2020 - 10.07.2020